Smart City: Saubere Städte mit Mehrwert

Radikale Konzepte sollen die Stadt der Zukunft klimafreundlich und lebenswert machen: Die Smart City baut auf digitale Technologien und saubere Energie. Wie es funktionieren kann, sieht man in Österreich bereits bei einigen Projekten.

Smart City: Saubere Städte mit Mehrwert

Jeder zweite Mensch weltweit lebt derzeit in einer Stadt, 2050 werden es schon zwei Drittel der Menschen sein. Denn die urbanen Zentren bleiben weiterhin attraktiv, selbst wenn sich die Ansprüche an Wohnen und Arbeiten wegen der Coronakrise ändern. Dabei sollen der Kampf gegen den Klimawandel, die Schonung von Ressourcen und neue Konzepte für den Verkehr mit den steigenden Ansprüchen an die Stadt als Lebensraum auf einen Nenner gebracht werden. Wie soll das klappen? Wenn man Digitalisierung, Klimaschutz und innovative, langfristige Strategien kombiniert, kommt die Smart City heraus – und die soll das Leben in der Stadt gleich auf mehrfache Weise verbessern.

Die Eckpfeiler sind digitale Technologien, Nutzung sauberer Energie, hohe Energieeffizienz, neue Verkehrskonzepte und Mitsprache der Bewohner. Die Smart City hat viele Ausprägungen: Solaranlagen auf den Dächern, Einsatz neuer Baustoffe beim Bauen und Elektroautos auf den Straßen sind nur einige Beispiele dafür. Wichtig ist, dass Daten besser genutzt werden als bisher, etwa um den Verkehr zu steuern oder die Energieversorgung zu optimieren.

Österreich ist in Sachen Smart City weltweit einer der Vorreiter, denn an vielversprechenden Ansätzen mangelt es nicht:

  • In Linz wird auf einem ehemaligen Areal der ÖBB das städtebauliche Projekt „Grün Mitte Linz“ mit rund 800 Wohnungen realisiert. Das Smart-City-Konzept für diesen grünen Stadtteil sieht unter anderem den Einsatz intelligenter Stromzähler, ein Informationssystem für alle Bewohner, Verwendung von Solaranlagen und das Forcieren der Elektromobilität vor.
  • In Wien gibt es eine Smart-City-Strategie, die bis 2050 eine Reduzierung der CO2-Emissionen je Person um 80 Prozent erreichen soll. Umgesetzt wird das unter anderem in einem neuen Stadtteil im Norden der Stadt: In der Seestadt Aspern werden neue Mobilitätskonzepte (unter anderem autonome Busse), energieeffiziente Gebäude, Nutzung sauberer Energie und digitale Technologien ausprobiert. Im Viertel Zwei wiederum wird die Anwendung der Blockchain-Technologie bei der dezentralen Energieversorgung ausprobiert. Dort wird getestet, wie von Photovoltaikanlagen produzierter Strom auf einfache Weise gehandelt werden kann. Die unterschiedlichen Projekte sollen dann zusammenwachsen, um die Stadt als Ganzes smarter zu machen – wobei die Bürger mehr als bisher an der Entwicklung teilhaben sollen.
  • In Graz werden unter dem Überbegriff „Smart City Graz“ neue Stadtquartiere entwickelt, in denen Klimaschutz, Vermeidung von Verkehr und gute Infrastruktur im Vordergrund stehen. Im Stadtteil „My Smart City“ nahe des Hauptbahnhofs erfolgt bereits die Umsetzung, hier werden 3500 Menschen wohnen. Das Areal wird vom Science Tower dominiert, in dem Forschungsinstitutionen untergebracht sind und dessen Außenhaut Sonnenlicht in Energie umwandeln kann. Ebenfalls in Graz laufen Versuche mit einer konkreten Umsetzung einer radikalen Idee in der Logistik: Beim sogenannten „Physical Internet“ soll der Güterverkehr nach dem Vorbild des Datenverkehrs organsiert werden – die Güter gelangen eigenständig und unter Nutzung unterschiedlicher, bevorzugt umweltfreundlicher Verkehrsträger ans Ziel. In der steirischen Hauptstadt wird dazu die Sammlung und Abholung an zentralen Stellen getestet: In einer Art Paketwand werden die Lieferungen aufbewahrt, damit werden unzählige Fahrten in der Innenstadt vermieden.
Smart City Vorzeigeprojekt: Seestadt Wien-Aspern

Smart City Vorzeigeprojekt: Seestadt Wien-Aspern

Große Ideen funktionieren aber nur, wenn sie auch im Kleinen richtig umgesetzt werden. Und so kommt es bei der praktischen Verwirklichung smarter Ideen und Technologien auch auf das Smart Home an – das ist sozusagen die Verlängerung städteplanerischer Visionen in den Privatbereich. Schließlich wollen die Bewohner solcher Städte ja auch daheim etwas von den neuen Möglichkeiten haben: Steuerung von Heizung, Klimaanlage und Licht über das Smartphone, kurzfristiges Reservieren von Carsharing-Fahrzeugen oder intelligente Nutzung von Haushaltsgeräten zwecks Senkung des Energieverbrauchs und der Kosten (Smart Meter) sind nur einige Beispiele, wie das Smart Home aussehen kann. Die Voraussetzung dafür ist stabiles Breitband-Internet, der Ausbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G kann dazu beitragen, außerdem braucht es auch in diesem Zusammenhang die Analyse großer Datenmengen. Ein heikles Thema ist daher der Datenschutz, der in Europa traditionell eine größere Rolle spielt als beispielsweise in den USA – und da wird es darauf ankommen, die Balance zwischen Bürger- und Persönlichkeitsrechten und dem technisch Machbaren zu schaffen. Nicht jeder hat es gern, wenn seine Daten gespeichert und auch dafür verwendet werden, maßgeschneiderte Produkte zu entwickeln. Ebenso wird in Europa der gleichberechtigte Zugang zu den Vorzügen der digitalen Technologie für alle Bevölkerungsgruppen in den nächsten Jahren noch zum Thema werden.

Tabakfabrik in Linz: Von der "Tschickbude" zur "Fabrik der guten Hoffnung" zum Neubau (Entwurf).

Tabakfabrik in Linz: Von der "Tschickbude" zur "Fabrik der guten Hoffnung" zum Neubau (Entwurf).

Eine Rolle in der Smart City spielt aber auch die kollaborative Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Ein Beispiel, wie das aussehen kann, ist die Tabakfabrik in Linz: Wo früher Zigaretten produziert wurden, finden heute Start-ups, innovative Kleinunternehmen, Kulturschaffende, Designfirmen und Sozialprojekte ein kreatives und zugleich modernes Umfeld. Das Areal wurde vor zehn Jahren von der Stadt Linz gekauft. Angesiedelt hat sich dort unter anderem auch der Innovation Hub der RLB Oberösterreich, der mit der börsenotierten startup300 zusammenarbeitet, um Innovationen zu entwickeln. Die Tabakfabrik soll Individualisten den Raum geben, den sie benötigen – und zugleich die Zusammenarbeit erleichtern. Genau solche Projekte sind es, die die Stadt der (nahen) Zukunft auszeichnet.

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