USound: Große Geschäfte mit Mikrolautsprechern

USound-Geschäftsführer und Mitgründer Ferrucio Bottoni

USound-Geschäftsführer und Mitgründer Ferrucio Bottoni

Viel Sound aus winzigen Lautsprechern: Rund 150 Patente hat das 2014 gegründete Grazer Start-Up USound bereits angemeldet und so die Nase in diesem Technikbereich ganz weit vorn.

Das Grazer Start-Up USound entwickelt und produziert sogenannte MEMS - Micro Electro Mechanical Systems. Diese basieren auf dem Prinzip der Piezoelektrizität. Dabei reagieren Feststoffe auf Druck, indem sie eine elektrische Spannung abgeben. Umgekehrt wandeln piezoelektrische Materialien Strom in Druck um. Im Fall der MEMS sind das Schallwellen.

Während herkömmliche Lautsprecher einen Permanentmagneten benötigen, kommen die MEMS mit einer piezoelektrischen Schicht aus, die auf Silizium aufgebracht wird. Das ermöglicht eine viel kleinere Bauweise und spart auch noch gute 50 Prozent Energie. Beides ist ideal für Anwendungen in Kopfhörern oder Smartphones, wo die Lautsprecher immerhin 10 bis 15 Prozent zum Akkuverbauch beitragen und die Größe der einzelnen Bauteile eine entscheidende Rolle spielt. Außerdem erzeugen die MEMS keine elektromagnetischen Felder, die andere Bauteile im Handy stören können. „Die MEMS sind sozusagen die LED der Akustik“, sagt USound-Geschäftsführer und Mitgründer Ferrucio Bottoni.

Das derzeitige Hauptanwendungsgebiet der Lautsprecher aus Graz sind Kopfhörer und In-Ear-Systeme. „Der Klang unserer MEMS ist bei den In-Ear-Lösungen sogar besser als die Alternativen“, ist Bottoni stolz auf das Produkt. „Derzeit konzentrieren wir uns auf diesen Bereich, denn wir haben viel Geld in die Entwicklung gesteckt und wollen das erst einmal wieder hereinspielen.“

Großauftrag aus China

Dazu wurde der erste Schritt im Herbst des Vorjahres gesetzt. Ein Auftrag über eine Million Mikrolautsprecher im Jahr ging von dem chinesischen Produzenten 3nod Acousticlink aus Shenzhen an die Grazer. Die Chinesen möchten die piezoelektrischen Lautsprecher in Kopfhörern verbauen. Gefertigt werden die MEMS von ST Microelectronics in der Nähe von Mailand und dem Unternehmen Flex in Althofen in Kärnten. „98 Prozent der Teile für unsere Mikrolautsprecher kommen aus Europa“, unterstreicht Bottoni.

Die Mikrolautsprecher vom Grazer Startup USound bieten hohe Audioqualität, Integrationsfähigkeit und kleine Bauformen.

USound selbst versteht sich in erster Linie als Entwickler, zwei Drittel der rund 60 Mitarbeiter sind in diesem Bereich beschäftigt. Bisher hatte man sich rein auf die technologische Seite konzentriert. „Heuer erfolgt der Eintritt in den Markt – im großen Stil“, freut sich Bottoni. „Wir werden deshalb auch neue Mitarbeiter für den Verkauf, das Marketing und die Produktionssteuerung anstellen, vorwiegend in Graz.“ Wegen seiner Dynamik und dem Fokus auf Innovationen wurde USound im März auch als Unternehmen des Monats nominiert.

Projekt Auto-Sound

In den kommenden zwei bis drei Jahren will USound organisch wachsen und das Produktportfolio erweitern. So gibt es bereits Prototypen für ein Lautsprechersystem, das im Auto Anwendung finden könnte. „Da kämpfen wir noch ein bisschen mit der Physik, denn für die perfekte Wiedergabe von tiefen Tönen braucht man eine große Fläche, die die Schallwellen erzeugt“, schildert der Usound-Geschäftsführer. Gelöst werden könne das aber, indem man eine größere Zahl von MEMS in einer Matrix anordnet.

In-Ear-Kopfhörer von Usound: Eine Rvolution in der Akustik

Langfristig kann sich Bottoni neben einem stetigen Wachstum sogar einen Börsengang vorstellen. Nach einer Finanzierungsrunde vor wenigen Wochen gehören ihm und dem Mitgründer Andrea Rusconi je 13 Prozent von USound, drei Prozent befinden sich im Eigentum von Mitgründer Jörg Schönbacher. Der Rest ist in der Hand von privaten Investoren um den ehemaligen Eigentümer von Sensor Dynamics, Herbert Gartner. Dort hatten Bottoni und Rusconi auch lange gearbeitet, bis sie sich nach dem Verkauf des Unternehmens an einen US-Konzern selbstständig machten.

Funktioniert auch Glas?

Irgendwann will das Unternehmen zum Anbieter von Gesamtlautsprechersystemen aufsteigen. Vorerst stehen aber technische Weiterentwicklungen auf dem Programm. So soll einerseits die Effizienz der MEMS verbessert werden, was mit optimierten Materialien erreicht werden kann. Auch in der Fertigung sind Optimierungen möglich. Und schließlich, so Bottoni, wolle man neben Silizium auch andere Trägermaterialien für die piezoelektrische Schicht einsetzen – etwa Kunststoff oder Glas.

Journalist Wolf Lotter, Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, SFG-Geschäftsführer Christoph Ludwig und Wirtschaftsphilosoph Anders Indset

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