Lernen von zuhause statt im Hörsaal: In Österreich noch Mangelware

Lernen von zuhause statt im Hörsaal: In Österreich noch Mangelware

Eine Studie des Wissenschaftsministeriums ortet an Hochschulen Verbesserungspotenzial, wenn es um den Einsatz neuer Medien geht. Blended Learning ist zwar Usus, doch MOOCs - kostenlose Massen-Lehrveranstaltungen über das Web - sind noch Mangelware.

"Verbesserungspotenzial beim Einsatz neuer Medien" ortet eine vom Wissenschaftsministerium finanzierte Studie zur österreichischen "Hochschul-E-Learning-Landschaft". So gehe die Initiative für die Umsetzung von E-Learning oft nur von einzelnen Lehrenden aus, heißt es darin. Mehr als 40 Prozent der Hochschulen bieten diesen aber keinerlei Anreize dafür.

Für die Studie wurden alle 72 Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen online befragt, etwaige Entwicklungspläne, Leistungsvereinbarungen und Wissensbilanzen analysiert sowie Experteninterviews geführt. 49 Hochschulen schickten auch Antworten.

Blended Learning ist Usus, MOOCs sind Mangelware

Insgesamt 48 der 49 Hochschulen boten Blended-Learning-Lehrveranstaltungen an - dabei werden traditionelle Präsenzvorlesungen oder -übungen mit E-Learning kombiniert. Reine Online-Lehrveranstaltungen existierten nur an 17 Institutionen, Game Based Learning an 16 und Massive Open Online Courses (kostenlose Internet-Lehrveranstaltungen für alle, MOOCs) an acht.

In anderen Ländern sind MOOCs längst Usus. So sind in den USA Plattformen wie Coursera und edX aus dem Boden gewachsen, auf denen Privatmenschen Kurse an Elite-Universitäten belegen können - die Kurse sind entweder günstig oder gar gratis. Die Vorträge werden über Videos gehalten, die Studierenden diskutieren über Foren, belegen Tests, müssen Hausaufgaben machen und in manchen Fällen gar eine Abschlussarbeit einreicchen - als Belohnung dafür gibt es ein Zertifikat. Zu den Anbietern auf den genannten Online-Plattformen gehören Stanford, Yale, Harvard, University of London oder auch die Universität von Zürich - österreichische Anbieter sucht man dort jedoch vergebens.

"Kreis portenzieller Studenten erweitern"

"Es ist positiv, dass die Hochschulen die technischen Möglichkeiten unserer Zeit immer mehr nutzen", so Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) in einer Aussendung. "Durch E-Learning und Online-Vorlesungen wird der Kreis potenzieller Studierender erweitert und vor allem Berufstätige und Personen mit Familien entlastet."

Allerdings gaben nur 14 der 49 Hochschulen an, über eine eigene E-Learning-Strategie zu verfügen. Zwölf weitere arbeiteten gerade eine solche aus. Von den Unis erwähnten nur zwei (von 16 Teilnehmern) eine E-Learning-Strategie auch explizit in ihren Leistungsvereinbarungen. "Die strategische Verankerung von E-Learning ist demnach an vielen österreichischen Hochschulen noch nicht erfolgt", konstatiert die Studie.

Ambitionierte Einzelkämpfer

Als Folge hängt der Einsatz von neuen Medien oft von Einzelpersonen ab. Diese verfügten aber meist nicht über die nötige Reichweite, um E-Learning-Aktivitäten hochschulweit zu etablieren, so die Autoren. "Ob E-Learning-Angebote gelingen oder scheitern, steht und fällt mit dem Engagement und Können insbesondere des Lehrpersonals", meinte Mitterlehner. Für eine nachhaltige Verankerung brauche es daher eine strategische Ausrichtung, Weiterbildungsangebote und entsprechende Anreizsysteme.

Mehr als 40 Prozent der befragten Hochschulen bieten den Lehrenden derzeit keinerlei Anreize für einen Einsatz von E-Learning. In nur vier Fällen wird der zumindest am Anfang entstehende Mehraufwand finanziell extra abgegolten, in acht Fällen gibt es eine Kompensation durch Verringerung der normalen Lehrtätigkeiten. Immerhin zwölf honorieren E-Learning-Aktivitäten durch die Vergabe von Awards.

Hauptproblem: Zu wenig Personal

Hochschulische Weiterbildungsangebote im E-Learning-Bereich existieren zwar größtenteils -allerdings gaben viele Gesprächspartner bei den qualitativen Interviews an, dass es vielfach einen wenig Akzeptanz gibt. "Daraus lässt sich schlussfolgern, dass Weiterbildungsangebote für E-Learning zwar existieren, diese aber von den Lehrenden nicht wahrgenommen bzw. nicht in Anspruch genommen werden."

Als "kritisch" angesehen wird von den Studienautoren der "mitunter geringe E-Learning-Einsatz an einigen Pädagogischen Hochschulen". Dort würden auch am seltensten Anreize zur Förderung des Einsatzes neuer Medien gegeben.

Als Hauptproblem für den Einsatz neuer Medien sowohl bei der Online-Befragung als auch bei den Interviews wurden (hochschulübergreifend) mangelnde Personalressourcen ausgemacht. Allerdings seien mehr Mitarbeiter "aufgrund der angespannten Budgetsituation von den Hochschulen allein nicht leistbar". Fazit: "Zusätzliche Finanzmittel seitens des Bundes sind daher nicht nur eine wesentliche Voraussetzung zur Aufrechterhaltung bestehender Leistungen, sondern vor allem auch für eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung innovativer Bildungsangebote."

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