Die Züge der Bahn fahren auf Boom Software ab

Die Züge der Bahn fahren auf Boom Software ab

Steirisches Know-how hält den Bahnverkehr in Bewegung.

Ein spannendes Finish mit einem knappen Sieger: Boom Software aus Leibnitz heißt das innovative „Unternehmen des Monats“ in der Steiermark. Gewählt vom Publikum, prämiert von der Steirischen Förderungsgesellschaft SFG. Doch der Titel ist für das Unternehmen nur ein Zwischenschritt. Am Ende der Etappe stehen 400.000 Schienenfahrzeuge.

Ein leckeres Müsli und ein kräftiger Kaffee, beides gratis – so beginnt für viele Mitarbeiter des Unternehmens Boom Software in Leibnitz der Arbeitstag. Was dann folgt, ist deutlich komplexer: Denn das südsteirische IT-Unternehmen unterstützt Großkunden wie die ÖBB und die Deutsche Bahn bei der Instandhaltung und Zuführung ihrer Lokomotiven. Die Loks melden über Sensoren auftretende Fehler, der gemeldete Fehler-Code wird analysiert. Dann checkt das System die nächstgelegene Werkstatt, in der Know how und freie Kapazitäten vorhanden sind, um das Problem zu lösen.

„Die Wege zu den Werkstätten können dadurch verkürzt werden, die Lokomotiven sind schneller wieder einsatzbereit“, nennt Andreas Schaller, CEO von Boom Software, die entscheidenden Vorteile. Diese Vorteile drücken sich auch in Zahlen aus: Schaller schätzt die Kostenersparnis bei der Instandhaltung durch den Einsatz der Lösung BMM Rail auf bis zu 20 Prozent.

Im ersten Schritt der 2018 beschlossenen Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn werden rund 3.000 Lokomotiven digital erfasst. Über die Leibnitzer Software werden die Störcodes erfasst und das Anfahren der nächsten freien Werkstatt optimiert. Doch die Loks sind erst der Anfang: Am Ende der auf acht Jahre angelegten Kooperation sollen auch alle Waggons der Bahn erfasst werden – in Summe bis zu 400.000 Schienenfahrzeuge.

Wartung per Künstlicher Intelligenz

Und auch technisch ist die Störungsmeldung erst der Anfang. „Im nächsten Schritt sollen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Störfehler analysiert und interpretiert werden, mit dem Ziel, mögliche Störungsursachen vorherzusagen“, schildert Schaller die nächsten Schritte.

Aber wie kommt ein Mega-Konzern wie die Deutsche Bahn (Umsatz 43 Milliarden Euro, 198.000 Mitarbeiter in Deutschland) zu einem Softwarehaus in Leibnitz mit 70 Mitarbeitern? „Der Schlüssel ist sicher unsere langjährige Zusammenarbeit mit den ÖBB“, sagt Andreas Schaller. Bereits vor 20 Jahren begannen die Steirer, damals noch ein Kleinbetrieb mit einer Handvoll Mitarbeitern, Software für die ÖBB zu entwickeln. Die Aufgabe: Ein Programm für die Wartungen und Inspektionen der Züge zu erstellen.

Mittlerweile wird Instandhaltung von sämtlichen 35.000 Schienenfahrzeugen der ÖBB mit Boom Software abgewickelt, dokumentiert und optimiert. Auch hier ist das Ziel, „Sicherheit und Verfügbarkeit unserer Züge weiter zu erhöhen“, so ÖBB Generaldirektor Andreas Matthä bei einem Besuch in der Leibnitzer Software-Schmiede im vergangenen Jahr, „die Digitalisierung gibt uns die Möglichkeit, Prozesse effektiver und transparenter zu gestalten.“ Im Rahmen einer Digitalisierungsoffensive will Matthä die Zusammenarbeit mit Boom weiter ausbauen.

Mit der ÖBB in die weite Welt

Und auch Boom will ausbauen: Mit Hilfe des ÖBB-Tickets treibt er die Internationalisierung des steirischen Unternehmens voran. Tatsächlich sind die Österreichischen Bundesbahnen weltweit ein Türöffner. „Die ÖBB haben weltweit einen ausgezeichneten Ruf und sind, gemeinsam mit den Schweizerischen Bundesbahnen, international ein Vorbild für Bahnbetreiber“, so Schaller.

Eine Niederlassung im Norden von Deutschland, in der Nähe der Hansestadt Bremen, gibt es bereits, entstanden aus einer Kooperation mit dem Energieversorger EWE. Auch die städtischen Verkehrsbetriebe von Hannover und Bonn fahren auf Boom ab. Rund ein Viertel des Umsatzes von ca. sieben Millionen Euro wird mittlerweile im Ausland erzielt. Im Visier der Leibnitzer sind neben den skandinavischen Ländern auch die Niederlande und Polen.
Was die geplante Internationalisierung, die im Unternehmen oberste Priorität hat, bremsen könnte: Der Mangel an geeigneten Fachkräften. „Der Markt ist leergefegt“, klagt Schaller, „der Wettbewerb um IT-Fachkräfte wird immer härter.“ Das Problem verschärft noch, dass auch viele Industrieunternehmen, getrieben durch die Digitalisierung, IT-Fachleute vom Markt absaugen. Schaller: „Ein moderner Maschinenbauer ist fast schon ein eigenes Software-Haus.“

Employer Branding hat daher bei Boom Software einen hohen Stellenwert. Das reicht von Playstation und Tischfußball in der Mitarbeiter-Lounge bis zu viertägigen Betriebsausflügen nach London, Barcelona oder Kreta. Und das Müsli am Morgen ist ja ohnehin gratis.


Boom Software wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG im Januar 2019 zum "Unternehmen des Monats" gewählt.

Das Leibnitzer Unternehmen, dessen Software von Groß-Unternehmen wie den ÖBB und der Deutschen Bahn genutzt wird, konnte sich bei der Wahl knapp gegen FISCH Tools, einen Spezialisten für Bohr- und Fräswerkzeuge, sowie Hutter Acustix, renommierter Ausstatter von Konzertsälen, durchsetzen.

Die Wahl des "Unternehmens des Monats" wird seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


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