Airport Connection: Holler-Spezialtore für Flugzeug-Hangare

Ewald Holler

Ewald Holler opferte die Beamtenkarriere fürs Handwerk und sein eigenes Unternehmen.

Vom regionalen Schlossermeisterbetrieb auf den Weltmarkt: Ewald Holler beliefert mit seinen überdimensionalen Spezialtoren Flughäfen und militärische Einrichtungen in ganz Europa. Sein Motto: Hinter Holler-Tore passt jedes Flugzeug.

Der Tieflader kommt gerade auf den Hof gefahren und bringt ein wahres Ungetüm: Fünf Meter breit, 16 Meter lang und über 20 Tonnen schwer – das sind die beeindruckenden Maße der neuen Laserschneidemaschine für die Firma Holler Tore in Leitring.

Größe spielt bei Holler ohnehin die entscheidende Rolle: Denn einfache Garagentore kann jeder machen, aber 50 Meter pro Flügel für einen Flugzeug-Hangar oder ein Militärlager, da muss man schon Spezialist sein – so wie der steirische Betrieb. „Das größte Tor, das wir bisher produziert haben, hat eine Breite von 67 Meter und besteht aus einem Flügel, produziert für das Airbus-Werk in Toulouse“, sagt Firmenchef Ewald Holler, und dabei schwingt eine schöne Portion Stolz mit.

Der gelernte Schlossermeister Holler hat das Unternehmen vor 27 Jahren gegründet – und dafür eine sichere Beamtenkarriere aufgegeben. Denn Holler war Ausbildner in einer Strafvollzugsanstalt; zwar pragmatisiert, aber nicht wirklich glücklich. Also beschloss er, den sicheren Job aufzugeben und ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Erklärtes Ziel von Firmenchef Ewald Holler: "In zehn Jahren die absolute Nummer Eins in Europa sein."

Erklärtes Ziel von Firmenchef Ewald Holler: "In zehn Jahren die absolute Nummer Eins in Europa sein."

Mit Erfolg: Knapp drei Jahrzehnte später gehört der steirische Betrieb zu den Top-Playern in Europa für den Bau überdimensionaler Spezial-Tore, weshalb der Betrieb auch für die Wahl des Unternehmens des Monats nominiert wurde. Ob das Österreichische Bundesheer an seine Eurofighter möchte, am Flughafen Wien eine Maschine in den Hangar kommt, die britische Royal Army Einsatzfahrzeuge schnell zur Verfügung haben muss oder an einem französischen Atomkraftwerk große Teile ausgetauscht werden müssen – stets öffnen sich Holler-Tore aus Leitring. Die Exportquote liegt bei knapp 90 Prozent.

Aber was können Ewald Holler und seine 120 Mitarbeiter besser als andere, dass es sich lohnt, die schweren Teile durch ganz Europa zu transportieren? Holler schmunzelt: „Überbreiten und Überhöhen können nur eine Handvoll Spezialisten in Europa liefern. Hinzu kommt, dass wir eine besonders sichere Torautomatik anbieten können, die auch gegen Cyber-Attacken geschützt ist, was bei einer militärische Verwendung wichtig ist.“

Ein Tor wie eine Gummiwand

Was noch hinzu kommt und von der eigenen F&E-Abteilung entwickelt wurde: Holler-Tore sind besonders widerstandsfähig gegen mechanische Gewalt - und damit einbruchssicher. Wird versucht, mit einem LKW das Tor zu durchbrechen, gibt dieses leicht nach – fast wie eine Art Gummiwand – und absorbiert so die darauf wirkenden Kräfte. Ideal also für den Einsatz im High-Security-Bereich.

Seit 1992 fertigt Holler Tore Zäune und Tore aus Aluminum. Von der Entwicklung bis zur Endfertigung passieren alle Schritte am Standort Leitring.

„Das Beispiel zeigt, wie wichtig Innovationen auch bei vermeintlich ‚simplen‘ Produkten wie Alu-Toren sind“, sagt Ewald Holler. Entsprechend viel investiert das Unternehmen in diesem Bereich. Aktuell gibt es ein Forschungsprojekt mit einem Masterstudenten zum „Verwindungsverhalten freitragender Alu-Tore bei Sonneneinstrahlung“. Was ziemlich abstrakt klingt, hat einen konkreten Hintergrund: „Bei Hitze dehnt sich Alu aus“, erläutert Holler, „bei einem drei Meter breiten Tor wirkt sich das nicht aus, aber bei 50 Metern Breite?“

Auch wenn Ewald Holler einen klaren Wachstumskurs verfolgt, Geld ist für ihn nicht alles. So legt er großen Wert auf eine gelebte Firmenphilosophie und betont die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens. „Gewinne zu erzielen ist wichtig, um das Unternehmen zu sichern“, sagt Holler, „aber es kann nicht unser vorrangiges Ziel sein. Vielmehr geht es darum, gemeinsam etwas zu erreichen, was jeder alleine für sich nicht bewerkstelligen könnte und damit einen Beitrag zum Allgemeinwohl zu leisten.“

„Wollen Nummer Eins in Europa werden“

Ewald Hollers Vision für die Zukunft ist eindeutig: „In zehn Jahren wollen wir die absolute Nummer Eins in Europa sein“, sagt der Firmengründer selbstbewusst. Doch um das zu erreichen, muss der Umsatz verdoppelt werden. Unrealistisch? „Wir wachsen jährlich um 10 bis 15 Prozent“, sagt Holler, „da ist eine Umsatz-Verdopplung innerhalb von zehn Jahren absolut möglich.“

Einen Schritt zu diesem Ziel ermöglicht dem steirischen Unternehmen ausgerechnet der Brexit. Denn durch den Abschied der Briten wird Calais, wo sich die Einfahrt in den Eurotunnel befindet, zur EU-Außengrenze – weshalb die Eurotunnel-Betreiber zur Sicherung der Grenze vorsichtshalber einige zusätzliche Falttore in Leitring bestellt haben.


Holler Tore wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG im Februar 2019 für die Wahl zum "Unternehmen des Monats" nominiert und belegte in der öffentlichen Abstimmung den zweiten Platz hinter der PM CNC Technik- und Schulungs GmbH.

Die Wahl des "Unternehmens des Monats" wird seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


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