Navigator Richtung Zukunft: 6 disruptive Mega-Trends

Das Auto als eine Art iPhone auf Rädern, Talente wichtiger als Kapital, und alles ist miteinander vernetzt: Ein Überblick über die wichtigsten Trends, die unsere Zukunft beeinflussen werden. Und was sie bedeuten.

Navigator Richtung Zukunft: 6 disruptive Mega-Trends

„Vorne ist immer da, wo sich noch keiner auskennt.“ Diesen Satz verwendet Markus Petzl, Gründer der Strategieberatung „disruptive – beyond your strategy“, gerne in seinen Vorträgen. Abgewandelt könnte man sagen: Zukunft ist dort, wo noch keiner war. Wer also in die Zukunft und nach vorne will, hat es nicht leicht, denn er muss sich auf unentdecktem Terrain bewegen.

Allerdings: Die Zukunft entsteht nicht aus dem Nichts. Sie formt sich aus Trends. Und diese Trends kommen nicht als Revolution, sondern als evolutionäre Prozesse mit mehr oder weniger großer Dynamik. Sie stellen Entwicklungen dar, die sich bereits heute abzeichnen; manche beeinflussen unseren Alltag, unsere Gesellschaft, Wirtschaft und Politik bereits, andere sind gerade erst in weiter Ferne am Horizont sichtbar, die Konturen noch unscharf.

Wer unternehmerische Entscheidungen treffen muss, also die Zukunft gestalten will, sollte die Entwicklungen im Blick haben. Die Experten der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich haben gemeinsam mit dem Zukunftsinstitut von Matthias Horx als Hilfestellung dafür die relevanten Zukunftstrends identifiziert und zusammengestellt – ein Navigator Richtung Zukunft.

1. Zukunftstrend Konnektivität

Vernetzung auf allen Ebenen – darum wird sich in Zukunft vieles drehen, wenn nicht alles. Die private WhatsApp-Gruppe, das Verkehrsleitsystem, das Stau- und Wetterdaten verarbeitet und ideale Routen vorschlägt, die Maschinen in einer Fabrik, die miteinander kommunizieren und die Produktion selbständig steuern – die Vernetzung von Daten durchdringt Gesellschaft und Wirtschaft in einem bisher ungekannten Ausmaß.

Big Data, also die Sammlung, Verarbeitung und Analyse großer Datenmengen ist das große Thema und könnte zur Basis zukünftiger Geschäftsmodelle werden. E-Commerce-Plattformen wie Amazon arbeiten schon sehr erfolgreich mit der Analyse des Kaufverhaltens der Kunden und machen permanent entsprechende Vorschläge, die sich an den Interessen und Vorlieben der Käufer orientieren. Auch das Internet der Dinge basiert auf Daten, die Maschinen untereinander austauschen.

Die Konnektivität wird zudem immer einfacher. Selbst preiswerte Smartphones sind bereits in der Lage, große Datenmengen zu speichern und rechenintensive Anwendungen auszuführen. Smart Devices lesen und übersetzen Texte, schalten die Kaffeemaschine ein und steuern die Heizung energieeffizient - vorausgesetzt, alle Geräte sind vernetzt.

Doch Big Data ist auch eine Herausforderung. Denn unter der Flut an Daten, die dank der Vernetzung generiert werden, müssen systematisch diejenigen herausgefiltert werden, die aussagekräftig und nützlich sind. Gelingt das, sind die Möglichkeiten fast unbegrenzt – und sie können potenziert werden, wenn die Bereitschaft da ist, das eigene Wissen und Know how auch anderen Wissenschaftlern („Open Science“) oder Marktteilnehmern zur Verfügung zu stellen. Häufig wird diese Form von Open Innovations auch eingesetzt, um Kunden in die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen mit einzubeziehen.

So vielen Anwendungen, so breite Nutzungsmöglichkeiten: es ist sicher berechtigt, bei der Konnektivität von einem echten Mega-Trend zu sprechen.

2. Zukunftstrend Neo-Ökologie

„Die Ökologie wird zum alles beherrschenden Grundmotiv der menschlichen Zivilisation“, betont der Zukunftsforscher Matthias Horx, „einfach deshalb, weil wir jetzt tatsächlich merken, dass wir gemeinsam auf einer Erde leben, die wir nicht einfach weiter aufheizen können.“ Schon jetzt achten viele Unternehmen auf ressourcenschonende Produktion und nachhaltiges Wirtschaften, die Energiewende - weg von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energiequellen wie Wasserkraft, Wind- und Solarenergie – ist in vielen Länder bereits in Gange.

Doch was bisher in vielen Branchen „nice to have“ war, wird in Zukunft zum „must have“. Und die Neo-Ökologie bietet die Chance auf zukunftssichere Jobs. Schon jetzt beschäftigt Österreichs Umwelttechnik-Branche 200.000 Jobs und trägt rund 10 Prozent zum BIP bei.

Wie weit der Okölogie-Trend wirkt, zeigt ein Blick in die Investmentbranche. Rund 30 Milliarden Euro haben Privatanleger und institutionelle Investoren in Österreich gezielt in nachhaltige Bonds und Fonds investiert. Das bedeutet, dass jeder sechste Anlage-Euro investiert wird, um die Welt ein bisschen besser zu machen. Für Uli Krämer, Leiter des Portfoliomanagements bei Kepler-Fonds, ein Beweis, „dass sich die nachhaltige Geldanlage vom Nischenprodukt längst zum Mainstream entwickelt hat“.

3. Zukunftstrend Urbanisierung

Auch wenn Corona das Leben am Land wieder stärker in den Fokus gerückt hat: Der Trend in die Städte wird langfristig anhalten. Laut Prognosen werden 2050 fast zwei Drittel der Menschen in Städten leben. Diese Entwicklung wird auch das Entstehen weiterer Mega-Cities beflügeln. Aktuell gibt es weltweit 33 solcher Mega-Städte mit mehr als zehn Millionen Einwohnern.

Der Treck in die Städte bringt für diese neue Herausforderungen: Wohnbau, Verkehrssystem, Energie- und Gesundheitsversorgung, und dass alles möglichst ökologisch – Smart-City-Konzepte mit digitalen Technologien und entsprechender Vernetzung können dafür eine Lösung sein.

Weitere Stichworte für die Zukunft der Städte sind Urban Farming und Urban Mining, also die Produktion von Lebensmitteln auf Dächern oder in Grünzonen sowie die Wiedergewinnung von wertvollen Rohstoffen, die in Städten zum Beispiel beim Abbruch von Gebäuden und Infrastruktur anfallen.

4. Zukunftstrend Mobilität & Bewegung

Lange war es für uns eine Selbstverständlichkeit, während der Lockdown-Phasen haben wir sie schmerzlich vermisst: Die gewohnte Mobilität, das unbeschwerte und einfache Reisen in andere Länder. Doch Urlaub jenseits von Grenzen ist nur ein Aspekt, wenn es um Fortbewegung geht. Der aktuelle Fahrrad-Boom, Car Sharing und vor allem die E-Fahrzeuge markieren ein neues Verständnis von Mobilität. „Nutzen statt Besitzen“ lautet ein neues Paradigma; zudem soll die Fortbewegung so weit wie möglich ohne fossile Brennstoffe erfolgen, mit entsprechenden Konsequenzen für die Automobilbranche und neuen Anforderungen an die Ladestruktur. Technische Entwicklungen wie die Digitalisierung treiben auch hier die Entwicklung.

So will etwa der deutsche Volkswagen-Konzern in den nächsten fünf Jahren 73 Milliarden Euro in die Entwicklung von Alternativabtrieben sowie die Digitalisierung investieren, annähernd die Hälfte der Gesamtinvestitionen des Unternehmens. Daimler-Chef Ola Kaellenius geht davon aus, dass der Konzern in Zukunft einen erheblichen Teil seiner Umsätze aus Software-basierten Diensten erzielen wird, also etwa Infotainment- und Fahrassistenz-Systeme. Die Vision, die dabei am Horizont zu erkennen ist: Das Auto der Zukunft gleicht einem iPhone auf Rädern.

5. Zukunftstrend New Work

Oben wird entschieden, unten wird ausgeführt – dass die Arbeitswelt so nicht mehr funktioniert, ist schon länger offensichtlich. Corona hat diesen Prozess noch einmal beschleunigt. Das Home Office ist nur das nach außen sichtbarste Zeichen, tatsächlich gehen die Veränderungen viel tiefer. Lebenslanges Lernen ist schon (fast) eine Selbstverständlichkeit und findet seine Steigerung in immer mehr Menschen, die in der Mitte ihres Lebens, also mit entsprechender Berufs- und Lebenserfahrung ausgestattet, ein eigenes Unternehmen gründen. Diese „Silver Preneure“ treibt mal die Suche nach Sinn, mal die nach einem eigenen Geschäftsmodell.

Unbestritten ist, dass sich die Zukunft einer Volkswirtschaft auch am Arbeitsmarkt entscheidet, und das durchaus in einer radikalen Form. „Die Welt vollzieht gerade den Übergang vom Kapitalismus zum Talentismus“, formuliert das Klaus Schwab, Chef des Davoser Weltwirtschaftsforums. Er bezieht sich damit auf eine Studie zur Wettbewerbsfähigkeit. Deren Ergebnis: Gut ausgebildete und kreative Arbeitskräfte werden für ein langfristiges Wirtschaftswachstum wichtiger als das für die Wirtschaft notwendige Kapital. Angesichts des Mangels an Facharbeitern in Österreich keine gute Nachricht.

6. Zukunftstrend Sicherheit & Prävention

So schnell können sich die Dinge ändern: Gestern noch eine Risiko-Gesellschaft, der nichts schneller und extremer genug sein kann, heute schon die Super-Safe-Society, in der Sicherheit das oberste Gebot ist. Betriebsabläufe, die bis ins Detail geplant und schriftlich festgehalten sind und Security an jeder Ecke – obwohl wir in der sichersten aller Zeiten leben, ist das Bedürfnis nach Sicherheit so groß wie nie zuvor. Für Unternehmen wird es daher immer wichtiger, Kunden und Partnern maximale Sicherheit zu geben. Das gilt angesichts von wachsender Cyberkriminalität auch für den Umgang mit Daten.

Gleichzeitig muss auf Disruptionen reagiert werden; also wenn etwas Neues kommt und die Dinge nicht mehr so funktionieren wie bisher. Mit einem reinen Sicherheitsdenken ist darauf schwer zu reagieren. Gefragt sind dann Flexcurity-Konzepte. Der Begriff kommt ursprünglich aus der Arbeitsmarktpolitik und bedeutet, die Flexibilität des Arbeitsmarkt und der Arbeitsprozesse (zum Beispiel Arbeitszeiten und Kündigungsschutz) zu erhöhen und gleichzeitig auch die soziale Sicherheit durch mehr Arbeitslosenunterstützung und umfangreiche Fortbildungsmöglichkeiten zu verbessern.

„Die Zukunft kann man am besten voraussagen, wenn man sie selbst gestaltet“, hat es der amerikanische Informatik-Professor Alan Kay einmal formuliert. Eine gute Aufmunterung, aber die vielen Möglichkeiten sorgen auch für große Verunsicherung. Das weiß auch Disruptions-Experte Markus Petzl aus seiner Beratungspraxis: „Wenn wir in ein Unternehmen kommen, sagen wir: Nehmt einmal die Angst weg! Schaut, was ihr euren Kunden bietet könnt, wenn ihr die neue Technologie nutzt. Und wenn ihr früh genug am Markt seid und mehr Nutzen stiftet, werdet ihr auch ein bisschen mehr Marktanteil bekommen und die Kunden werden näher zu euch kommen. Denn normalerweise ist Innovation ja eine positive Kraft.“

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