Ilvi - die digitale Krankenschwester aus Gleisdorf

Ilvi - die digitale Krankenschwester aus Gleisdorf

Das mobile ilvi-Gerät bringt die Fieberkurve und andere Daten von Patienten vom Papier in digitale Krankenhausinformationssysteme und erleichtert den Alltag im Krankenhaus.

Das ilvi des gleichnamigen Gleisdorfer Unternehmens soll den Krankenhausalltag für das medizinische Personal leichter machen. Mit einem einzigen mobilen Gerät können Patientendaten erfasst, Gesundheitswerte verschiedener medizinischer Geräte ausgelesen und alles in das Krankenhaus-Informationssystem übertragen oder von dort abgerufen werden.

Ein einziges mobiles Gerät, um Patientendaten zu erfassen, Informationen aus vielen verschiedenen medizinischen Geräten abzurufen und all diese Daten in ein nachgelagertes System zu übertragen hat die steirische Firma ilvi GmbH in Gleisdorf entwickelt. Das erst im Herbst des Vorjahres gegründete Unternehmen, an dem auch der bekannte Investor Herbert Gartner beteiligt ist, ist gerade dabei, das Gerät auf den Markt zu bringen.

Begonnen hat alles mit der Gründung der Berger Medizintechnik vor 20 Jahren. Deren Eigentümer, Erwin Berger, betreibt damit ein Vertriebsunternehmen für nichtinvasive Kardiologie-Diagnostik. Sehr bald wurde ihm klar, dass Diagnosegeräte als Insellösungen keine Zukunft haben. Die Geräte kommunizierten nicht direkt mit dem Krankenhaus-Informationssystem (KIS). Es wurde zuerst ausgedruckt und dann eingescannt.

Als Vorläufer von ilvi entwickelte Berger dann ein Gerät, das als erste Schnittstelle zu den einzelnen KIS diente. Er erkannte das Potenzial, medizinische Geräte mit Daten über den Patienten zu versorgen, von ihnen diagnostische Daten auszulesen und diese in das nachgelagerte KIS zu exportieren. Das Resultat weiterer Entwicklungsarbeit ist ilvi.

Digitalisierung bedeutet zunächst zusätzliche Arbeit

„Das Gesundheitssystem hinkt der Industrie bei der Digitalisierung gut 20 Jahre hinterher“, konstatiert der Geschäftsführer der ilvi GmbH, Christoph Kauer. „Die Fieberkurven basieren bis heute vor allem auf Papier.“ Unter anderem sei das System deshalb so konservativ, weil „Digitalisierung im ersten Schritt nicht unbedingt ein Segen ist, sondern erst einmal zusätzliche Arbeit bedeutet“. Die vorhandenen Patientendaten müssten ja irgendwie in die EDV kommen, meist geschehe dies durch händisches Erfassen, sprich mühseliges und langwieriges Eintippen.

Ilvi-Erfinder Erwin Berger (li) und Christoph Kauer, Geschäftsführer der ilvi GmbH

Ilvi-Erfinder Erwin Berger (li) und Christoph Kauer, Geschäftsführer der ilvi GmbH

Der Ansatz von ilvi sei es, aktuelle Vitaldaten des Patienten aus den Diagnosegeräten auszulesen und in das KIS zu senden. Zuvor wird durch Scannen des Patientenarmbands auf grundlegende Informationen über den jeweiligen Patienten zugegriffen ,um die Pflege über eventuell. vorhandene Risiken zu informieren und die Daten im richtigem Kontext zu versenden. Laufend erfasste Vitalwerte wie Temperatur, Ernährungsprotokoll oder Flüssigkeitshaushalt, aber auch so genannte Wundberichte, die Auskunft über den Heilungsprozess geben, kommen dazu und sind jederzeit über das mobile Gerät abrufbar und aktualisierbar.

ilvi, das wie ein Handy aussieht, das aber auch desinfizierbar ist, sei für den alltäglichen Gebrauch durch medizinisches und Pflegepersonal in Krankenhäusern ideal, ist Kauer überzeugt. „Lange Befunde lassen sich damit nicht generieren, die werden nach wie vor auf dem PC erstellt.“ Man wolle den Laptop nicht ersetzen, sondern ergänzen. Bisher habe es natürlich diverse mobile Geräte für das Patientendaten-Management gegeben, diese würden aber immer nur einzelne Bereiche abdecken. „Die großen Softwarefirmen scheuen die Verbindung mit medizinischen Geräten, weil es nicht leicht ist, eine entsprechende Zulassung für den Medizinbereich zu erhalten. ilvi hat selbstverständlich eine solche und ist für den klinischen Einsatz freigegeben.“

Alle Apps auf einem Gerät

Hervorragend geeignet sei ilvi, so Kauer, auch für den Pflegesektor. „Dort gibt es immer mehr Dokumentationsaufwand, der die Zeit, die eigentlich für die Patienten da sein sollte, auffrisst.“ Dazu komme der chronische Mangel an Pflegekräften, der durch ilvi zumindest ein bisschen kompensiert werden könne.

Täglich werden Gesundheitswerte am Krankenbett händisch erfasst und anschließend ins Krankenhausinformationssystem (KIS) eingegeben. Das kostet nicht nur unnötig Zeit, sondern erweist sich auch als überaus fehleranfällig.

Ein zweiter Ansatz ist die steigende Zahl von Medical Apps. Kauer: „Diese Anwendungen brauchen den Austausch mit den KIS. Wenn dann jeder App-Entwickler erst selbst eine Schnittstelle zu den KIS programmieren muss, ist das zu viel Arbeit. Wir sammeln die Daten von den diversen Apps zusammen und machen sie zu den KIS kompatibel. Für uns ist wichtig, dass in der Praxis alle Apps mit einem Gerät anwendbar sind.“

Den weltweiten Markt für mobiler Geräte und Software im Healthcare-Bereich schätzt Kauer auf rund fünf Milliarden Dollar. Von diesem Kuchen wollen sich die Gleisdorfer natürlich etwas abschneiden. Die Chancen stehen für Kauer gut, denn: „Dass man im Gesundheitswesen mobil wird, kommt wie das Amen im Gebet.“


Ilvi wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG im April 2019 zum zu den Top 3 Unternehmen der Steiermark gewählt. Die Wahl des "Unternehmens des Monats" wird seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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