Telemedizin: Gesundheit via Internet

Das Klinikum Wels-Grieskirchen erfasst und analysiert die Daten von Herzschrittmachern über Telemonitoring. Ein Beispiel, wie Telemedizin die medizinische Versorgung effizienter macht. Und das ist erst der Anfang.

Online-Sprechstunde: Längst nicht die einzige medizinische Dienstleistung, die via Internet angeboten wird.

Online-Sprechstunde: Längst nicht die einzige medizinische Dienstleistung, die via Internet angeboten wird.

Für Patienten mit einer Herzinsuffizienz sind regelmäßige Besuche im Krankenhaus zwecks Kontrolle eine Belastung und eine lästige Routine – und zwar nicht nur in Zeiten der Coronakrise. Doch in Oberösterreich ersparen sich viele Patienten die mühsame Anfahrt, denn ihre Werte werden aus der Ferne analysiert. Im Klinikum Wels-Grieskirchen wird nämlich Telemonitoring genutzt, um die Daten von Herzschrittmachern zu erfassen und auszuwerten. Diese werden automatisch vom Gerät des Patienten an das Krankenhaus übertragen; zwei speziell geschulte Fachkräfte kümmern sich dort um das Datenmanagement. Bei Auffälligkeiten, etwa wenn ein Herzschrittmacher mit Defibrillatorfunktion eine Schockabgabe durchgeführt hat, werden in Abstimmung mit Fachärzten Untersuchungstermine vereinbart.

Je schneller die Daten, desto präziser die Therapie

Weitere Vorteile der Überwachung aus der Ferne: Etwaige Störungen des Geräts können früh erkannt werden; die regelmäßigen Checks der Daten ermöglicht außerdem frühzeitige Therapieänderungen. Für die Patienten bedeutet das mehr Sicherheit, das Krankenhaus kann die Abläufe verbessern.

Dieses Beispiel zeigt, welche Möglichkeiten die Telemedizin heute bietet. Die technologischen Voraussetzungen wie Breitband-Internet, Geräte mit feinen Sensoren und entsprechende Computerprogramme sind vorhanden, nun geht es um die konkrete Umsetzung. Was bedeutet überhaupt Telemedizin? Im Prinzip versteht man darunter die ortsungebundene Durchführung medizinischer Leistungen. Heute kann damit unter anderem die Versorgung außerhalb der Ballungszentren, in der Hauskrankenpflege und in der Rehabilitation verbessert werden. Langfristig kann der kluge Einsatz der Telemedizin zu einem effizienteren Einsatz der Mittel führen – selbst wenn anfänglich Investitionen notwendig sein werden.

An Beispielen aus Österreich, welche Rolle die Telemedizin spielen kann oder bereits spielt, mangelt es nicht:

  • Beim Projekt HerzMobil Tirol übermitteln Patienten mit Herzinsuffizienz wichtige Daten wie Blutdruck und Gewicht an die Gesundheitsexperten, die dadurch laufende Überwachung ermöglicht feines Justieren der Therapien.
  • In der Dermatologie ist die Kontrolle via Telemedizin besonders weit fortgeschritten: Bei Echtzeit-Verfahren können sich Patienten direkt von einem Hautarzt beraten lassen; sie können Bilder und Videos übermitteln, die analysiert werden. Entsprechende Plattformen wie Derma2go, OnlineDoctor oder FirstDerm wachsen rasch.
  • Für Diabetiker ist die händische Aufzeichnung der Blutzuckerwerte nicht mehr nötig: Moderne Messgeräte übertragen die Daten automatisch auf das Handy oder den Computer. Diese werden in weiterer Folge analysiert und es können daraus Empfehlungen für das tägliche Leben abgeleitet werden. In Österreich gibt es rund 660.000 Diabetiker, die Zahl steigt unter anderem wegen des versteckten Zuckers in Nahrungsmitteln stark an. Vor diesem Hintergrund steigt die Bedeutung von Apps wie mySugr, die in Österreich entwickelt wurde.
  • Versicherungsdienste. Die steirische Merkur-Versicherung bietet ihren Kunden vorerst bis Mitte April kostenlose telemedizinische Dienste an: Allgemeinmediziner und Kinderärzte können über Videoberatung konsultiert werden. Dazu kooperiert Merkur mit der Gesundheitsplattform 1health und dem Softwareunternehmen Latido.

Der Hausarzt am Bildschirm

Ferndiagnose und Übermittlung von Gesundheitsdaten via Internet sind derzeit wegen Corona von Bedeutung: Auf diese Weise werden überfüllte Wartezimmer vermieden und die Ansteckungsgefahr minimiert. Das hat sich unter anderem beim Verschreiben von Krankmeldungen via Telefon bewährt. Der Trend wird langfristig bestehen bleiben; auch für Befundbesprechungen wird man in naher Zukunft nicht mehr unbedingt zum Hausarzt pendeln müssen, sondern kann via Telefon oder Videochat das Wichtigste besprechen. Die rechtlichen und technologischen Grundlagen dafür werden gerade geschaffen; so soll es von den Sozialversicherungen eine entsprechende App geben. Dabei kommt der Druck nicht nur aus der Gesundheitsbranche und der Politik, sondern auch direkt von den Patienten: Die sind es nämlich aus anderen Bereichen des täglichen Lebens bereits gewohnt, dass digitale Dienstleistungen selbstverständlich sind – etwa im Online-Banking oder bei Behördenwegen. Und auch für die eigene Gesundheit wird in der Bevölkerung schon viel getan: Apps zur Überwachung von Vitalfunktionen, Fitnessarmbänder und Online-Fitnesskurse sind längst eine Selbstverständlichkeit.

Kürzere Krankenhausaufhalte

Es wird nicht ganz einfach sein, die Grenze zwischen echter Telemedizin, die auf ärztlicher Expertise beruht, und allgemeinen Dienstleistungen rund um die persönliche Gesundheit zu unterscheiden. Weil in diesem Bereich viel Geld zu holen ist, steigt die Zahl der Apps, Plattformen und Beratungsangebote – und nicht immer steckt ärztliches Fachwissen dahinter. Das erhöht wiederum den Druck auf Ärzte, Krankenkassen, Spitäler und Verbänden, in dieser Hinsicht rascher aktiver zu werden. Denn die Ergebnisse von Studien zur Telemedizin sprechen für sich: So ist inzwischen bewiesen, dass durch Ferndiagnose die Krankenhausaufenthalte von Herzpatienten drastisch reduziert werden können. Dennoch kann man auf ärztliches Wissen und ärztliche Erfahrung nicht verzichten; ebenso müssen Pflegedienste in telemedizinische Angebote eingebunden sein. Damit es wie im eingangs erwähnten Beispiel in Oberösterreich sinnvolle Ergänzungen zur klassischen Gesundheitsvorsorge geben kann.

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