Geo5 sorgt für Wissen,
das in die Tiefe geht

Geo5 sorgt für Wissen,
das in die Tiefe geht

Die geologischen Daten werden oft im unwegsamen Gelände gesammelt.

Geowissenschaftler aus Leoben helfen Energieversorgern oder Erdölfirmen bei der Erkundung des Untergrundes. Ihr Unternehmen Geo5 sucht aber auch in der Schweiz nach geeigneten Orten für die Lagerung radioaktiver Abfälle.

Wissen, das in die Tiefe geht – das bietet Geo5, ein Team aus Geowissenschaftlern in Leoben. Das 2015 gegründete Unternehmen beschäftigt sich mit geophysikalischen Dienstleistungen, von der Datensammlung über deren Bearbeitung bis hin zur Interpretation – und das sehr erfolgreich, weshalb Geo5 auch für das „Unternehmens des Monats“, einem Wettbewerb der Steirischen Förderungsgesellschaft SFG, nominiert wurde.

Spin-Off

„Wir waren ursprünglich fünf Geowissenschafter in der Forschungsgesellschaft Joanneum Research“, erzählt Christoph Eichkitz, Prokurist und Gesellschafter von Geo5. „Da wir immer schon sehr intensiv in der Wirtschaft verankert waren, haben wir vor fast fünf Jahren ein Spin-Off gegründet.“

Diese Ausgründung wurde von Joanneum Research kräftig unterstützt. Gemeinsam halten die Gründer – von denen nur noch vier bei Geo5 tätig sind - 75 Prozent an dem Unternehmen. Der Rest gehört Joanneum Research, der Leobener Heinemann Oil und Gerfried Winkler vom Institut für Erdwissenschaften an der Karl Franzens Universität in Graz.

Von Tunnelbau bis Geothermie

Konkret befassen sich die Wissenschafter mit der Grundwassererkundung, der Geotechnik, die für den Autobahn- oder Tunnelbau wichtig ist, der Exploration von Erdöl- und Erdgasvorkommen und der Geothermie. Für die Wien Energie wird gerade das Wiener Becken genau untersucht.

Geo5-Geschäftsführer Marcellus Schreilechner

Geo5-Geschäftsführer Marcellus Schreilechner

„Im Wiener Becken haben wir praktisch die gesamten Alpen im Untergrund übereinander geschichtet. Das ist eine sehr komplexe Geologie. Wir versuchen für Heißwasserbohrungen den optimalen Standort zu finden, also jenen Punkt, wo wir die höchste Temperatur und die größte Schüttung finden“, schildert Geo5-Geschäftsführer Marcellus Schreilechner.

Bei geothermischen Untersuchungen sei man in Österreich ohne Mitbewerber, versichert Eichkitz. Mit diesem Bereich mache man in Österreich und Deutschland auch das meiste Geschäft. Während im Inland vor allem Energieversorger die Auftraggeber sind, lassen in Deutschland vorwiegend Gemeindeverbände den Untergrund auf heißes Wasser untersuchen.

Ölsuche in Libyen

Erdöl suchen die Obersteirer gemeinsam mit Heinemann Oil. Derzeit arbeite man vor allem in Libyen. Wichtig ist dabei nicht nur das Finden von Lagerstätten, sondern auch die Erfassung von sogenannten Klüften im Gestein, erklären die Leobener Spezialisten. Eichkitz: „Erdöl bildet unter der Erdoberfläche ja keinen See, sondern ist im Gestein verteilt. Man muss sich das wie einen Schwamm vorstellen, der sich mit Wasser vollgesogen hat.“

Christoph Eichkitz, Prokurist und Gesellschafter von Geo5

Christoph Eichkitz, Prokurist und Gesellschafter von Geo5

Will man das Öl an die Erdoberfläche bringen, nutzt man am besten die Klüfte, durch die das Schwarze Gold leichter nach oben steigen kann. „Wir haben eine Software entwickelt, die diese Klüfte in den seismischen Daten leichter erkennt und besser darstellt.“ Die Klüfte wirken dann, so Eichkitz und Schreilechner, „wie eine Autobahn für Öl, Gas aber auch Wasser. Das erhöht die Förderrate und macht viele Projekte erst wirtschaftlich interessant.“

Abfall unter die Erde

In der Schweiz arbeitet Geo5 an einem ganz anderen Projekt. Dort will man nicht etwa Bodenschätze nach oben bringen, sondern Abfall im Boden lagern. Konkret geht es um radioaktiven Müll aus den Schweizer Kernkraftwerken, aber auch aus dem medizinischen Bereich. Die NAGRA, das Schweizer Kompetenzzentrum für die Entsorgung radioaktiver Abfälle, hat mit Hilfe der Leobener gerade die erste Phase der Erkundung abgeschlossen. „Wir bearbeiten derzeit die Daten“, sagt Eickitz. Das Projekt sei wissenschaftlich besonders fordernd.

Acht Mitarbeiter sind bei Geo5 direkt beschäftigt. Bei Feldmessungen, also der Untersuchung des Untergrunds vor Ort, greift man meist auf Studenten zurück.

Neue Software für Auswertungen

Neben der Bearbeitung konkreter Projekte befasst man sich in Leoben mit der Entwicklung neuer Softwarelösungen. Es soll ein Programm entwickelt werden, in der Algorithmen selbstständig die seismischen Daten auswerten.

In der ersten Phase des auf drei Jahre angesetzten Projekts wurden synthetische Daten verwendet, derzeit wird der Einsatz von realen Daten getestet. Die von der Software errechnete Beschaffenheit verschiedener geologischer Körper wird anschließend mit Hilfe von Bohrungen verifiziert.

Das Forschungsprojekt wurde gemeinsam mit der Montanuniversität Leoben durchgeführt und von der österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt. Ein entsprechendes Softwareprodukt ist ein weiterer Hoffnungsträger von Geo5: „Die klassischen Geoingenieursleistungen sind sehr volatil. Sie hängen von Faktoren wie dem Ölpreis oder von Großprojekten ab. Der Verkauf der Software, die bei Bodenuntersuchungen viel Geld und vor allem Zeit spart, würde für eine gute Basisfinanzierung des Unternehmens sorgen.“


Geo5 wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG zu den Top-Unternehmen der Steiermark im Monat September 2019 nominiert.

Die Wahl "Unternehmen des Monats" wird von der SFG seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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