Klement Tockner wird Präsident des Wissenschaftsfonds FWF

Klement Tockner wird Präsident des Wissenschaftsfonds FWF

Der Biologe Klement Tockner wird neuer Präsident des Wissenschaftsfonds FWF. Der Aufsichtsrat der zentralen Förderstelle für Grundlagenforschung in Österreich wählte am Dienstag den 53-jährigen Direktor des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei sowie Professor für Aquatische Ökologie an der Freien Universität Berlin aus einem Dreiervorschlag der FWF-Delegiertenversammlung. Das FWF kämft seit Jahren mit chronischer Unterfinanzierung.

Tockner folgt auf Interims-Präsidentin Christine Mannhalter, die den Fonds nach dem Wechsel von Pascal Ehrenfreund im Sommer 2015 als Vorstandschefin ans Deutsche Zentrum für Luft-und Raumfahrt führte. Der Biologe setzte sich gegen den Juristen Walter Berka und die Informatikerin Gabriele Anderst-Kotsis durch.

Zu den Vizepräsidenten des gebürtigen Steirers wurden die Molekularbiologin Ellen L. Zechner (Universität Graz), der Physiker Gregor Weihs (Universität Innsbruck) sowie die Linguistin Gerlinde Mautner (Wirtschaftsuniversität) gewählt.

Anlaufstelle für Grundlagenforschung

Klement Tockner tritt sein Amt spätestens im September an. Seit 2007 leitet er mit dem Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei das größte Forschungszentrum für Binnengewässer in Deutschland.

Der aus Schöder im Bezirk Murau (Steiermark) stammende Wissenschafter wurde 1993 an der Universität Wien promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Ökologie, Biodiversität und nachhaltiges Gewässermanagement. Seit 2005 ist er Titular-Professor an der ETH Zürich, wo er von 1996 bis 1999 als Oberassistent und anschließend bis 2007 bei der zum ETH-Bereich gehörenden Wasserforschungsanstalt Eawag tätig war.

Mit dem FWF übernimmt Tockner die zentrale Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung in Österreich. Derzeit laufen rund 2.300 vom Fonds geförderte Forschungsprojekte, 2015 wurden 655 Projekte neu bewilligt. Das Gesamtbewilligungsvolumen betrug im Vorjahr rund 204,7 Mio. Euro, wobei der FWF seit Jahren mit Unterfinanzierung kämpft: Die Bewilligungsquote liegt bei derzeit 20,3 Prozent der beantragten Budgets, Projekte im Ausmaß von 80 Mio. Euro jährlich können nicht gefördert werden, obwohl sie hervorragend beurteilt wurden. Erst kürzlich hatte die aus herausragenden Nachwuchsforschern zusammengesetzte "Junge Kurie" der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) deshalb vor einer "ernstzunehmenden Gefährdung des Forschungsstandort Österreich" gewarnt.

"Wert der Grundlagenforschung" vermitteln

Der neue Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Klement Tockner, sieht es wohl nicht zuletzt deswegen als eine seiner wichtigsten Aufgaben, "den Wert der Grundlagenforschung noch stärker in der Gesellschaft zu verankern". Gemeinsam mit den Partnern, insbesondere den Unis und Forschungseinrichtungen, will er eine Strategie entwickeln, "wie wir den FWF massiv stärken und weiterentwickeln können", sagte Tockner.

"Erste Aufgabe des neuen FWF-Präsidiums wird sein, überzeugende Konzepte vorzulegen, um zusätzliche Unterstützung für den FWF zu erhalten", erklärte Tockner in einer ersten Reaktion nach der Wahl. Damit Österreich, wie von der Bundesregierung beabsichtigt, zu den führenden Innovationsländern aufschließt, bedürfe es "sehr großer Anstrengungen". Man sollte weiters versuchen, über Synergien mit anderen Organisationen und Fördereinrichtungen zu zusätzlichen Ressourcen zu kommen, so der FWF-Chef, der betont, dass der Fonds "in erster Linie der qualitätsgetriebenen Förderung der Forschung verpflichtet ist".

Eines der überzeugendsten Argumente für zusätzliche Mittel für den FWF sieht Tockner in den "besten Köpfen", die man unterstützen müsse, um das kreative Potenzial zu heben. "Forschung wird durch kreative Leute gemacht, die muss man unterstützen, nicht nur finanziell, sondern auch durch entsprechende Rahmenbedingungen".

Als vorbildliche Beispiele aus Deutschland, wo Tockner die vergangenen Jahre gearbeitet hat, nannte er die Exzellenzinitiative, die viel angestoßen und auch eine Kulturentwicklung mit sich gebracht habe. Zudem habe Deutschland während der Konjunkturkrise zusätzlich in den Bereich investiert, weil man erkannt habe, dass Forschung die Grundlage für eine gedeihliche Entwicklung sei. "In Deutschland ist die Rolle der Wissenschaft und Forschung in der Gesellschaft bereits gut implementiert und wird von niemanden hinterfragt", sagte Tockner.

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