Kollege Chatbot am Telefon und E-Learning für die Ernte

Keine Wartezeiten mehr bei der Terminvereinbarung in der Arztpraxis und E-Learning für die Einschulung auf Landmaschinen: Wie Pöttinger und ein Team innovativer Radiologen die Digitalisierung für ihre Unternehmen nutzen.

Kollege Chatbot am Telefon und E-Learning für die Ernte

Radiologe Claudio Spick: Mit Künstlicher Intelligenz gegen überlastete Telefonleitungen

Noch wird auf der Webseite des Diagnostikums Linz vor langen Wartezeiten am Telefon gewarnt, weil die Leitungen stark ausgelastet sind. Noch – denn eine Lösung für das moderne Radiologie-Institut in Kleinmünchen ist bereits im Anrollen: Im Partner-Institut in Wien, dem Diagnosezentrum Meidling, nimmt seit einigen Tagen ein Chatbot einen Teil der Anrufe entgegen und vereinbart selbstständig Untersuchungstermine.

Dahinter steckt das von den Meidlinger Radiologen gegründete Start up „ELOQAI“ – und eine gehörige Portion Künstliche Intelligenz. Daher leitet sich auch der Name ab, eine kreative Wortschöpfung aus Eloquenz und AI, also Artificial Intelligence. Mehr als ein Jahr analysierten ein Team um die Meidlinger Radiologen Klaus Preidler und Claudio Spick Anrufe und Gesprächsverläufe, um das neue System zu trainieren und vor allem mit dem medizinischen Vokabular vertraut zu machen. „Die automatisierte Gesprächsführung von ELOQAI basiert auf künstlicher Intelligenz und einem fachspezifischen Gesprächsmodell“, erläutert Claudio Spick, „und ermöglicht sowohl eine telefonische Anmeldung per Voicebot als auch per Webchat über die Homepage.“

Anmeldung rund um die Uhr

Die Vorteile für die Patienten: Eine Anmeldung ist rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche möglich, auch Umbuchungen oder Stornierungen können digital erledigt werden. Und der Praxisbetreiber spart enorme Kosten, da das Personal nicht mehr hauptsächlich mit dem Abheben des Telefons beschäftigt ist. Verläuft der Praxiseinsatz des Kollegen Chatbot in Wien erfolgreich, wird er dann auch bald am Diagnostikum Linz Röntgen-, MRT- oder Ultraschall-Termine vereinbaren.

Willkommen in der Welt der Digitalisierung! Schon der erste Lockdown im Frühjahr hat gezeigt, wie sehr digitale Tools als Rettungsring wirken können. Wer einen Webshop hatte, konnte wenigstens einen Teil seines Umsatzes retten. Unternehmen, die schnell und ohne größere Reibungsverluste auf Home Office umstellen konnten, verloren weniger an Arbeitszeit. In einer Befragung für die Industriellenvereinigung und den Technologieberater Accenture gaben mehr als die Hälfte aller Unternehmen an, dass die Digitalisierung ihnen in der Krise stark bzw. sogar sehr stark geholfen habe.

„Digitales Trainingslager“

Doch das ist nur der erste Schritt. Jetzt geht es auch darum, neue Geschäftsmöglichkeiten zu erkennen, die die Digitalisierung bieten kann. „Während des Lockdowns ist viel ungehobenes Digitalisierungs-Potenzial sichtbar geworden“, sagt auch Thomas Arnoldner, CEO der A1 Telekom Austria Group, im Gespräch mit dem trend, „Corona hat uns in ein digitales Trainingslager gezwungen. Jetzt müssen wir entscheiden, wie wir Gelerntes anwenden und wo wir technische Unterstützung brauchen.“

Einschulung über Grenzen

Beim oberösterreichischen Unternehmen Pöttinger ist diese Entscheidung bereits gefallen: Der Landmaschinen-Hersteller investiert kräftig, auch in die Digitalisierung. Dazu zählt die Erweiterung des IT-Systems inklusive neuem, verbessertem Backup sowie der deutliche Ausbau von E-Learning-Tools. „Unsere Maschinen sind komplex und brauchen eine gewisse Einschulung“, erläutert Finanz-Chef Wolfgang Moser, „diese werden wir künftig für Händler und Endkunden über Online-Tools anbieten.“

Wolfgang Moser

Mutig durch die Krise: Pöttinger-Finanzchef Wolfgang Moser investiert in E-Learning und neues Produktionswerk

Das ist für das in Grieskirchen ansässige Familienunternehmen auch eine Vorbereitung auf mögliche Grenzschließungen aufgrund der Pandemie. Denn 90 Prozent der produzierten Landmaschinen gehen ins Ausland, das erfordert im Idealfall offene Grenzen. Falls die dicht sind, helfen Ausnahmegenehmigungen, da mit den Pöttinger-Maschinen Lebensmittel produziert werden, also kritische Infrastruktur sind. Aber dennoch ist es ratsam, wenigstens Einschulungen und Produkterklärungen digital und auf Distanz abwickeln zu können.

Der Digitalisierungs-Schub ist nicht die einzige aktuelle Investition des Unternehmens. Der neue Produktionsstandort für sogenannten Rundballenpressen in der Nähe von Grieskirchen ist bereits in Bau und wird jetzt zügig fertiggestellt, immerhin eine Investition von 25 Millionen Euro.

Zu diesen Investitionen gehört auch Mut. Zwar ist Pöttinger mit 366 Millionen Euro Umsatz und weltweit 1.900 Beschäftigten gut aufgestellt. Aber auch die Oberösterreicher hat der Lockdown im Frühjahr voll erwischt. „Im März ist in der Produktion Hochsaison“, sagt Pöttinger-Finanzchef Moser. Allerdings profitiert das Unternehmen davon, dass Landwirte ihre Ernte einfahren müssen, ob Corona ist oder nicht. Und dafür brauchen sie Maschinen. In die wurde heuer sogar kräftig investiert, trotz Krise, da solche Landmaschinen – anders als private Pkw – als wertbeständig gelten und unter Landwirten fast die Funktion einer Krisenwährung haben.

Das ist gut für das Geschäft heuer, lässt aber für 2021 eine Delle bei den Verkaufszahlen erwarten. „Wir sind ein Spätzykliker“, bestätigt Moser. Das Management rechnet daher für das kommende Jahr mit einem Umsatzminus von fünf bis zehn Prozent. Wie gesagt: Um zu investieren, bedarf es nicht nur Kapital und einer Strategie, sondern auch Mut. Und den Willen, die Zukunft zu gestalten.

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