MedUni-Rektor Müller: „Wien ist ein hervorragender Forschungsstandort“

MedUni-Rektor Müller: „Wien ist ein hervorragender Forschungsstandort“

Markus Müller - Rektor der MedUni-Wien

MedUni-Wien-Rektor Markus Müller über neue Forschungsgebäude, revolutionäre Entwicklungen in der Augenheilkunde und darüber, wie die Digitalisierung die Medizin verändern wird.

trend: Was unterscheidet die Med-Uni Wien von anderen Forschungsstätten, worin liegt die Besonderheit?
Markus Müller: In der MedUni Wien arbeiten derzeit über 3.500 Forscher und Ärzte. Ihre wissenschaftliche Leistung kommt direkt den Patienten zugute, da die MedUni Wien Grundlagenforschung und klinische Anwendung eng miteinander verknüpft. Man nennt das translationale Medizin.

Welche Rahmenbedingungen finden die MedUni-Forscher vor?
Müller: Kollegen anderer Unis beklagen immer das schwierige Umfeld. Unseres ist gerade dabei, sich erheblich zu verbessern. Wir bauen jetzt um 100 Millionen Euro ein neues Forschungsgebäude für translationale Medizin und Präzisionsmedizin hier auf unserem Gelände. Gerade sind wir bei der Planung. Zwischen 2024 und 2025 könnte das Haus bezogen werden. Bisher waren die Standorte für klinische Studien über einige Bezirke verteilt. Jetzt wird das alles zusammengeführt. In den vergangenen Jahren gab es noch viele Hürden: die Kooperation mit dem AKH, die Infrastruktur, die Finanzierung. Jetzt gibt es mehr Geld, eine neue Vertragsregelung mit dem AKH und ein neues Haus. Alles hat sich zum Besseren gewendet. Für uns ist Wien ein hervorragender Forschungsstandort.

An English version of the article is available in the trend special issue accompanying the Global Peter Drucker Forum 2017.
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Die MedUni Wien fokussiert auf fünf Forschungsschwerpunkte. In welchen Bereichen passiert derzeit die aufregendste Entwicklung?
Müller: Das ist ziemlich heterogen. Ein histologisches Bild der Netzhaut zu erstellen, war zum Beispiel eine Technologie, die hier bei uns entwickelt wurde und die Augenheilkunde revolutionierte. Es ist oft nicht bekannt, dass das aus Wien kommt. Auch in der Onkologie gibt es laufend neue Ergebnisse, da spielen wir an vorderster Front mit. Die Krebsforschung profitiert von Forschungsergebnissen aus den letzten 20 Jahren, deshalb gibt es jetzt Durchbrüche, etwa bei Darm- und Lungenkrebs. Krebs wird beherrschbar werden, wie bei Aids. Das Ziel in der Onkologie ist die Metastasenbeherrschung. Aber auch im neurowissenschaftlichen Bereich gibt es schon spannende Entwicklungen, so forscht man an einer Impfung gegen Alzheimer. In der Immunologie gibt es Fortschritte etwa bei Rheuma.

Auf dem genetischen Gebiet gibt es seit der Sequenzierung auch enorme Fortschritte.
vMüller: Ja, da spielen sich Revolutionen ab. Und es wird künftig noch viel weiter gehen. In 20 bis 30 Jahren wird man bei der Geburt eines Kindes schon sein ganzes Genom analysieren, wird dadurch sein Stoffwechselprofil, sein Proteinprofil und vieles mehr ­erfassen und überwachen können.

Sie meinen, die Digitalisierung in der Medizin wird künftig noch viel weiter gehen?
Müller: Das zeichnet sich schon ab. Roboter werden die Arbeit von Radiologen übernehmen, Bilder auswerten, so, wie das heute Maschinen schon im Labor für Blutproben übernehmen. Roboter werden Befunde lesen und deuten. Die Ärzte, die heute schon sehr technisch orientiert sind, werden entlastet und können sich mehr den Patienten zuwenden.

Auch zur Diagnosefindung, etwa bei seltenen Krankheiten, nutzt man schon Datenbanken.
Müller: Ja, die Diagnosefindung wird immer schwieriger, weil das Wissen explosionsartig zunimmt. Wie finde ich die Nadel im Heuhaufen? In einem Teil unseres neuen Forschungsgebäudes werden wir riesige Datensammlungen unterbringen und dann unsere Stärken nutzen, um diese Daten auch in Forschungsergebnisse umzusetzen. Im deutschen Sprachraum zählen wir schon jetzt zu den fünf besten Medizin-Unis.

Wie finanziert die MedUni ihre Forschungsaktivitäten? Wie viel trägt die Pharmabranche bei?
Müller: 350 Millionen Euro erhalten wir vom Staat, davon betragen die Gehälter rund 90 Prozent. Es bleiben uns vielleicht fünf ­Prozent der Einnahmen für die Forschung. 25 Prozent kommen aus Drittmitteln von der Industrie, das sind etwa 90 Millionen Euro. Kleinere Zuwendungen kommen aus EU-Fördergeldern und Kooperation mit anderen Forschungsstätten. Derzeit laufen 270 Studien an Patienten an der MedUni Wien. Pro Jahr kommen 171 Studien dazu und 73 neue im Jahr, die sich mit Technikinnovationen beschäftigen.

Zur Person

Markus Müller , 50, ist Universitätsprofessor, Facharzt für Innere Medizin und Klinische Pharmakologie und am 1. Oktober 2015 zum Rektor der MedUni Wien gewählt worden.


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