Italien unter Quarantäne: Ein Land im Ausnahmezustand

Der italienische Premier Giuseppe Conte lässt alle Geschäfte, Restaurants, Lokale in Italien schließen. Ausnahmen sind nur Supermärkte Apotheken, Banken, Postfilialen und das öffentliche Transportsystem. Die Maßnahme gilt vorerst bis zum 25. März.

Giuseppe Conte, Premierminister Italien

Giuseppe Conte, Premierminister Italien

Der italienische Premier Giuseppe Conte hat die Schließung in ganz Italien aller Geschäfte, Restaurants, Kantinen und anderer Lokale angekündigt. Ausnahmen sind Supermärkte und Apotheken. Offen bleiben auch Banken und Postfilialen. Das öffentliche Transportsystem soll weiter in Betrieb bleiben. Die Zeit der harten Isolierung gilt vorerst bis zum 25. März dauern, könnte aber auch verlängert werden, sollte die Zahl der Infektionen nicht zurückgehen.

Italien ist mittlerweile nach China das weltweit vom Coronavirus am schwersten betroffene Land. Die Zahl der Coronavirus-Toten in Italien steigt weiter rasant: Alleine am Mittwoch, den 11. März sind in Italien 196 Menschen an der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Damit liegt die Zahl der Corona-Todesopfer inzwischen bei 827. Die Zahl der Infizierten kletterte von 8.514 auf 10.590.

Die Zahl der genesenen Patienten wuchs um 41 Personen auf 1.045. Die meisten Todesopfer seien über 70 Jahre alt, teilte der Zivilschutz mit. Insgesamt liegen 5.838 Patienten wegen des Coronavirus im Krankenhaus, 1.028 davon auf der Intensivstation.

Einschränkungen für Unternehmen

Unternehmen arbeiten weiter, allerdings mit besonderen Sicherheitsprotokollen zum Schutz der Mitarbeiter. Firmen müssen alle Abteilungen schließen, die nicht für die Produktion notwendig sind. Die Sperre gilt ebenso für Dienstleister wie Friseur- und Kosmetiksalons sowie Bars und Restaurants. Außer-Haus-Lieferungen sind erlaubt. Beamte müssen auf Teleoffice-Modus setzen. Nur die wesentlichsten öffentlichen Ämter bleiben offen. Bahnen, Flüge und öffentliche Verkehrsmittel sind weiterhin garantiert, allerdings werden viele Verbindungen angesichts des Reiseverbots aufs Minimum stark eingeschränkt.

Conte ernannte den Manager Domenico Arcuri zum Sonderkommissar, der sich um die Koordinierung des Gesundheitswesens kümmern soll.

"Niemand darf denken, dass wir schon in den nächsten Tagen die Auswirkungen der strengen Maßnahmen sehen werden, die wir erst vor einigen Tagen ergriffen haben. Wenn die Zahl der Infektionen nicht sofort zurückgeht, bedeutet dies aber nicht, dass sie nicht greifen", mahnte Conte. Er dankte der italienischen Bevölkerung für die Kooperation im Kampf gegen die Epidemie. "Jetzt müssen wir aber einen weiteren Schritt zur Eingrenzung der Infektion unternehmen. Gesundheit hat höchste Priorität", sagte der Premier.

Epidemie grassiert weiter

Italiens komplette Abschottung ist laut Premier Conte notwendig geworden, nachdem die Infektionszahlen weiter stark gestiegen sind. 10.590 Personen sind infiziert, über die Hälfte in der Lombardei. 1.028 liegen auf den Intensivstationen und belasten das von Ausgabenkürzungen der vergangenen Jahre geschwächte Gesundheitssystem. Die Zahl der Todesopfer kletterte an einem Tag um 196 auf 827, davon 617 allein in der Lombardei. Die genesenen Patienten - circa 10 Prozent aller Infizierten - sind 1.045 Personen.

"Wir sind noch weit vom Höhepunkt der Epidemie entfernt. Die nächsten zwei Wochen sind entscheidend, um die Entwicklung der Infektion zu begreifen. Die Auswirkungen der rigorosen Regierungsmaßnahmen werden wir nicht binnen weniger Tage sehen. Diese Woche rechne ich mit einem weiteren Zuwachs bei der Zahl der Infizierten", sagte Giovanni Rezza, Direktor der Abteilung für Infektionskrankheiten von Italiens Oberstem Gesundheitssystem ISS.

Die befürchtet einen Zusammenbruch ihres Gesundheitssystems befürchtet. "Die Zeit des Kollapses ist nicht weit. Unsere Krankenhäuser können nicht ewig diesem Druck Stand halten", sagte der lombardische Gesundheitsbeauftragte Giulio Gallera. "Die Vernunft hat gesiegt. Angesichts der wachsenden Infektionszahlen gibt es keine Alternative zur totalen Abschottung", kommentierte der lombardische Präsident Attilio Fontana die Regierungsmaßnahmen. Fontana hatte von Premier Conte noch rigorosere Schritte gefordert und zwar einen kompletten Stopp des produktiven Systems und der Transporte. Der Präsident Venetiens Luca Zaia verspricht rigorose Kontrollen, damit die Vorschriften eingehalten werden.

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