Mapillary erkennt relevante Daten in der Bilderflut

Mapillary erkennt relevante Daten in der Bilderflut

Die Erfassung und Analyse von Straßenbildern ist unter anderem für das Autonome Fahren von zentraler Bedeutung.

Genauere Karten, mehr Verkehrssicherheit oder eine effizientere Stadtentwicklung: Um das zu erreichen, bedarf es vieler Bilder aus der realen Welt. Diese gibt es reichlich – und ausgewertet werden sie von Mapillary in Graz mit Hilfe Künstlicher Intelligenz. Damit liefert das Unternehmen auch eine wichtige Voraussetzung für Autonomes Fahren.

„Wir bauen keine eigene Karte, aber wir erfüllen digitale Karten mit Leben“, beschreibt der wissenschaftliche Leiter von Mapillary, Peter Kontschieder, die Tätigkeit des Grazer Unternehmens. Die 100-Prozent-Tochter der schwedischen Mapillary analysiert mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz Bilder aus dem öffentlichen Raum – und war heuer auch im Finale des steirischen Innovationspreises Fast Forward Award.

800 Millionen Bilder

Mapillary ist eine offene Plattform, auf der mehr als 800 Millionen Bilder verfügbar sind, die weltweit aufgenommen wurden. „Niemand kann und soll Bilder manuell auswerten“, erklärt Kontschieder. Speziell entwickelte Programme im Hintergrund übernehmen deshalb die Analyse der Straßenbilder.

Auf die Ergebnisse greifen dann die Kunden des Unternehmens zu. Genauere und aktuellere Karten, mehr Verkehrssicherheit oder eine effizientere Stadtentwicklung sind damit möglich. Hochladen kann die Bilder jeder. „Das Material kommt von Privatpersonen, die einfach mit dem Handy fotografiert haben, aber auch von NGOs, öffentlichen Verwaltungen, Kameras in Fahrzeugflotten wie zum Beispiel bei der Müllabfuhr oder eigenen Mappingfirmen“, erläutert Experte Kontschieder.

Die Eintrittsschwelle wurde bewusst niedrig gehalten: Die Fotos können mit dem Smartphone ebenso gemacht werden wie mit sogenannten Dash-Cameras in Autos. Natürlich werden auch Bilder von hochpräzisen Kamera- und Sensorsystemen verarbeitet, die das andere Ende der Skala bei den Aufnahmegeräten darstellen.

Vom Hydranten bis zum Briefkasten

91 Milliarden einzelne Objekte hat Mapillary aus den Bildern bisher abgeleitet und im dreidimensionalen Raum lokalisiert – vom Hydranten über Verkehrsschilder und Ampeln bis zu Briefkästen reicht das „Inventar“, das so erfasst wurde. Bewegte Objekte wie Autos oder Fußgänger werden automatisch ausgeblendet. „Das hat auch mit der Privatsphäre zu tun, die uns sehr wichtig ist“, erklärt Kontschieder. „Wir konzentrieren uns auf den öffentlichen Raum, bauen 3D-Modelle und interessieren uns für die statischen Objekte.“

Peter Kontschieder ist wissenschaftlicher Leiter bei Mapillary.

Die Anwendungen für das Material sind vielfältig. Städte können beispielsweise ein automatisches Inventursystem einrichten, das mit den laufend aktualisierten Daten feststellt, ob noch alle Verkehrsschilder an Ort und Stelle sind. Karten, wie sie für Navis benötigt werden, bleiben mit Hilfe des Mapillary-Materials auf dem neuesten Stand und werden noch genauer.

Der behindertengerechte Zugang zu bestimmten Gebäudeeingängen oder Haltestellen kann sichtbar gemacht werden. Und schließlich ist das gesamte Thema des Autonomen Fahrens auf eine exakte Digitalisierung der Umgebung angewiesen.

Labor für lernende Computer

Mapillary verfügt über ein Team, das über die ganze Welt verstreut arbeitet. Die Zentrale befindet sich in Malmö, eine weitere Niederlassung in New York. In Graz befindet sich das Forschungslabor für Maschinelles Lernen und Computer Vision. Darunter versteht man die computergestützte Lösung von Aufgaben, die sich an den Fähigkeiten des menschlichen Sehens orientieren. Für Computer Vision müssen Maschinen den Sinn und den Inhalt von Bildern „verstehen“.

Der wissenschaftliche Leiter ist stolz auf sein Team: „Wir haben Spitzenleute, die auch in der Forschung aktiv sind. Dadurch können wir mit relativ kleinen Ressourcen viel bewegen.“ Neun Teammitglieder sind für Mapillary in Graz tätig, dazu kommen zwei Mitarbeiter mit Sitz in Italien.

Kontschieder selbst war bei Microsoft Research in Cambridge, bevor er zu Mapillary stieß. „Ich habe damals von Bekannten erfahren, dass der Mapillary-CEO Leute in Österreich treffen will. Weil ich mich schon damals mit Maschinellem Lernen und Bildanalyse beschäftigt habe, haben wir uns getroffen – und es hat alles gepasst.“


Mapillary wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG zu den Top-Unternehmen der Steiermark im Monat Oktober 2019 nominiert.

Die Wahl "Unternehmen des Monats" wird von der SFG seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at.


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG.

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