Linzer Tabakfabrik: Mehr Raum für Innovation

Hier wird Zukunft gedacht: In einer ehemaligen Fabrik in Linz finden Start-ups und Künstler die richtige Atmosphäre für kreative Höhenflüge. Und Van Gogh ist auch dabei.

An der "Strada del Startup" in der Linzer Tabakfabrik

An der "Strada del Startup" in der Linzer Tabakfabrik

Im Februar nächsten Jahres werden die Bagger anrollen: In Linz wird mit dem Bau des Quadrill-Towers begonnen, der Österreichs höchstes Bürogebäude Österreichs außerhalb Wiens sein wird. Der Turm wird allerdings nicht alleine dastehen: Rund um ihn werden mehrere Gebäude errichtet, die Wohn- und Arbeitsraum bieten sollen. Das Quadrill-Projekt ist mitten in der Linzer Tabakfabrik angesiedelt, einem Hotspot für junge, innovative Unternehmen. Eine Tabakfabrik als Start-up-Zentrale? Klingt ungewöhnlich, ist es auch. Wo früher Zigaretten in der sogenannten „Tschikbude“ produziert wurden, entstehen heute kreative Geschäftskonzepte und innovative Projekte im Spannungsfeld zwischen etablierter Wirtschaft, modernen Technologien und unabhängigem Gründergeist.

2025 soll das neue Quadrill-Quartier fertiggestellt sein, bis dahin soll die Tabakfabrik nicht nur in der österreichischen, sondern auch in der europäischen Start-up-Szene einen Fixplatz erobert haben. Doch im Gegensatz zu herkömmlichen Projekten dieser Art, die Start-ups nur den Raum für ihr Wachstum geben, soll die Tabakfabrik zu einem kollaborativen Konzern und zum Vorbild für ein zukünftiges Wirtschaftssystem werden. Schon jetzt tummeln sich auf dem rasch wachsenden Areal rund 1.100 Personen aus unterschiedlichen Gebieten wie Kunst, Design, Soziales und Technologie.

Strada & Garage

Interessant ist beispielsweise der Start-up-Campus factory300, der von der startup300 AG betrieben wird. Das Unternehmen, das 2015 von Bernhard Lehner und Michael Eisler gegründet wurde und an der Wiener Börse notiert, will jungen Unternehmen die nötige Infrastruktur bieten. „Wir bauen die digitalen Geschäftsmodelle von morgen“, sagt Bernhard Lehner. Rund 125 Unternehmer und Business Angels stehen hinter startup300, darunter Michael Altrichter und Hans-Peter Haselsteiner. In der Tabakfabrik haben die Start-up-Experten auch eine „Hauptstraße der Innovation“ eröffnet: Die „Strada del Startup“ bietet nicht nur Gründern, sondern auch Freelancern und Kleinbetrieben die nötige Infrastruktur. Und in der „Grand Garage“ können moderne Maschinen wie CNC-Fräsen und 3D-Drucker für die Herstellung von Prototypen und damit zur Umsetzung von Geschäftsideen genutzt werden. Dieser Makerspace, wie solche öffentlich nutzbare Werkstätten genannt werden, dient aber auch der Wissensvermittlung.

Bernhard Lehner, CEO startup300 AG

Bernhard Lehner, CEO startup300 AG

Wie hat sich die Coronakrise ausgewirkt? Bernhard Lehner sagt im Gespräch mit trend.at: „Es war kein lustiges Jahr, weil wir uns auch ununterbrochen auf die gerade aktuelle Corona-Situation einstellen müssen.“ Generell war zu beobachten, dass Corporates in der Krise stark leiden und deshalb weniger Präsenz in der factory300 zeigen. „Dafür ist die Community der Gründerinnen und Gründer sowie Freelancer viel aktiver.“ Die Memberships seien in diesem Jahr stark gewachsen, es sei mehr Frequenz denn je in der factory300. „Also weniger Coroporate, mehr Founder-Spirit, so würde ich das zusammenfassen“, sagt Lehner.

Check it mit Gibble

Die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups ist jedenfalls ein erklärtes Ziel der Tabakfabrik. Wie das gehen kann, zeigen startup300 und RLB Oberösterreich, die gemeinsam an Projekten arbeiten. Am weitesten fortgeschritten ist die Finanzdaten-App Gibble: Damit wird jungen Unternehmen das Reporting erleichtert, die Business Angels wiederum können in Echtzeit auf Finanzdaten und wichtige Kennzahlen zugreifen. Auf diese Weise sollen sie jederzeit checken können, wie es um die Start-ups bestellt ist und ob finanzielle Engpässe drohen; darüber hinaus können verschiedene Start-ups besser miteinander verglichen werden. In die Entwicklung der App war auch ein Spin-Off von Runtastic involviert.

Das Beispiel zeigt, welche Rolle moderne Technologien heute spielen können. Doch Europa droht im Vergleich zu den USA und Asien im Hinblick auf die Digitalisierung den Anschluss zu verlieren. Die Zurückhaltung potenzieller Investoren ist nur ein Grund dafür. Insofern kann die Tabakfabrik auch zeigen, dass Europa und Österreich einen ganz eigenen Weg gehen können: Mehr Kreativität, mehr Mut, mehr Kollaboration. Und die Tabakfabrik beweist, dass die Grenzen zwischen Technologie, Wirtschaft, Kunst und Kreation im Zuge der Digitalisierung verschwimmen: Wo sonst finden sich Start-ups ebenso wie außergewöhnliche Kunstprojekte?

Seit kurzem ist in der ehemaligen Zigarettenfabrik das Multimedia-Spektakel „Van Gogh – The Immersive Experience“ zu bestaunen. Die Gemälde des niederländischen Künstlers werden mit Lichtinstallationen zum Leben erweckt; die Inszenierung ist zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum zu sehen und läuft noch bis Mitte Februar.

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