Meemo-tec: Stimmungstagebuch am Smartphone

Die Gründer von Meemo-tec: Christian Pendl, Manfred Weiss und Ralph Gruber (v.l.n.r.)

Die Gründer von Meemo-tec: Christian Pendl, Manfred Weiss und Ralph Gruber (v.l.n.r.)

Das Start-up Meemo-tec aus Graz hat eine App namens „UP!“ entwickelt, die Menschen mit bipolarer Störung im Alltag unterstützt und vernetzt. Im September wurde die Firma zum steirischen Unternehmen des Monats gewählt

Rund 400.000 Menschen leiden in Österreich an bipolaren Störungen. Das Stimmungsbild dieser Personen reicht von überglücklich bis zu am Boden zerstört. Manisch-depressive Phasen, die nur über eine kurze Zeit, aber auch sehr lange dauern können. Das beeinträchtigt den Alltag von Betroffenen, als auch den der Angehörigen und Bekannten erheblich. Um diese Stimmungsschwankungen besser in den Griff zu bekommen, hat das Grazer Start-up „Meemo-tec“, in Kooperation mit der Medizinischen Universität Graz, eine App namens „UP!“ entwickelt.

Meemo-tec arbeitet in einem speziellen Health-tec-Feld, dem der Psytech-Lösungen: Dazu zählt Mobile-Health- und Telemedizinsoftware zur Versorgungs- und Therapieoptimierung bei psychischen Erkrankungen. Insgesamt sind sechs Personen im Kernteam des 2016 von Ralph Gruber, Christian Pendl und Manfred Weiss gegründeten Start-ups beschäftigt. Letztgenannter hatte im näheren Umfeld einen Fall von bipolarer Störung und erkannte, wie grausam diese Erkrankung sein kann. Dagegen wollte das Gründer-Trio etwas unternehmen.

Das Leben, ein Kampf

Das größte Problem bei bipolaren Störungen ist, dass nur die Hälfte der davon Betroffenen eine Behandlung in Anspruch nimmt. Der Rest nimmt die Symptome hin und kämpft sich damit durchs Leben. Ein Grund ist der, dass die Diagnose oft Jahre dauern kann, denn die Erkrankung schleicht sich allmählich in kleinen Wellen heran, bis sich dann eine enorme Wand bildet, über die man ohne Hilfe nicht kommt.

„Die App dient dazu, eine Therapie zu begleiten und Betroffene im Alltag zu unterstützen. Sie wertet unterschiedlichste Sensoren am Smartphone völlig automatisch aus und bereitet sie in tagebuchähnlicher Form für die Therapie auf. Dazu kommen tägliche, kurze Datenerfassungen durch Erkrankte – vom Stimmungszustand bis zum Alkoholkonsum“, sagt CEO Ralph Gruber. Die App lerne die Personen also kennen. Und genau darin liegt die Stärke: Das digitale Tagebuch soll gleichförmige Verhaltensweisen unterstützen – vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Diese Regelmäßigkeit hilft bei der Behandlung und Früherkennung. Betroffene sollen dadurch deutlich länger symptomfrei sein.

Die App „Up!“ unterstützt bipolare Menschen in der Therapie und im Alltag. Die Technologie: Sensoren am Smartphone sammeln Daten und analysieren diese in einer Art Tagebuch.

Ursprünglich wurde die App für Menschen mit einer bipolar affektiven Erkrankung entwickelt. Der bipolare Krankheitsverlauf ist sehr komplex und besteht aus verschiedenen Krankheitstypen (Manie und Depression). „Schnell hat sich herausgestellt, dass die Ergebnisse unserer Forschungs- und Entwicklungsarbeit auch auf andere Krankheitsbilder übertragbar sind, wie etwa Burnout, Borderline-Persönlichkeits-Störungen (BPS), Depressionen, Angststörungen und weitere“, sagt Ralph Gruber. Im Allgemeinen unterstützt die Smartphone-App „UP!“ Patienten beim Aufzeichnen sowie Erkennen von Verhaltensmustern. Sie ermöglicht es außerdem, Informationen mit Vertrauenspersonen zu teilen und erstellt detaillierte Berichte für das Therapie- oder Arztgespräch. Nahestehende Angehörige können zudem über die eigene App "UP! Buddy" mit dem Erkrankten vernetzt werden und den Patienten so bei der Rückfallverhütung unterstützen.

Hinter der digitalisierten Gesundheits-App steckt ein Algorithmus, der die Smartphone-Nutzung und Sensordaten statistisch über einen längeren Zeitraum erfasst und damit Lebensgewohnheiten protokolliert. Die „UP!“-App ist ein Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der Med Uni Graz. Die dortige Spezialambulanz für „Bipolar Affektive Erkrankungen“ wird von der Medizinerin Eva Reininghaus geleitet, die maßgeblich diese App mit ihrer Expertise unterstützt hat.

Download

Die Apps erfordern Android 5.0 oder höher.

Unternehmen des Monats

Im September 2018 wurde das Start-up zu Steiermarks "Unternehmen des Monats" gewählt. Diese Prämierung wird von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG durchgeführt. Die Wahl verläuft so: Die spannendsten Projekte bzw. Unternehmen, die bei der SFG einen Förderantrag stellen, werden von den jeweiligen Sachbearbeitern ausgewählt. Aus dieser Menge werden von allen SFG-Mitarbeitern drei in die engere Wahl genommen, die sich dann einer Stichwahl stellen, an der jeder teilnehmen kann. Abgewickelt wird das über die Website www.unternehmen-des-monats.at.

Meemo-tec hat sich eindrucksvoll im September gegen das steirische Institut Dr. Wagner (Lebensmittel Analytik) und Moodley Brand Identity (Werbeagentur) durchgesetzt und 61,97 Prozent der Publikumsstimmen erhalten.


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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