Österreichs innovativste Unternehmen

trend und ÖGVS vergeben heuer erstmals den Innovations-Award für Österreichs ideenreichste Unternehmen. Die meisten Auszeichnungen in verschiedenen Kategorien gehen dabei an AVL List, Borealis und Lenzing.

Österreichs innovativste Unternehmen

INNOVATIONS-AWARD

trend und ÖGVS setzen auf neue Methoden, um Österreichs innovativste Unternehmen zu finden.

Wie kann man die Innovationskraft von Unternehmen am besten messen?" Die härteste Währung der Innovation ist das Patent", erklärt Oliver Hauf, Geschäftsführer der ÖGVS - Gesellschaft für Verbraucherstudien GmbH. Für Aufsehen sorgen zwar Erfindungen wie iPhone, Tesla oder Streamingdienste wie Netflix, aber diese spiegeln bei Weitem nicht die Innovationskraft wider, die wirklich eine Gesellschaft ausmachen. Die steckt oft in weniger aufsehenerregenden Technologien, die viele der großen Erfindungen erst ermöglicht haben und der eigentliche Motor für den Fortschritt und eine starke Wirtschaft sind.

In Österreich sind 99,6 Prozent der Unternehmen KMU, die zwei Drittel aller Arbeitnehmer beschäftigen und mit ihren Innovationen nur selten ins Scheinwerferlicht geraten. Oft geht es bei Forschungsprojekten nur darum, laufende Prozesse und Produkte zu verbessern, manchmal gelingen aber bahnbrechende Erfindungen.

Der Innovations-Award 2020/2021 von trend und ÖGVS erfasst deshalb weniger die schillernde Start-up-Szene, sondern setzt auf die härteste Währung der Innovation: das Patent. Konkret wurde segmentübergreifend auf Basis des internationalen Patent-Klassifizierungssystems (IPC) untersucht, welche in Österreich ansässigen Unternehmen wie viele Patente angemeldet und in den Jahren 2018 und 2019 auch erteilt bekommen haben. Untersuchungsbasis waren die rund 130 IPC-Klassen, in die sich die acht Hauptsektionen des Systems aufteilen. Die Recherche umfasste die Datengenerierung aller Patentämter weltweit. Abgerundet und in einem Score-Wert verdichtet wurde die reine Patentanzahl durch das qualitative Moment der Zitationshäufigkeit.

Demnach gibt es in Österreich 381 Preisträger bzw. 208 Unternehmen mit einem überdurchschnittlichen Score in einer IPC-Klasse - wofür sie jeweils eine Auszeichnung bekamen. Die Erstplazierten erhielten zusätzlich einen Sonderpreis - das schafften 64 Unternehmen. Der Gesamtsieger mit 15 Auszeichnungen (Sonderpreisen) und auch den meisten erteilten Patenten ist die AVL List Gmbh, knapp gefolgt von der Borealis AG mit zwölf Auszeichnungen und 649 Patenten sowie der Chemiefaser Lenzig AG mit zehn Auszeichnungen und 233 Patenten.


INNOVATIVES ÖSTERREICH.

Oliver Hauf, CEO ÖGVS

ÖGVS-Chef Oliver Hauf: "Damit aus Patenten innovative Produkte und Services entstehen, ist eine auf Innovationen ausgerichtete Unternehmenskultur sehr wichtig."

Um so weit zu kommen, ist es wichtig, dass Unternehmen auch ihr geistiges Eigentum schützen. Die Anmeldung zum Patent ist dabei eine eigene Wissenschaft und besonders bei internationalen Patentierungen eine teure Angelegenheit, bei der sich freilich große, erfahrene Unternehmen leichter tun. Im Patentverfahren wird vor allem geprüft, ob es sich bei der Erfindung wirklich um eine Neuheit handelt und ob es nicht schon irgendwo auf der Welt was ähnliches gibt. "Mit Blick auf die Wirtschaft in ihrer Gesamtheit stellen Patente die härteste Währung für die Innovativität von Unternehmen dar", erklärt Oliver Hauf, der Geschäftsführer der ÖGVS Gesellschaft für Verbraucherstudien GmbH.

Freilich kann sich das kleine Österreich nicht wirklich mit den großen Forschungsländern wie etwa USA, China oder Deutschland messen, dürfte aber laut Hauf sicher unter den top 25 Nationen liegen, wenn auch etwa die kleinere Schweiz deutlich besser dasteht.

Die höchste Anzahl an Patenten können die in Österreich ansässigen Unternehmen in IPC-Klassen wie "Medizin/Tiermedizin, Hygiene", oder "Grundlegende elektronische Bauteile" sowie "Messen, Prüfen" vorweisen.

Insgesamt konnten 208 Unternehmen Auszeichnungen erlangen. Die neue Methode der ÖGVS - Gesellschaft für Verbraucherstudien GmbH - ermöglicht es, auch die Innovationskraft kleinerer Unternehmen möglichst objektiv zu erfassen. Denn die meisten für die Wirtschaft und Gesellschaft wichtigen Innovationen entstehen oft im Verborgenen und ermöglichen wiederum erst andere große Erfindungen.


Österreichs innovativste Unternehmen

Platz 1: AVL List

´

AVL List CEO Helmut List

AVL-Chef Helmut List: "Die neue Brennstoffzellen-Batterie- Hybridtechnologie bringt einen großen Schritt in Richtung hohe Effizienz, attraktives Fahrverhalten und gute Kostenbalance."

Von außen sieht das Auto wie ein normaler Mittelklassewagen aus. Unter der Motorhaube aber steckt Technologie, die bald ein weiterer Schritt in die Mobilitätszukunft sein könnte. Denn hier werkt der erste Brennstoffzellen-Hybrid-Batterieantrieb, der die Vorteile von E-Mobilität und Wasserstoff-Brennstoffzelle vereinen soll. Die neue Brennstoffzellen-Batterie-Hybridtechnologie bringt einen großen Schritt in Richtung hohe Effizienz, attraktives Fahrverhalten und gute Kostenbalance", erklärt AVL-Chef Helmut List bei der Präsentation Ende Jänner in Graz nicht ohne Stolz. Drei Jahre lang waren rund 30 Forscher und Entwicklungsingenieure damit beschäftigt, das Konzeptfahrzeug im Rahmen des Forschungsprojektes Keytech4EV fahrtüchtig zu machen. Projektleiter AVL stellte rund die Hälfte des Entwicklungsteams. Das Ziel war klar definiert: ein kostengünstiges, CO2-neutrales Fahrzeug mit großer Reichweite mittels Brennstoffzelle und Batterie auf die Straße zu bringen. Durch die Kombination beider Technologien werden deren Stärken wie etwa schnelles Tanken mittels Wasserstoff und hohe Effizienz im Batteriebetrieb addiert und die Schwächen kompensiert.

"Mit dem Projekt wollen wir für die nächsten zehn bis 15 Jahre das wahrscheinlich kostengünstigste CO2-neutrale Antriebskonzept für Fahrzeuge mit großer Reichweite und kurzen Tankzeiten entwickeln", erklärt Jürgen Rechberger, Leiter der Brennstoffzellenentwicklung bei AVL. Partner des vom Klima-und Energiefonds geförderten Projektes waren unter anderen Komponenten-und Subsystemhersteller wie Hörbiger, Magna und ElringKlinger, Forscher der TU Graz und TU Wien, das Forschungszentrum HyCentA sowie das kleine, hochinnovative Unternehmen IESTA. Freilich waren auch Fahrzeughersteller im Projekt involviert, die nun großes Interesse an der neuen Technologie bekunden.

Unter der Motorhaube versteckt arbeitet eine der großen Innovationen des Innovations-Award-Gesamtsiegers AVL.

Dass AVL im Zentrum vieler Forschungsvorhaben steht, ist nicht verwunderlich. Denn der Spezialist für Entwicklung, Simulation und das Testen von Antriebssystemen konnte im Innovations-Award 2020/2021 von trend und ÖGVS mit 674 Patenten im Erhebungszeitraum 2018 und 2019 nicht nur die meisten Patentanmeldungen, sondern auch die höchste Zahl an Auszeichnungen erzielen. Um diese zu bekommen, mussten die Unternehmen in einem durch das internationale Patentklassifizierungssystem (es gibt rund 130 IPC-Klassen) definierten Tätigkeitsbereich einen überdurchschnittlichen Score erreichen. Dabei berücksichtigte das von ÖGVS entwickelt Scoresystem erstmals auch Patentzitierungen als Innovationsfaktor.

Vom Kleinbetrieb zum globalen Vorzeigeunternehmen

AVL ist zwar heute mit weltweit 11.500 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro ein internationaler Player, hat aber im Jahre 1948 mit seinem Gründer Hans List ebenfalls klein begonnen. Heute ist AVL das weltweit größte unabhängige Unternehmen bei Entwicklung, Simulation und Testen von Antriebssystemen und deren Integration in das Fahrzeug.

Rund zehn Prozent des Umsatzes fließen in die Forschung. Der Exportanteil ist wie bei vielen innovativen Unternehmen sehr hoch und liegt bei 96 Prozent. Große Forschungsthemen sind aktuell neben der Brennstoffzelle und unterschiedlichen Elektrifizierungsstrategien von Antriebssträngen etwa auch das autonome Fahren. Intensiv geforscht wird aber ebenfalls im Bereich Verbrennungsmotor, Getriebe, Leistungselektronik und Batterien.

Um den Innovationsgeist zu fördern, setzt AVL auf Innovationsförderungsprogramme. Dazu zählen strategische Forschungspartnerschaften mit führenden Universitäten, die zugleich eine gute Basis für innovativem Nachwuchs bei AVL sind. Intern gibt es Programme zur systematischen Ideensammlungen und einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess in allen Bereichen. Als besonderen Anreiz für Mitarbeiter dienen der AVL Innovation Award sowie Patentpreise.

Kreativ und unkonventionell

Ein wichtiger Punkt bei Hightech-Unternehmen sind Maßnahmen, um für hochqualifizierte Mitarbeiter attraktiv zu sein. Hierzu fördert AVL etwa kreatives Denken und Handeln oder auch das Beschreiten völlig neuer, unkonventioneller Wege. Damit die Mitarbeiter immer am Puls der Zeit bleiben, gibt es zahlreiche Aus-und Weiterbildungskurse in der eigenen AVL Academy.

Und wie geht es beim aktuellen Brennstoffzellen-Batterie-Hybridauto weiter? Vor der Forschung ist nach der Forschung. Schon dem erfolgreichen Forschungsprojekt Keytech4EV gingen Projekte voraus, um in Vorstudien im Labor alle möglichen Synergien zu eruieren und zu prüfen. Die große Frage war, ob die Antriebssystemkosten im Vergleich zu reinen Brennstoffzellensystemen und reinen Batterielösungen deutlich gesenkt werden können. "Nun haben wir ein neues Folgeprojekt gestartet, das noch einige Detailaspekte für die Industrialisierung umfasst", so Brennstoffzellenexperte Jürgen Rechberger. Mit den Fahrzeugherstellern werden parallel dazu eigene Projekte weiterentwickelt. In dieser Phase wollen sich die Automobilkonzerne nicht mehr in die Karten blicken lassen. Die ersten Serienfahrzeuge könnten dann in rund drei Jahren mit österreichischem Brennstoffzellen-BatterieHybridantrieb vom Band rollen. Marktpotenzial wird zuerst im Bereich für Schwerfahrzeuge wie Lkw oder Busse erwartet, um dann eine stärkere Marktdurchdringung im Pkw-Bereich zu erzielen.


Platz 2: Borealis

´

Forschung bei Borealis in Linz

Forschung bei Borealis in Linz

In Sachen erteilte Patente und Auszeichnungen lag der Kunststoffhersteller Borealis nur sehr knapp hinter AVL. In Summe kann der Konzern mit Hauptsitz in Wien auf rund 6.900 erteilte Patente und rund 3.000 laufende Patentanmeldungen verweisen. Die Borealis Gruppe zählt zu den weltweit führenden Anbietern in den Bereichen Polyolefine (Kunststoffrohstoffe), Basischemikalien und Pflanzennährstoffe. Der in über 120 Ländern agierende Konzern beschäftigt rund 6.900 Mitarbeiter und erzielte 2019 einen Umsatz von 8,1 Milliarden Euro. Über 500 Mitarbeiter sind im Bereich Forschung und Entwicklung tätig, wovon allein 300 Experten aus 30 verschiedenen Nationen im internationalen Innovation Headquarter in Linz arbeiten. In dem hochmodernen Forschungs- und Technologiezentrum für Polyolefine und Basischemikalien wird nicht nur geforscht, sondern können auch neu entwickelte Produkte gemeinsam mit Experten und Kunden getestet werden.

Alfred Stern, CEO Borealis

Kreislaufwirtschaft hat für Alfred Stern, CEO von Borealis, höchste Priorität: "Als Gesellschaft müssen wir uns von der Wegwerfgesellschaft abkehren und wieder lernen, Dinge wiederzuverwenden."

"Unser starker Fokus auf Innovation ermöglicht es uns, Produkte zu entwickeln, die einen Mehrwert für die Gesellschaft liefern und darüber hinaus die Ressourceneffizienz sowie Nachhaltigkeit verbessern. Das Vorantreiben der Kreislaufwirtschaft hat für Borealis höchste Priorität", erklärt Alfred Stern, CEO von Borealis. Bei der Gestaltung von Prozessen und Produkten wird der ganze Lebenszyklus berücksichtigt. "Als Gesellschaft müssen wir uns von der Wegwerfgesellschaft abkehren und wieder lernen, Dinge wieder-oder wenigstens mehrmals zu verwenden", so Stern. So haben Technologien zum Recycling von Polyolefinen höchste Priorität. Gemeinsam mit Partnern lassen sich über die eigene EverMinds- Plattform Produkte so entwerfen, dass sie wiederverwendet und am Produktlebensende auch gesammelt, sortiert, und recycelt werden können.

Am Programm stehen aber auch neue, bahnbrechende Verbundstoffe für die Automobilindustrie und den Energiesektor. Dazu zählen "revolutionäre" Kabelisolierungen, Solarpanellösungen und leichtgewichtigere Materialien für die Automobilindustrie. Am Standort Schwechat wird auf offene Innovation in Zusammenarbeit mit der OMV gesetzt. Eines der Projekte ist die Weiterentwicklung des Monomer-Recyclings von gebrauchten Verpackungskunststoffen, um daraus wieder Polymer-Neuware zu produzieren. Borealis arbeitet aber auch öfters mit Start-ups zusammen und hat beispielsweise eine neue Technologie zur Abwärmerückgewinnung entwickelt.


Platz 3: Lenzing

´

Faserproduktion bei Lenzing

Fasern aus Holz- damit wurde Lenzing weltweit bekannt, das jüngst mit einem Joint Venture mit Palmers zur raschen Produktion von Schutzmasken für Aufsehen sorgte. Das Thema Nachhaltigkeit wurde mit der Einführung einer neuen Technologie für das Recycling von Textilien - jedes Jahr werden Millionen Tonnen weggeworfen - weiter ausgebaut.

Die Entwicklung von Fasern aus Holz vor allem für die Textilindustrie machte Lenzing weltweit bekannt und ist das Asset des oberösterreichischen Unternehmens, das seinen Hauptsitz in Lenzing hat. Hier ist auch die zentrale Forschungsabteilung der Lenzing Gruppe angesiedelt. Schon 1965 konnte nach mehrjähriger Forschungs-und Entwicklungsarbeit die erste Spezialfaser auf den Markt gebracht werden. Der größte Forschungserfolg war das Lyocell-Verfahren, das modernste Verfahren zur Herstellung von Fasern aus Holz, das seit rund 25 Jahren großtechnisch eingesetzt wird und besonders umweltschonend ist.

Lenzing Vorstand Stefan Dobocky

Lenzing-Vorstandschef Stefan Doboczky: "Die Produktion von Tencel-Lyocellfasern aus Alttextilien ist ein bedeutender Beitrag zur Kreislaufwirtschaft."

2019 erzielt Lenzing einen Umsatz von 2,1 Mrd. Euro, hatte rund 7.000 Beschäftige, davon 213 in der Forschung und Entwicklung, und gab 53 Millionen Euro für F&E aus. In Summe kann der Konzern 1.302 Patente und Patentanmeldungen in 52 Ländern vorweisen. Nachdem wegen der Corona-Epidemie der Markt stark beeinträchtigt wurde, gründete Lenzing gemeinsam mit Palmers ein Joint Venture, um in kürzester Zeit ein Werk für Schutzmasken zu eröffnen. "Die Innovationskraft der Lenzing Gruppe im Dienst der Nachhaltigkeit ist ungebrochen", so Stefan Doboczky, Vorstandsvorsitzender der Lenzing Gruppe. Lenzing setzt ebenfalls stark auf Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. So wurde 2019 die REFIBRA-Technology für das Recycling von Textilien maßgeblich weiterentwickelt. "Das ist ein wichtiger Lösungsansatz für das große Problem der Millionen Tonnen von weggeworfenen Textilien. Mit der branchenweit ersten erfolgreichen Produktion von Tencel-Lyocellfasern aus Alttextilien gehen wir konsequent und erfolgreich den eingeschlagenen Weg weiter und leisten einen bedeutenden Beitrag zur Förderung der Kreislaufwirtschaft in der Textilbranche", so Doboczky.

Bei Lenzing laufen stets eine Vielzahl von Forschungsprojekten parallel. Strategische Projekte sind aktuell die Entwicklung von Lyocell-Filamenten (der Marke Tencel Luxe) sowie direkt geformte Cellulose-Vliese (Lenzing Web Technology). Für beide Technologien gibt es bereits Pilotanlagen am Standort Lenzing.


Die weiteren Plätze

Auf Platz vier und fünf landeten ex aequo mit je neun Auszeichnungen und je zwei Sonderpreisen der steirische Spezialist für Hochleistungssensorlösungen ams sowie das auf Lichtlösungen spezialisierte Unternehmen Tridonic, das Weltmarkführer im Bereich intelligenter Lichtlösungen ist und zur Zumtobel Gruppe gehört.

Die Vorarlberger Tridonic startete 1956 mit der Entwicklung kompakter magnetischer Vorschaltgeräte für Leuchtstofflampen. 2001 folgten LED-Module, 2014 die erste Lösung für vernetzte, professionelle Beleuchtungen und 2017 eine Plattform für IoT-Lösungen. Kein Wunder, dass der Vorarlberger Lichtspezialist, der im Geschäftsjahr 2018/19 einen Umsatz von 348 Millionen Euro erzielte, bei der Patentanzahl mit 537 Patenten gleich hinter AVL und Borealis auf Platz drei landete.

Rund 1.778 Mitarbeiter und Vertriebspartner in über 50 Ländern weltweit sorgen für die Entwicklung und Einführung intelligenter und vernetzter Beleuchtungssysteme. Die wichtigsten Forschungsbereiche sind vernetzte Beleuchtungslösungen, die nun auch als Schlüsselelement für das "Internet der Dinge" dienen.

Der steirische Halbleiterhersteller ams, der 1981 gegründet wurde und das erste österreichische Halbleiterwerk errichtet hat, hat sich in den letzten zehn Jahren durch Übernahmen und intensive Forschung zu einem weltweiten Spezialisten für Sensorlösungen entwickelt. Jüngst sorgte vor allem der erfolgreiche Übernahmekampf um den deutschen Leuchtmittelhersteller Osram für Aufsehen. Mit 9.000 Mitarbeitern, davon 1.100 Ingenieure, und einem Umsatz von rund 1,9 Milliarden Euro kann ams 246 erteilte Patente (Platz sieben im Patente-Ranking) vorweisen.

In Österreich ist ams laut dem Top-30-Ranking der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY mit 239 Millionen Euro der größte Investor in Forschung und Entwicklung. Die F&E-Quote lag bei 16,8 Prozent. Eine der jüngsten Produktinnovationen ist beispielsweise ein äußerst empfindlicher NIR-Bildsensor (ein Sensor für den nahen Infrarotbereich) für mobile optische 3D-Sensorsysteme, der sehr energieeffizient ist und somit lange Betriebsdauern verspricht. Gedacht ist das System für die Gesichtserkennung oder für die Authentifizierung in Bezahlsystemen.

KLEIN, ABER INNOVATIV.

Ins obere Ranking des Innovations-Award 2020/2021 von trend und ÖGVS schafften es aber nicht nur größere Konzerne, sondern auch hoch innovative kleinere Unternehmen. Dazu zählt etwa das erfolgreich wachsende Grazer Start-up Usound (36 Patente, drei Auszeichnungen, davon zwei Sonderpreise), das 2014 von Ferruccio Bottoni, Andrea Rusconi Clerici und Jörg Schönbacher gegründet wurde und mittlerweile rund 60 Mitarbeiter an den Standorten Graz, Wien, San Francisco und Shenzhen (China) beschäftigt. Für den Erfolg ist die Entwicklung einer bahnbrechenden Lautsprechertechnologie verantwortlich, die eigentlich schon 1877 von Werner von Siemens patentiert wurde. Usound brachte den Piezo-Lautsprecher endlich zur Marktreife, indem auf mikroskopisch kleine mechanische und elektronische Elemente, sogenannte MEMS, gesetzt wurde. Ein spezielles Material für die Membranträger, dessen Kristalle sich unter elektrischer Spannung ausdehnen bzw. zusammenziehen, überträgt den Ton.

Nach Jahren der Forschung war es 2017 endlich soweit. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut und der Leiterplatten-Technologie von AT&S konnte der kleinste Lautsprecher der Welt präsentiert werden. Er war nur fünf mal sieben Millimeter groß und zwei Millimeter dick, benötigt 80 Prozent weniger Energie als andere Systeme und bietet einen hervorragenden Klang. Ab 2018 eroberte die neue Technologie weltweit den Markt. Heute sind die kostengünstigen und robusten Lautsprecher von Usound in fast allen Mobilfunkgeräten sowie in vielen anderen Systemen wie VR-Brillen oder Wearables präsent. Schon im ersten Jahr am Markt konnte der Audiospezialist 2018 einen Multi-Millionen-Dollar-Vertrag abschließen und ein Investment von 20 Millionen Dollar für die weltweite Expansion gewinnen. In Summe hat das junge, schlanke Unternehmen schon mehr als 150 internationale Patente angemeldet. Usound nutzt zudem ein innovatives Geschäftsmodell und setzt auf "Fabless Manufacturing", hat also die Produktion an Businesspartner ausgelagert, während Entwicklung, Design und Vertrieb im Haus bleiben.


ÖSTERREICHS INNOVATIONSLEADER

Die härteste Währung der Innovation ist das Patent, so die Studienautoren der ÖGVS. Um eine AUSZEICHNUNG zu bekommen, wurden neben der Anzahl auch die Zitierung von Patenten und die thematische Vielfältigkeit der Forschung berücksichtigt.


Erfolg in der Nische

Viele österreichische Unternehmen sind mit ihren Innovationen in bestimmten Nischen sogar führend am Weltmarkt. Das in Neumarkt am Wallersee in Salzburg beheimatete Unternehmen Ruwido (im Ranking läuft es unter FM Marketing GmbH) hat es auf 43 angemeldete Patente und vier Auszeichnungen gebracht, erzielte 2018 einen Umsatz von rund 65 Millionen Euro und hat sich zu einem führenden Anbieter für Fernbedienungen und Interaktionslösungen entwickelt. Der Fokus liegt dabei besonders auf innovativem Design wie etwa in Stein integrierten Fernbedienungen. Forschung besonders im Bereich intuitive Bedienung brachte dem Unternehmen mit 175 Mitarbeitern, von denen ein Viertel im Bereich F&E tätig ist, zahlreiche Preise wie etwa den internationalen renommierten iF Design Award 2020.

Auf 32 Patente und zwei Auszeichnungen, davon einen Sonderpreis, brachte es die Adresys -Adaptive Regelsysteme GmbH, die zur Omicron-Gruppe gehört und sich auf Produkte zur Prüfung in elektrischen Hoch-und Mittelspannungsanlagen sowie Arbeitssicherheit konzentriert. Das Salzburger Unternehmen hat nur 16 Mitarbeiter (teils Teilzeit) und erzielte 2018 einen überschaubaren Umsatz von 1,3 Millionen Euro, investiert aktuell aber auch noch alles in die Forschung. Dazu wird beispielsweise das "ANGEL-System", ein smarter elektrischer Sicherheitsassistent, entwickelt, um Elektrounfälle zu verhindern und gegebenenfalls Sofortmaßnahmen einleiten zu können. Ein Produkt dazu ist das patentierte Smart-Textile- Shirt, das sofort erkennt, wenn ein Stromfluss durch den Körper erfolgt, und bald auf den Markt gelangen soll.

Kleinere, innovative Unternehmen werden natürlich auch gerne von größeren Playern geschluckt. So etwa die Arsanis Biosciences GmbH (32 Patente, vier Auszeichnungen), die sich auf humane monoklonale Antikörper zur Behandlung schwerer Infektionskrankheiten spezialisiert hatte und 2019 von X4 Pharmaceuticals aus Cambridge, Massachusetts übernommen wurde.

Die große Vielfalt an Themen und Herangehensweisen bei den Preisträgern des ersten Innovations-Awards 2020/2021 von trend und ÖGVS zeigt, dass viele Wege zu bahnbrechenden Innovationen führen können. "Patente sind sicher die härteste Währung für die Innovativität von Unternehmen", so ÖGVS-Geschäftsführer Oliver Hauf, "damit aber auch innovative Produkte und Services daraus werden, ist ebenfalls eine auf Innovationen ausgerichtete Unternehmenskultur sehr wichtig." Hierfür sollte das Beschreiten neuer Pfade explizit in der Unternehmensstrategie verankert sein, empfiehlt Hauf, und ausreichend Freiräume und Ressourcen zur Verfügung stehen.


Die innovativsten Unternehmen

Sonderpreisträger

Sonderpreis-Träger
Tabelle wird geladen ...

Preisträger

Preisträger
Tabelle wird geladen ...


Der Artikel ist der trend-Ausgabe 25/2020 vom 19. Juni 2020 entnommen.

Wie selbstfahrende Autos bald Realität werden könnten

In Wien haben sich 500 Experten getroffen, um sich darüber auszutauschen, …

Filter für Lüftungsanlagen als Virenschutz: Das oberösterreichische Unternehmen Kappa Filter Systems verspricht 97-prozentigen Schutz vor Infektionen.

Luftfilter aus Österreich geben Corona-Schutz ohne 3-G-Regel

Mit dem Wavebionix hat das oberösterreichische Unternehmen Kappa Filter …

Advertorial
Marcus Riedler, Partner Consulting bei Deloitte Österreich

„Bei jeder Innovation sollte der Kunde im Mittelpunkt stehen“

Deloitte-Experte Marcus Riedler über den Stellenwert von Innovation im …

Immobilien-Entwickler Andreas Stumbauer mit VR-Brille bei der virtuellen Besichtigung der einzelnen Wohnungen

Energieautarkie: Neben der Altstadt beginnt die Zukunft

Unter dem Namen „Freiraum Freistadt“ entsteht im Mühlviertel eine …