„Die Digitalisierung wird alle Branchen verändern“

Bernhard Lehner, Chef von startup300, spricht im Interview über die Digitalisierung als Turbo, steuerliche Rahmenbedingungen für Start-ups und welche Auswirkungen die Coronakrise auf junge Firmen hat.

Bernhard Lehner, CEO startup300 AG

Bernhard Lehner, CEO startup300 AG

Eine zentrale Rolle in der österreichischen Start-up-Szene nimmt das Linzer Unternehmen startup300 ein, das von Bernhard Lehner und Michael Eisler gegründet wurde. Was vor rund fünf Jahren als Business-Angels-Plattform begonnen hatte, kümmert sich nun um die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle. Das Unternehmen, das im Segment direkt market plus der Wiener Börse notiert, beteiligt sich selbst an Start-ups und hat in der Tabakfabrik in Linz den Campus factory300 aufgebaut. Wir haben mit Bernhard Lehner über das Jahr 2020 und das Umfeld für junge Unternehmen gesprochen.


trend: Die Digitalisierung ist der Turbo für Veränderungen: Gilt das für alle Branchen?
Bernhard Lehner: Es gibt Branchen, die leiden – ganz aktuell zum Beispiel der Handel, Stichwort verschlafener E-Commerce, verstärkt nun durch die Pandemie. Ja, die Digitalisierung wird nachhaltig und in großer Geschwindigkeit alle Branchen verändern – und zwar wirklich alle! Vor einigen Jahren wurde man ausgelacht, wenn erwähnt wurde, dass neue Player am Markt die Autoindustrie durcheinanderwirbeln werden mit Direktvertrieb und Produkt-Updates via WLAN. Heute lacht niemand mehr.

Sie wollen mit startup300 die beiden Welten Corporate und Start-ups verbinden –wie groß ist das Interesse daran?
Ich denke, dass einzelne Unternehmen in den letzten Jahren glaubwürdige, gute und professionelle Strategien erarbeitet haben, wie sie Start-ups in ihre Sphäre holen und mit ihnen zusammenarbeiten. Ich habe aber den Eindruck, dass echtes, offenes und nachhaltiges Interesse an Kollaboration mit Start-ups noch immer ein Minderheiten-Programm ist.

Welche Ziele haben Sie sich für die nächsten Monate gesetzt?
Wir wollen eine deutlich höhere Frequenz beim Investieren in Start-ups anschlagen und unser Angebot für Gründerinnen und Gründer weiter professionalisieren. Beim Investment waren wir zwei Jahre eher verhalten, weil wir stark auf den Aufbau unseres operativen Business nach den M&A-Aktivitäten fokussiert waren. Diese PS, die aus der Arbeit im eigenen Maschinenraum entstanden sind, wollen wir nun auf die Straße bringen.


Eine absurde Situation, ein Teufelskreis.

Vielfach werden die steuerlichen Rahmenbedingungen für Investitionen in Start-ups kritisiert. Was meinen Sie?
Die fehlenden steuerlichen Anreize für privates Risikokapital in Österreich sind ein Mühlstein um den Hals des Start-up-Ökosystems. Es ist eine absurde Situation, dass wir hunderte Milliarden privates Vermögen haben, aber – wenn man ehrlich ist – es nicht nur keine Anreize, sondern sogar jede Menge Blockaden gibt, um dieses Geld in Österreich innovativen, jungen Unternehmen zukommen zu lassen. Es ist ein Teufelskreis, der seit Jahren wesentlich mit die Ursache ist, dass das Start-up-Ecosystem nicht abheben kann.

Von Investments mal abgesehen: Welche Stärken bzw. Schwächen hat der österreichische Start-up-Sektor?
Wenn man Stärken sucht, dann am ehesten das Fördersystem und die guten technischen Ausbildungen – und einige exzellente Gründerinnen und Gründer, die es trotz der schwierigen Situation in Österreich geschafft haben. Die Liste der Schwächen ist leider deutlich länger: zu wenig Unternehmergeist, zu wenig Risikobereitschaft, zu wenig Risikokapital, zu wenig universitäre Spin-offs, zu viele Regulatorien, kein politisches Bekenntnis von höchster Stelle, zu wenig Zusammenarbeit österreichweit, keine wirkliche Präsenz von digitalen Riesen internationaler Bedeutung in Österreich. Und die Liste ist noch nicht zu Ende.


Ich bin vorsichtig optimistisch, dass das Schlimmste überstanden ist.

Wird sich die österreichische Start-up-Landschaft wegen der Coronakrise verändern?
Ich sehe derzeit erfreulich wenige Start-ups, die wirklich in Schieflage geraten sind in diesem Jahr. Ob es Nachwehen geben wird 2021 – Stichwort Ende der Kurzarbeit oder Ende der Abgabenstundungen – ist schwierig zu sagen. Aber fast 100 Startups konnten den Covid-19-Hilfsfonds nutzen und haben privates Kapital gehebelt. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass das Schlimmste überstanden ist im Segment der Start-ups.

Und welche Auswirkungen hat die Coronakrise konkret auf startup300?
Wir haben, wirtschaftlich gesehen, ein erfreuliches Jahr. Wir konnten die Corona-Probleme gut managen, haben entstandene Chancen genutzt und Ausfälle gut kompensiert, konnten das Team zusammenhalten, haben das Beste aus der Situation gemacht und freuen uns darauf, in einem wieder besseren Marktumfeld 2021 wieder Gas zu geben.

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