Qualizyme: Instant-Erkennung von Wundinfektionen

Die Qualizyme-Gründerinnen Eva Sigl (li.) und Andrea Heinzle mit Co-Founder Michael Burnet

Die Qualizyme-Gründerinnen Eva Sigl (li.) und Andrea Heinzle mit Co-Founder Michael Burnet

Die Lizenz zum Testen: Das 2014 von Eva Sigl, Andrea Heinzle und Michael Burnet gegründete Grazer Start-up „Qualizyme“ hat einen Test zur Erkennung von Wundinfektionen entwickelt, der 2019 auf den Markt kommt.

Eva Sigl und Andrea Heinzle haben etwas geschafft, das es vorher in der Form noch nicht gab. Die beiden Wissenschaftlerinnen, Eva Sigl ist promovierte Mikrobiologin und Andrea Heinzle promovierte technische Chemikerin, sind seit 2014 Unternehmerinnen. Damals haben sie Qualizyme gegründet. Ihre Forschungsergebnisse mündeten in einen Schnelltest zur Früherkennung von Wundinfektionen. Und der wird schon jetzt als Meilenstein in der Medizintechnik bezeichnet.

Nebenher haben sie insgesamt sieben Kinder zur Welt gebracht. Eva Sigl, vierfache Mutter: „Unsere Kinder stehen für uns an erster Stelle. Das Unternehmen, dem wir mit großer Leidenschaft nachgehen, gibt uns die Freiheit, Kinder und Beruf gut vereinbaren zu können.“ Wie das geht? „Man muss nur gut organisiert sein, ein gutes Netzwerk haben sowie eine Familie, die einen unterstützt, dann geht alles“, ergänzt sie.

Vor zwölf Jahren hat ein EU-Projekt an der Technischen Universität Graz die beiden Forscherinnen zusammengebracht. „Die Chemie zwischen uns hat gleich gepasst“, sagt Eva Sigl. Bei diesem Projekt, an dem 19 Partner (etwa Krankenhäuser, Ärzte und Pharmafirmen) beteiligt waren, ging es um die Forschung bei „chronischen Wunden“. Sigl und Heinzle sind relativ rasch auf den Umstand gestoßen, dass es keinen Schnelltest für die Untersuchung an chronischen Wunden gab. Bisherige mikrobiologische Analysen dauern drei bis fünf Tage: Zuerst erfolgt ein Abstrich im Labor, wo Bakterien im Labor kultiviert und wachsen müssen. Darüber muss dann ein Befund erstellt werden, der dann an den behandelnden Arzt geschickt wird.

Instant-Testergebnisse

Das Ergebnis von Qualizyme liegt hingegen sofort vor. Der Test sagt zwar nichts darüber aus, welche Bakterien vorhanden sind, aber er verrät, dass etwas im Entstehen ist. Und dieser läuft so ab: Mit einem sterilen Tupfer wird ein Abstrich an der Wunde gemacht. Das Ergebnis des Abstrichs wird dann „in vitro“, also außerhalb des Körpers, ermittelt. Er funktioniert also wie ein Schwangerschaftstest. Wichtig ist der vor allem für Personen, die zu Hause von einem Pflegepersonal oder vom Hausarzt betreut werden. Im Spital ist die Wundkontrolle kein Problem. Aber Pflegepersonal oder Ärzte, die nicht auf die Wundversorgung spezialisiert sind, können „freihändig“ nicht erkennen, ob eine Wunde infiziert ist oder nicht. Und die Zahl der Personen mit offenen chronischen Wunden (vor allem bei diabetischen Beinen) wächst von Jahr zu Jahr.

Im selben Atemzug sinkt aber die Zahl der niedergelassenen Fachärzte – vor allem am Land. „Weil in Österreich die Wundversorgung auch schlecht bezahlt ist, bieten immer weniger Ärzte diesen Service an“, sagt Eva Sigl. Aus diesem Grund wird, wenn der Verdacht einer Infektion besteht, sehr schnell ein Antibiotikum verabreicht. Obwohl vielleicht gar keines benötigt wird. Denn es können Bakterien vorhanden sein, und zwar in großer Zahl und Dichte, die dem Patienten aber nichts ausmachen – weil die körpereigene Abwehr gut funktioniert. Bei vielen älteren Personen kann diese Unsicherheit aber zu einer großen Gefahr werden. Daher ist das Abwarten nicht die Lösung, sonst droht eine Sepsis (Blutvergiftung). Daraus entsteht gleich das nächste Problem. Wenn zu häufig Antibiotika verschrieben werden, dann wächst eine Resistenz heran und die Bakterien können nach erneuter Infektion ungehindert wüten.

Markteinführung 2019

Der Schnelltest ist also so etwas wie ein Frühwarnsystem. Er wird übrigens nicht von Qualizyme produziert. Das übernimmt ein großes Pharmaunternehmen, das diesen in Lizenz herstellen und vertreiben darf. „Der Test wird voraussichtlich Ende 2019 auf den Markt kommen“, sagt Eva Sigl. Für ihre Arbeit wurden Sigl und Heinzle schon mehrfach ausgezeichnet. So haben sie etwa im Vorjahr den Fast Forward Award von der Steirischen Forschungsgesellschaft SFG, in der Kategorie Kleinstunternehmen, gewonnen. Sie sind aber seit kurzem auch selbst in die Produktion eingestiegen. Eva Sigl: „Ende 2017 haben wir einen Produktionsraum, einen Reinraum, gebaut. Dort stellen wir biochemische Substanzen her, die die Grundlage des Tests bilden. Diese sind von uns entwickelt worden und daher nicht am Markt erhältlich. Die Mengen sind verhältnismäßig gering, deshalb ist die Produktion am bisherigen Standort auch möglich. Und die Substanzen können auch woanders eingesetzt werden – nicht nur beim Schnelltest.“

Die beiden Forscherinnen hätten nach abgeschlossener Entwicklung einfach aufhören und darauf warten können, was ihnen an Lizenzeinnahmen zufließt. Doch die Chefs von fünf weiteren hochqualifizierten Mitarbeitern wollten mehr und haben sich nach Möglichkeiten umgesehen, wo ihre Technologie noch eingesetzt werden könnte. Der menschliche Körper bietet dafür viele Möglichkeiten. Für dieses Forschungssegment sind auch Fördergelder vorhanden. Und die wiederum ermöglichen es, dass die Mitarbeiter weiterhin in der Forschung aktiv sein können und eben nicht nur in der Produktion und Qualitätssicherung. Was noch von Qualizyme kommt, lässt sich den beiden Unternehmerinnen nicht entlocken. Nur so viel: „Wir haben ein laufendes Projekt, für das wir schon ein Patent haben. Es ist für eine andere Anwendung im Körper. Und: Es ist auch ein Schnelltest“, sagt Eva Sigl. Mit an Bord des Unternehmens, das am „Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin“ (kurz: ZWT) in Graz beheimatet ist, sitzt noch Michael Burnet. Der promovierte Biochemiker ist Firmen-Mitgründer und Mitinhaber der Patente und als Geschäftsführer in Deutschland tätig. Wissenschaftlich unterstützt wird das Team von Professor Georg Gübitz vom Institut für Umweltbiotechnologie an der BOKU Wien.

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