Hutter Acustix: Wenn Räume zu Instrumenten werden

Holz aus der Steiermark verwandelt Räume in Klangkörper.

Holz aus der Steiermark verwandelt Räume in Klangkörper.

Exzellenter Klang oder weniger Lärm: Die Birkfelder Tischlerei Hutter hat sich zum Spezialisten für Akustik entwickelt, vom Konzertsaal bis zum Großraumbüro. Auf diesem Klavier spielt das Familienunternehmen von Südtirol bis Russland. Und gemeinsam mit der TU Graz wird an noch besseren Materialien geforscht.

„Jeder Raum ist ein Instrument. Denn so wie jedes Instrument einen Klangkörper hat, ist auch jeder Raum ein Klangkörper – und daher wie ein Instrument“, sagt Elisabeth Hutter – und formuliert damit auch gleich die Firmen-Philosophie von Hutter Acustix. Wer daran zweifelt, den überzeugt die Firmenchefin: „Blinde Menschen können sich anhand des Schalls in Räumen orientieren. Sie spüren, in welche Richtung sich der Raum öffnet und wie hoch er ist.“

Hutter und ihre Tischlerei im steirischen Birkfeld im Bezirk Weiz haben sich in den vergangenen 20 Jahren zu einem gefragten Spezialisten für Raumakustik entwickelt. Ob der große Veranstaltungssaal im Tiroler Wildermieing, der Konzertsaal der Philharmonie im russischen Rjasan, die Großraumbüros im Erste Bank Campus am Wiener Hauptbahnhof, die Therme Waltersdorf, das Thermalbad Nova in Köflach oder die Aquaarena in Brixen – stets waren die Profis von Hutter am Werk. Als Anerkennung dieser Leistung wurde der Betrieb auch als „Unternehmen des Monats“ nominiert.

Die High-End-Tischlerei

Die Aufgabenstellungen sind dabei vielfältig. Mal geht es um Sanierungen, mal um Neubauten. Und stets heißt das Zauberwort „selektive Schalllenkung“. Hutter: „In Akustikräumen wie Konzertsälen geht es darum, dem Publikum ein optimales Hör-Erlebnis zu ermöglichen und gleichzeitig dafür zu sorgen, das alle Musiker dasselbe zur selben Zeit hören.“ In Großraumbüros und Schwimmbädern dagegen geht es vor allem um das Schlucken von Lärm, um das Arbeiten zu erleichtern und sich einfach wohler zu fühlen. „Die Raumakustik ist ein absoluter Wohlfühlfaktor“, betont die Firmenchefin. Und mehr als das: „Studien zeigen, dass Schüler in einem Raum mit guter Akustik weniger Rechtschreibfehler machen, weil es weniger laut ist und sie sich besser konzentrieren können.“

Den Hang zum Klang hat Armin Hutter, Enkel des Firmengründers, Mitte der neunziger Jahre in die Tischlerei gebracht. Musikfan Armin Hutter hatte sich schon während des Studiums, bei dem er auch seine Frau Elisabeth kennenlernte, mit Lautsprechern und High-End-Musikanlagen beschäftigt – ein Know how, das er später als neuer Chef auch in das Familienunternehmen einbrachte. Dieses war bis dahin für den Bau hochwertiger Möbel bekannt. Eine Spezialisierung nach Noten: Inzwischen erzielt das 1948 gegründete Tischlerei-Unternehmen mit 36 Mitarbeitern 80 Prozent seines Umsatzes mit akustischen Lösungen.

Der Erfolg ist kein Zufallsprodukt. Forschung und Innovation spielen stets eine große Rolle. 2007 wird gemeinsam mit Voith Paper, einem der weltweit größten Hersteller von Papiermaschinen, ein Forschungsprojekt gestartet. Eine Entwicklungspartnerschaft gibt es auch mit Siemens-Transformatoren in Weiz. Hutter entwickelt das Akustiksystem der „selektiven Schalllenkung“, später den „Sound Optimizer“ zur nachträglichen Verbesserung der Akustik in bestehenden Räumen. Ein erster Ritterschlag erfolgt, als Hutter von der Klaviermanufaktur Bösendorfer den Auftrag bekommt, die gesamte Audio-Lautsprecherlinie inklusive Hochglanzoberfläche zu fertigen. Inzwischen hat das Unternehmen über 200 Akustikräume gestaltet oder umgebaut.

Ausbildungs-Werkstatt

Und wie geht es weiter? „Entwicklung und Innovation hören nicht auf“, sagt Elisabeth Hutter. Mit der TU Graz gibt es daher eine Zusammenarbeit in Sachen Materialkunde. Und auch wenn das Hauptgeschäftsfeld Akustik heißt, hochwertige Einzelmöbel werden in Birkfeld weiterhin gebaut. „Einerseits ist die Nachfrage da, andererseits nutzen wir Einzelfertigungen auch zur Ausbildung unserer Lehrlinge“, sagt Hutter. Von diesen nimmt das Unternehmen pro Jahr zwei oder drei auf. „Selber auszubilden ist für uns die einzige Möglichkeit, gute Mitarbeiter zu bekommen.“

Dass viele jungen Menschen an Universitäten und Fachhochschulen drängen, spürt auch ein Handwerksbetrieb wie Hutter. Zudem saugt die steirische Industrie viele Schulabsolventen auf. Hutter ist dennoch von der Attraktivität des Tischler-Handwerks überzeugt: „In einem Betrieb wie unserem kann man sich einbringen und vieles gestalten, was dem Trend zur Individualisierung entspricht“, sagt sie, „und man sieht am Ende ein fertiges Produkt, was sehr befriedigend ist und die wenigsten Bürojobs bieten können. Und was gibt es schöneres, als durchs Land zu fahren und zu sehen, welche Gebäude man geschaffen oder mitgestaltet hat.“


Hutter Acustix wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG im Januar 2019 bei der Wahl "Unternehmen des Monats" mit dem dritten Platz ausgezeichnet. Knapp hinter der Nummer 1 Boom Software und FISCH Tools, das Zweiter wurde.

Die Wahl des "Unternehmens des Monats" wird seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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