Klingendes Holz: Klanggeber aus der Steiermark

Tischler Bernhard Lenz mit einem seiner Klangstücke - eine HiFi-Box

Tischler Bernhard Lenz mit einem seiner Klangstücke - eine HiFi-Box

Die Tischlerei Lenz aus Bad Gleichenberg im steirischen Vulkanland stellt Naturholzmöbel und seit einigen Jahren auch innovative Lösungen für Lautsprecher und Klangkörper her.

Ein Generationenkonflikt kann auch befruchtend sein, weiß Bernhard Lenz, Tischler aus Bad Gleichenberg, der 2002 den Familienbetrieb von seinem Vater übernommen hatte. Einen solchen Konflikt führte Lenz nämlich vor einiger Zeit mit seiner älteren Tochter. Dabei ging es aber nicht um eine weitere Übergabe, sondern um die Produkte der Tischlerei. Und die fand das adoleszente Mädchen total uncool und stockkonservativ.

Der Tischler grübelte also, was er denn machen könnte, um die Tochter zufrieden zu stellen. „Ich gehöre noch der konservativen Elterngeneration an, die ihre Kinder nach draußen in den Garten schickt", gesteht Lenz. So habe er eben überlegt, was Kinder mit in den Garten nehmen könnten.

Ein Wochenende lang schliff er Ideen, schnitt Hölzer zurecht, entwarf und verwarf Nützliches wie Unnützes. Dann war es gefunden: ein kleines hölzernes Gehäuse. 20 Zentimeter breit, 8,5 Zentimeter hoch und fünf Zentimeter tief. Nichts Weltbewegendes. Ein Quader mit einem Schlitz, in den man ein Smartphone stecken kann. Doch wenn die Musik-App aktiviert wird, zeigt der Holzblock, was in ihm steckt: Der blecherne Klang des Handylautsprechers wird als warmer und voller Sound mit mehr Volumen zurückgeworfen.

Der "Klanggeber" - ein smartes Stück Holz als Klangkörper für Smartphones.

Der "Klanggeber" - ein smartes Stück Holz als Klangkörper für Smartphones.

Das singende Holzstück wurde akzeptiert und angenommen. Mehr nicht. Es erfolgte kein Jubelschrei und es wurde kein Coolness-Zertifikat erteilt. Aber nach ein paar Wochen verwendete die Tochter das Teil, dem Lenz den Namen „Klanggeber“ gegeben hatte, noch immer. „Wenn meine kritische Tochter das weiterhin benutzt, dann kann es nicht ganz falsch sein“, dachte Lenz. Er produzierte in einem ersten Schritt 20 weitere Stück davon. Und die waren im Nu weg. Das ist jetzt vier Jahre her. Mittlerweile hat Lenz schon 2000 der Klanggeber in Handarbeit hergestellt. Das Kernstück besteht aus gefrästem Zirbenholz. Drumherum, als Kontrastholz, wird etwa Edelkastanie oder Buche verwendet. Erhältlich ist der Naturverstärker über zwei Onlineshops und natürlich bei ihm selbst. Für Unternehmen produziert er ab 30 Stück auch mit Firmenlogo versehene Klanggeber.

Klingende Hölzer

Es war nicht das erste Mal, dass sich Lenz, mit Holz als Klangkörper beschäftigt hatte. Schon zuvor hatte er mit dem steirischen HiFi-Boxenhersteller Trenner & Friedl einen kongenialen Partner gefunden. Für die Grazer Lautsprecher-Manufaktur stellt er edle Holzgehäuse her. Lenz baut außerdem selbst Phonomöbel - Sideboards und Tische, in denen die komplette Elektrik sowie HiFi-Anlagen integriert sind. Deren Vorteil: Kabel und Geräte sind integriert und versteckt, es gibt keine berüchtigten Kabelsalate.

In der sonoren Bad Gleichenberger Tischlerei arbeiten zwei der sechs Mitarbeiter ständig für den Boxenbereich. Lenz hat sich damit also ein zweites Standbein zum traditionellen Tischlereibetrieb gezimmert, mit dem er die komplette Palette an Tischlerarbeiten anbietet. Von Betten, Tischen, Stühlen, Küchen, Zimmereinrichtungen bis hin zu Büromöbeln und Ausstattungen von Empfangsbereichen.

Vollintegriertes Phono-Möbelstück aus dem Hause Lenz

Vollintegriertes Phono-Möbelstück aus dem Hause Lenz

Die Arbeit mit dem nachwachsenden Naturprodukt Holz nimmt Bernhard Lenz sehr ernst. Für ihn ist Nachhaltigkeit kein Mascherl, das man sich leichtfertig umhängen kann. Er lebt sie, mit allen Konsequenzen. Vor einigen Jahren verarbeitete er noch exotische Edelhölzer wie etwa Palisander. Davon hat er sich verabschiedet - auch wenn das mit geschäftlichen Nachteilen verbunden war. Der Grund: Für die importierten Hölzer gibt es oft keine tauglichen CO2-Zertifikate. Sie sind also am Papier "nachhaltiger" als heimische Hölzer. „Mit diesem Blödsinn wollte ich aufräumen. Anfangs hat es Ärger mit den Händlern gegeben, die wollten eben solche Hölzer im Sortiment haben. Aber ich nehme nur Holz aus Österreich, das ist mein Prinzip, und es hat auch so funktioniert“, sagt Lenz.

Für seine Arbeit ist Bernhard Lenz nun auch öffentlich bekannt geworden. Gerade eben wurde er zum Unternehmen des Monats nominiert. Diese Prämierung wird von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG seit 2017 durchgeführt. Die Wahl verläuft so: Die auffälligsten Projekte bzw. Unternehmen, die bei der SFG einen Förderantrag stellen, werden von den jeweiligen Sachbearbeitern vorgeschlagen. Aus dieser Menge werden von allen SFG-Mitarbeitern zwei oder drei ausgewählt, die sich dann einer Stichwahl stellen, an der jeder teilnehmen kann. Abgewickelt wird das über die Homepage www.unternehmen-des-monats.at. Die Lenz Tischlerei wurde in der Oktober-Wahl hinter der wesentlich größeren Brauerei Murau letztlich zweiter.


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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