Flecks Bier macht viel Theater ums Getränk

Flecks Bier macht viel Theater ums Getränk

Erst wurden Brauanlagen in die ganze Welt verkauft, jetzt braut die Familie Fleck in der Nähe von Frohnleiten ihre eigenen Biere. Und veranstaltet darum auch ein eigenes Brau-Schauspiel.

„Hereinspaziert, meine Damen und Herren!“ So empfängt Georg Fleck-Obendrauf, ausgestattet mit Hut und Hosenträgern, seine Gäste. Dann öffnen sich die Tore – nein, nicht zu einer Zirkusvorstellung, sondern zu einem „Brau-Theater“. Was woanders eine ganz normale Führung durch eine Brauerei ist, ist bei Flecks Steirerbier nahe Frohnleiten ein Spektakel.

Und das ist nicht die einige Besonderheit des Unternehmens: Der Familienbetrieb ist Spezialist für Brauanlagen und exportiert diese mit großem Erfolg weltweit. In Gasthäusern, Hotels und Pubs in 37 Ländern, von Russland über Südafrika bis nach Indien und Myanmar, entsteht in 150 Anlagen Bier mit dem Brau-Know-how aus der Steiermark – meistens in die Gaststube integriert und damit vor den Augen der Gäste. Und Flecks selber ist eine der führenden und modernsten Craftbeer-Brauereien in Österreich.

Geheimnis Außenkocher

Brautechnik weltweit zu verkaufen ist zwar toll, aber wenn so viel Wissen da ist, könnte man doch auch selber Bier herstellen, zumal ohnehin Bedarf bestand an einer Pilotanlage für potentielle Kunden?

Das fand jedenfalls die junge Fleck-Generation und errichtete 2014 eine familieneigene Brauerei – selbstverständlich mit der hauseigenen Technologie. Denn die unterscheidet sind in einem Punkt ganz wesentlich von anderen Brau-Verfahren: Wird die Maische meist wie in einem übergroßen Kochtopf von unten erhitzt, geschieht dies bei den Fleck-Anlagen durch einen Außenkocher, durch den die Maische geleitet wird. „Dadurch wird das Bier malzbetonter und geschmackvoller“, betont Michael Fleck, Junior-Chef des Unternehmens.

Sieben verschiedene Bier-Sorten werden mittlerweile produziert, darunter auch das „Almenland Bio-Bier“, unfiltriert, gentechnikfrei und mit Solarenergie gebraut. Bei Interspar und Lagerhaus in der Steiermark sind die Flecks gelistet sowie in den Regalen zahlreicher Genussläden. Es gibt einen eigenen Online-Shop und einen großen Gastgarten. Finanziert wurde die Expansion – auch das ziemlich innovativ - über die Crowdfunding-Plattform „Green Rocket“. Der Durst der Investoren war ziemlich groß: Nach nur elf Tagen hatten die Steirer 550.000 Euro für ihre Expansion eingesammelt.

Brauanlage statt Kraftwerk

Gegründet hat das Unternehmen vor 21 Jahren Vinzenz Fleck. Als gelernter Diplom-Ingenieur verkaufte er viele Jahre für Voest und Andritz auf der ganzen Welt Industrieanlagen, bis ihm die Idee mit den Brau-Anlagen kam. Doch weil dieses Business für die Konzerne eine Nummer zu klein war, entschied sich Fleck, die Sache selber in die Hand zu nehmen – mit Erfolg. Denn er konnte seine internationalen Kontakte nutzen. Wem ein Kraftwerk zu teuer war, dem verkaufte er halt eine Brauanlage.

Das Unternehmer ist fest in Familienhand: Vater Vinzenz ist Senior Brauer, Sohn Michael Junior-Chef, Bruder Stefan das IT-Hirn, Schwester Claudia kümmert sich um den Papierkram, Schwager Georg ist als ausgebildeter Schauspieler für das Theater verantwortlich und Michaels Frau bespielt die Social-Media-Kanäle. „Nur Lehrling Leonhard gehört nicht direkt zur Familie, aber indirekt schon“, sagt Michael Fleck lachend. Und das Geheimnis der Familienharmonie: „Jeder hat seinen Spezialbereich, in dem er sich gut auskennt und recht eigenständig arbeiten kann“, sagt Michael Fleck, „so gibt es zwar ein gemeinsames Ziel, aber gleichzeitig für jeden ausreichend Freiräume.“

Aktuell schwimmt Flecks Steirerbier auf der Craftbeer-Welle. Wie es damit weitergeht? „Ganz schräge Sachen wie Maroni- oder Kirsch-Bier werden wieder verschwinden, aber das Bedürfnis nach geschmackvollen, nicht-industriell produzierten Bieren wird weiter steigen“, ist Michael Fleck überzeugt.


Flecks Steirerbier wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG im Mai 2019 zu den Top 3-Unternehmen der Steiermark gewählt.

Die Wahl "Unternehmen des Monats" wird von der SFG seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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