Longevity Labs: Anti-Aging-Wirkstoff Spermidin als Keim zum Erfolg

Das Grazer Uni-Spin-off The Longevity Labs (TLL) produziert ein Nahrungsergänzungsmittel mit Spermidin – einem Anti-Aging-Wirkstoff, der die Zellalterung verlangsamt.

Longevity Labs: Anti-Aging-Wirkstoff Spermidin als Keim zum Erfolg

Geschäftsführer Herbert Pock (li.) und Gerald Sitte (r.)

Eine gewisse Selbstironie ist Hannes Androsch nicht abzusprechen: „Wie es bei mir wirkt, sage ich Ihnen an meinem neunzigsten Geburtstag.“ Der mittlerweile 82-jährige Ex-Politiker und Unternehmer ist nicht nur eines der prominentesten Testimonials des steirischen Start-ups The Longevity Labs (TLL), sondern auch begeisterter Kunde. Das Unternehmen stellt ein Nahrungsergänzungsmittel mit Spermidin her, einem der weltweit meistbeachteten Wirkstoffe der Altersforschung. Er soll Zellerneuerung unterstützen und Alterungsprozessen vorbeugen.

Was auf jeden Fall bereits gewirkt hat, sind die drei Millionen Euro, die Androsch in das Start-up gesteckt hat. Denn nach fünf Jahren Aufbauarbeit beginnt TLL nun durchzustarten. Das Feedback aus dem Markt ist vielversprechend. Die Umsätze des Produkts unter dem Markennamen spermidineLife verdoppeln sich jedes Jahr. Nach zwei und sechs Millionen Euro werden es heuer zwölf sein.


Ein revolutionärer Weg zur Unterstützung der Selbsterneuerung der Zellen, quasi zelluläres Anti-Aging.

Immerhin hat man Vertriebspartnerschaften oder Tochtergesellschaften in den größten Volkswirtschaften der Welt eingerichtet, in den USA, Russland oder Indien, freut sich Herbert Pock, gemeinsam mit Gerald Sitte Geschäftsführer des gar nicht mehr so kleinen Start-ups: „Andere Hersteller führen Spermidin-Produkte nur als eines unter vielen in ihrem Portfolio. Wir hingegen sind über 100 Personen in Graz, die alle nur hinter diesem einem Produkt stehen. Das macht den Unterschied“

Grazer Entdeckung

Die Wirkung von Spermidin wurde in Österreich an der Uni Graz von Frank Madeo entdeckt. Es kommt unter anderem in der Samenflüssigkeit des Mannes vor, wird vom menschlichen Körper selbst produziert und findet sich in höherer Konzentration auch in Nahrungsmitteln, etwa in Brokkoli, Vollkornprodukten oder Nüssen. Das biogene Polyamin kann im Zellstoffwechsel zelluläre Reinigungsprozesse einschalten, die sogenannte Autophagie.



Bisher galt Fasten als effizienteste Methode, diesen Vorgang im Körper gezielt auszulösen. Doch Studien im Tierversuch zeigten positive Autophagie-Effekte auch durch die erhöhte Gabe von Spermidin. Für den Menschen wird Ähnliches vermutet, liegt doch der Schlüssel, um die Zellalterung zu verlangsamen, in der Fähigkeit der Zellen, ihre alten Zellbestandteile aufzuarbeiten und wiederzuverwerten und damit jung und gesund zu bleiben. Epidemiologische Studien zeigen eine Korrelation zwischen der Ernährung mit stark spermidinhältigen Lebensmitteln und geringerer Sterblichkeit.

Weltweit wird nun an der Umsetzbarkeit dieser Erkenntnisse geforscht. Als Spin-off der Uni Graz hat sich TLL den Wissensvorsprung von Frank Madeo dabei zunutze gemacht, den Forscher in den wissenschaftlichen Beirat geholt und ein besonderes Verfahren entwickelt, um Spermidin aus Weizenkeimen zu extrahieren. Pock: „Damit bieten wir einen revolutionären Weg zur Unterstützung der Selbsterneuerung der Zellen, quasi zelluläres Anti-Aging.“

Weizenkeime weisen eine der höchsten pflanzlichen Spermidin-Konzentrationen auf. The Longevity Labs hat eine Extraktionsmethode entwickelt, die Forscher und Anwender weltweit begeistert.

Je Gramm Weizenkeimextrakt beträgt der Spermidingehalt 1,1 bis 1,3 Milligramm. Umgerechnet steckt der Wirkstoff von etwa einem Kilogramm Weizen in einer Kapsel. Ein spezielles Zulassungsverfahren in der EU (Novel-Food-Verordnung) garantiert die Sicherheit des entwickelten Nahrungsergänzungsmittels. Dass so gut wie alle Studien weltweit, die über Spermidin forschen, ihren Rohstoff aus Graz beziehen, zeigt nach Ansicht des Unternehmens, wie hoch die Qualität des Materials eingeschätzt wird.

Der Health-Investor

Der mehrheitliche Einstieg von Hannes Androsch, der unter dem Namen Vivamayr mehrere Gesundheitseinrichtungen in Österreich und London betreibt, ermöglichte vor zwei Jahren dann die Expansion aus Österreich hinaus. Androsch: „Demenz, Alzheimer, Parkinson – wenn man das mildern, verhindern oder verzögern kann, dann wäre das ein gewaltiger Gewinn an Lebensqualität, in der Lebensspanne und Gesundheitsspanne einander möglichst nah kommen.“

Miteigentümer Hannes Androsch

Testimonial und Mehrheitseigentümer Hannes Androsch.

Anders als Mitbewerber versucht man, sich dabei möglichst pharmanahe zu positionieren, betreibt klinische Forschung und vertreibt spermidineLife nur über Apotheken oder über den eigenen Onlinekanal. Das Produkt ist bereits in 29 Ländern weltweit vertreten, in vielen davon gibt es Vertriebspartnerschaften mit lokalen Apotheken.

Das Umsatzwachstum gibt der Strategie recht. Der Marktanteil an Produkten mit Spermidin in Österreich wird mit 85 Prozent beziffert. Besonders stolz ist man, dass der Wirkstoff in Österreich entdeckt wurde. Pock: „Das zeigt, wie viel Potenzial auch an österreichischen Forschungseinrichtungen oft ungenutzt schlummert. Wenn das nun als neues Thema plötzlich in den USA aufschlägt, die das Thema bisher noch gar nicht kannten, ist das schon sehr beeindruckend und aufregend.“


Facts & Figures

Longevity Labs wurde als Spin-off der Universität Graz gegründet. Unter Nutzung des Know-hows von Altersforscher Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften konnte ein Verfahren zur Extraktion des Zellwirkstoffes Spermidin aus Weizenkeimen für das Nahrungsergänzungsmittel spermidineLife entwickelt werden. Für 2021 werden 12 Mio. Euro Umsatz erwartet. Die GmbH beschäftigt 49 Mitarbeiter und liefert über Apotheken und Webshops in 29 Länder, etwa Indien, Russland oder USA.

Der Artikel ist dem trend.MED vom 26. März 2021 entnommen.

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