Innophore: Mit 3D-Technologie auf Enzyme-Suche

Enzyme, wie man sie noch nie gesehen hat - die Software von Innophore macht's möglich.

Enzyme, wie man sie noch nie gesehen hat - die Software von Innophore macht's möglich.

Mit einer Suchmaschine für Enzyme, die teure und langwierige Laborversuche ersetzt, unterstützt das Grazer Start-up Innophore die Entwicklung neuer Medikamente.

Zeit und Kosten bei der Entwicklung neuer Prozesse und Produkte kann das Grazer Unternehmen Innophore der Pharma- und Chemieindustrie sparen. Der Service Provider – so die Eigendefinition von Innophore – stellt eine Enzym-Suchmaschine zur Verfügung.

Enzyme sind so genannte Biokatalysatoren, also Substanzen, die durch ihre Anwesenheit bestimmte chemische Reaktionen erst möglich machen oder den Energiebedarf für den Start dieser Reaktionen drastisch verringern. Sie gewinnen als Bestandteil industrieller Verfahren immer mehr an Bedeutung. Allerdings ist die Suche nach diesen industriell benötigten Enzymfunktionen im Labor extrem teuer und zeitaufwändig.

Enzymen auf der Spur

„Mit unserer Softwareplattform ist es möglich, am Computer alternative Enzyme zu bereits bestehenden Prozessen in kürzester Zeit zu identifizieren und so die Herstellungsverfahren zu optimieren oder bestimmte Industrieprozesse überhaupt erst zu ermöglichen“, schildert Christopher Trummer, Business Developer von Innophore. Die zielgerichtete Suche in öffentlich zugänglichen Enzymdatenbanken, wie sie von Universitäten und Forschungseinrichtungen aufgebaut wurden, erlaubt es, neue und bisher verborgene Enzymfunktionen und Reaktionswege aufzuspüren. „Wir unterstützen damit die Weiterentwicklung im Bereich Biotechnologie, Arzneimitteln, Lebensmitteln, Feinchemie oder auch die Entwicklung neuer Therapien“, erklärt Trummer.

Weltweit einzigartige Software

Die Software von Innophore stellt eine Innovation dar und ist weltweit einzigartig. Sie arbeitet mit einem 3D-Verfahren, bei dem die „active site cavities“ der Enzyme erfasst werden. Dabei handelt es sich um Hohlräume in der Struktur der Enzyme - und genau dort finden die chemischen Reaktionen statt, die die Enzyme ermöglichen. „Im herkömmlichen Labor konzentriert man sich auf die Struktur oder Sequenz selbst, in nasschemischen Versuchen testet man langwierig die Wirkung und erhält zum Schluss im Grunde nur mehr vom selben“, erläutert er.

Trummer bringt ein Beispiel, wie die Suche nach einem geeigneten Enzym mit der Hilfe des Unternehmens abläuft: „Der Kunde will eine bestimmte Wirkung finden und schlägt ein bestimmtes Enzym vor. Wir nehmen das dann und erfassen die Eigenschaften seiner Hohlräume. Dann gleichen wir das Ergebnis in den Datenbanken ab und finden andere Enzyme, die dieselbe Wirkung haben oder sogar eine bessere.“ Die dahintersteckende 3D-Technologie habe man sich gesetzlich schützen lassen.

Durch die Möglichkeit, die Wirkungsweise von Enzymen am Computer zu simulieren, sparen die Kunden des Grazer Unternehmens Zeit und Kosten. Das verkürzt die Zeit bis zur Marktreife erheblich.

Den weltweiten Markt für enzymatische Prozesse schätzt man bei Innophore auf 250-300 Milliarden Euro pro Jahr. Deshalb sieht man ein hohes Wachstums- und Internationalisierungspotenzial. Konkrete Kunden dürfe man zwar nicht nennen, diese seien aber global aufgestellt und teilweise auch sehr groß. „Wir gehen mittelfristig von einem organischen Wachstum aus, unsere Auftragslage ist auch entsprechend“, versichert Trummer.

Derzeit arbeitet man bei Innophore auch an einem neuen Projekt mit dem Namen Humanes Cavitom. Damit soll es unter anderem möglich werden, computergestützt mögliche Nebenwirkungen neuer Medikamente vorauszusagen oder Vorschläge für neue Anwendungsgebiete bereits auf dem Markt befindlicher Arzneimittel zu machen.

Von der Uni auf den Markt

Gegründet wurde Innophore ursprünglich als Spin-Off des Grazer Biotechnologie-Kompetenzzentrums ACIB. Die Gründer waren der Professor für Strukturbiologie an der Grazer Karl-Franzens-Universität Karl Gruber und die Chemiker Christian Gruber und Georg Steinkellner. Nach ersten Aktivitäten im Rahmen des Science Park Graz half die Steirische Wirtschaftsförderung SFG dem Start-Up bei der Suche nach einem strategischen Partner. Dieser wurde in der Grazer EOSS Industries, einer Technologie-Beteiligungsholding, gefunden. Seit Ende 2017 ist Innophore unter dem Dach von EOSS tätig. „Das war der Wandel von der universitären Richtung der Innophore in die Marktwirtschaft“, sagt Trummer.

EOSS Industries hält Anteile an 17 Unternehmen unterschiedlicher Branchen im In- und Ausland. Diese erzielen gemeinsam rund 150 Millionen Euro Umsatz und beschäftigen weltweit 900 Mitarbeiter.


Innophore wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG im Mai 2019 zu den Top 3-Unternehmen der Steiermark gewählt.

Die Wahl "Unternehmen des Monats" wird von der SFG seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


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