Ringana - Das Extrakt des Erfolgs

Die Ringana-Gründer Ulla Wannemacher und Andreas Wilfinger

Die Ringana-Gründer Ulla Wannemacher und Andreas Wilfinger

SERIE INNOVATIVE UNTERNEHMEN: Ringana aus Hartberg stellt Naturkosmetik ohne Konservierungsstoffe her und bedient sich einer ausgeklügelten Logistik- und Vertriebsstruktur. Im Juli wurde es dafür mit dem Preis "Unternehmen des Monats" der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) ausgezeichnet.

Alles begann vor 25 Jahren mit einer Zahnpasta-Tube. Diese brachte damals der Sohn von Andreas Wilfinger und Ulla Wannemacher vom Kindergarten mit nach Hause. Ein Geschenk der „Zahnputz-Tante“. Die Eltern begutachteten das Produkt. Und sie stießen dabei auf allerlei bedenkliche Inhaltsstoffe, die sie ihrem Kind nicht zumuten wollten. Auch in anderen Kosmetikartikeln stießen sie immer wieder auf fragwürdige Beimengungen.

Ihre idealistische Sicht war die Saat für eine Geschäftsidee: Kosmetika, die ganz ohne Konservierungsstoffe und ohne Beimischung tierischer Produkte hergestellt werden sollten. Zuvor brauchten Wilfinger und Wannemacher aber Kapital. Daher beantragten sie einen Kredit bei der Volksbank in der Höhe von vier Millionen Schilling (gut 290.000 Euro), um ihr erstes Labor einzurichten. Mit der Bürgschaft von Wilfingers Vater, einem bekannten Hotelier aus Hartberg, wurde das Darlehen gewährt und das Projekt „Ringana“ konnte gestartet werden.

Die Produkte nach eigener Rezeptur stellten die beiden selbst her. Doch die ersten Chargen gingen größtenteils in die Hose und die Hausbank wurde allmählich nervös. Es dauerte einige Jahre, bis es die ersten volltauglichen Produkte gab. Und dann waren zwar die Wachstumsraten okay, aber der Umsatz lag noch auf sehr niedrigem Niveau. „Wir haben viele schlaflose Nächte gehabt. Aber wir haben weitergekämpft. Erst 2008 hatten wir eine Flughöhe erreicht, auf der wir das Unternehmen gut steuern konnten“, sagt Andreas Wilfinger.

Naturprodukte mit eingeschränkter Haltbarkeit

2013 übernahm der Ringana-Chef einen aufgelassenen ehemaligen Magnet-Supermarkt in Hartberg, renovierte das Gebäude und baute es zum heutigen Ringana-Firmensitz um. Die Gemeinde war glücklich, dass ihr die Bauruine jemand abnahm, und Wilfinger profitierte von einem sehr günstigen Grundstückspreis. „Damals war die Fläche für uns zu groß. Ein Jahr später war es schon wieder zu klein“, sagt Wilfinger.

Mittlerweile läuft das Geschäft von Ringana wie geschmiert. Das Unternehmen beschäftigt knapp 180 Mitarbeiter und wird heuer einen Umsatz von 80 Millionen Euro erreichen. Die Kosmetik-Firma hat insgesamt 53 Produkte im Sortiment, die vom Shampoo, von der Seife, Sonnencreme bis hin zu energiebeflügelnden Drinks reichen. An guten Tagen verlassen 7.000 Pakete das Hartberger Ringana-Werk. Für die reibungslose Abwicklung sorgt ein hochmodernes und vollautomatisches Logistikzentrum am Firmensitz, das Ende 2017 mit einem Investment von sieben Millionen Euro fertiggestellt wurde. Seither ist die Produktion mit dem Lager und dem Versand direkt verbunden. Damit werden die naturbelassenen Waren im Eiltempo vom Labor auf die Reise zu den Kunden geschickt.

Die Ringana-Produkte bestehen aus rein pflanzlichen Rohstoffen aus nachhaltigem, biologischem Anbau.

Um die wertvollen Rohstoffe zu konservieren müssen sie mitunter auch zwischendurch eingefroren werden.

Die Herausforderung: Da Ringana-Produkte keine Konservierungsstoffe enthalten, muss die Lieferkette kurz gehalten werden. Andernfalls würden sie nicht ausreichend lange halten. Aus diesem Grund vergeht zwischen Extrahierung der Essenzen bis zum fertigen Produkt wenig Zeit. Die Fertigstellung der Pflegemittel erfolgt nach Bedarf, kaum etwas liegt auf Lager. Alles ist frisch. „Wir haben mit unserer Frischekosmetik mit antioxidativen Stoffen eine hochtechnologische Innovation eingeführt, die der Markt in der Form nicht gekannt hat“, sagt Wilfinger. Um die durchaus hochpreisigen Produkte an den Mann und die Frau zu bringen, muss auch die Qualität stimmen. „Genau das hebt uns von der Konkurrenz ab. Das ist der Vorsprung, den wir beibehalten müssen“, sagt der Ringana-Chef.

Frischepartner statt konventionellem Handel

Gradmesser für Wilfinger ist die Kundenzufriedenheit. Sie bemisst sich für ihn an der Treue der Kunden; und an der Weiterempfehlung derselben. Genau das haben die Ringana-Manager recht rasch bemerkt. Nachdem die ersten Produkte nur innerhalb der Familie und im Bekanntenkreis sowie unter Hotelgästen ausgetestet wurden, trudelten die ersten Bestellungen ein. „Per Fax noch“, wie Wilfinger schmunzelnd ergänzt.

Dieses „Network-Marketing“ führte auch 1998 zu der Einführung von sogenannten Frischepartnern. Diese sind ausgesuchte Personen, zu 85 Prozent Frauen, die Ringana-Produkte an (potentielle) Kunden vermitteln. Der Abschluss erfolgt aber nur zwischen Kunden und Ringana. Die Frischepartner kassieren dafür Vermittlungsprovisionen. Insgesamt machen diese 40 Prozent vom Umsatz aus. Das klingt nach viel. Aber der Vertrieb im herkömmlichen Handel verbraucht noch mehr. Und den braucht Ringana nicht, da 99,7 Prozent der Bestellungen online erfolgen. Und die wickelt Ringana selbst ab, ausgeliefert wird in nachhaltigen Verpackungen.

Ringana ist mit mittlerweile 180 Mitarbeitern auch ein bedeutender Arbeitgeber in der Region Hartberg. Im Bild die Geschäftsführung mit Praktikanten.

Der Empfang in der Firmenzentrale, einem ehemaligen Supermarkt.

Die Hauptmärkte von Ringana sind Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien und Spanien. Seit kurzem werden auch Kunden in Frankreich und Großbritannien beliefert. Grenzen für die Marktausdehnung liegen nur noch in den Ressourcen. „In drei Tagen könnten wir von Hartberg nach Hongkong liefern. Aber wir haben ein Problem mit der Beschaffung der natürlichen Rohstoffe. Wir sind bereits am oberen Drittel dessen angelangt, was wir an Ernte beschaffen können. Daher müssen wir neue Flächen übernehmen“, sagt Wilfinger.

Nachhaltigkeit mit Kalkül

Bis ins letzte Detail hat sich Ringana auch der Nachhaltigkeit verschrieben. Die Verpackung ist aus Recyclingpapier oder Bioplastik. Ein Papierklebeband umfasst die Pakete, das Füllmaterial ist aus Mais. Solarkollektoren auf 950 Quadratmetern sorgen für Strom, das Frischwasser wird aufbereitet und wiederverwendet. Mit dem weihnachtlichen Ausbau der Firmenzentrale im Vorjahr wurde auch eine für die Mitarbeiter kostenlose Kantine etabliert. Da die Ringana-Produkte vegan sind, einigte man sich auf einen fleischlosen Speiseplan, der zwar nicht vegan, aber vegetarisch ist.

So philanthropisch Wilfinger klingen mag, seinen Produkten gegenüber hat er eine gewisse Härte: Was nicht funktioniert oder im Umsatzplan hinterherhinkt, fliegt raus. Ein Produkt sollte in der Lage sein, mindestens 0,5 Prozent zum Umsatz beizusteuern. Andernfalls wird es aus der Bestellliste gestrichen. Bei Ringana gibt es quasi pro Sparte ein Pflegemittel – und nicht etwa viele verschiedene Sorten davon: ein Shampoo für die Haare, eine Seife für die Hände, eine Pflegecreme für das Gesicht et cetera.

Im Werk in Hartberg wird laufend an der Entwicklung neuer Produkte geforscht.

Mit den hochmodernen Produktionsanlagen kann eine ausreichende Halbarkeit für die Kosmetika aus rein natürlichen Stoffen erzielt werden.

Übrigens: Der Sohn, der vor 25 Jahren mit der Zahnpasta heimgekommen ist, heißt Michael Wannemacher und ist bereits selbst im Unternehmen tätig. Da er sich für die Firma interessiert hat und sich über ihn die Firmenidee entzündete, ist der heute 28-Jährige Junior-Chef und Prokurist. Mit dem Logistikzentrum, das unter seiner Ägide federführend aufgebaut wurde, hat er sich auch die ersten Sporen verdient. Auf familiärer Basis fußt auch der Firmenname: Ringana. Der Vater von Andreas Wilfinger, Roman Wilfinger, gilt als Biopionier in Österreich und betreibt drei Kurhotels für Naturheilkunde. Seinen drei Häusern hat er jeweils den Namen „Ring“ vorangestellt. Das leitet sich ab vom Ringkogel, dem Hausberg Hartbergs, ab.

Unternehmen des Monats

Was Ringana macht, dürfte offenbar ganz gut ankommen. Das betrifft nicht nur die Kundenseite. Auch öffentliche Einrichtungen honorieren die Arbeit der Kosmetiker. Gerade eben wurde Ringana mit einem weiteren Preis bedacht: Im Juli wurde es zu Steiermarks „Unternehmen des Monats“ gewählt.

Diese Prämierung zum Unternehmen des Monats wird von der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) seit dem Vorjahr durchgeführt. Die Wahl verläuft so: Die auffälligsten Projekte bzw. Unternehmen, die bei der SFG einen Förderantrag stellen, werden von den jeweiligen Sachbearbeitern vorgeschlagen. Aus dieser Menge werden nach einem internen Voting der SFG-Mitarbeiter drei ausgewählt, aus denen dann in einer öffentlichen Stichwahl das Unternehmen des Monats gewählt wird.

Abgewickelt wird das über die Homepage unternehmen-des-monats.at. Ringana hat sich bei der Wahl im Juli gegen die innovativen steirischen Firmen Eyeworks (Brillenreinigungssystem) und das Dekagramm (Supermarkt ohne Verpackungsmaterial) durchgesetzt und 75,8 Prozent der Publikumsstimmen erhalten.

Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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