femSense: Ein Pflaster hilft beim Kinderwunsch

Das intelligente Pflaster von fenSense trackt den weiblichen Zyklus. Mit dem Smartphone können die im NFC-Chip gespeicherten Daten ausgelesen und fruchtbare Tage ermittelt werden.

Das intelligente Pflaster von fenSense trackt den weiblichen Zyklus. Mit dem Smartphone können die im NFC-Chip gespeicherten Daten ausgelesen und fruchtbare Tage ermittelt werden.

Mit einem Pflaster, in dem ein Sensor und ein NFC-Chip integriert sind, kann der Zyklustracker femSense des Grazer Unternehmens SteadySense die fruchtbare Zeit bei Frauen herausfinden und helfen, den Kinderwunsch zu erfüllen. Der Österreich-Anteil an der Wertschöpfung des Systems ist ungewöhnlich hoch.

Werde dann schwanger, wenn du willst – das ist das Motto und das Ziel von femSense Kinderwunsch. Die Kombination aus Sensorpflaster und App liefert verlässliche Daten über den Eisprung und damit die Fruchtbarkeit der Anwenderinnen. Entwickelt wurde das System vom Biomedizin-Techniker Werner Koele und seinem Team.

Koele war 13 Jahre lang für die Infineon Technologies Austria in Graz tätig, hat sich dort unter anderem mit NFC-Chips beschäftigt und war weltweit für das Innovationsmanagement tätig. „Dadurch habe ich viele Halbfertigprodukte im Elektronikbereich kennengelernt“, erzählt der Techniker. Dabei stolperte er auch über die Technologie, die femSense ermöglicht. „Im Einvernehmen mit Infineon habe ich mich dann selbstständig gemacht, um dieses System zu entwickeln und zu vermarkten.“

Koele gründete dafür das Unternehmen SteadySense GmbH im steirischen Seiersberg-Pirka, das sich mit der Entwicklung intelligenter Temperatur-Messsysteme für den Healthcare-Bereich und den medizinischen Sektor befasst.

Zyklus-Messung per App & Smartphone

Herzstück von femSense ist ein hochempfindlicher Temperatursensor, der Veränderungen von 0,1 Grad Celsius messen kann. In einem Mikrochip werden bis zu 1.000 dieser Messdaten gespeichert, über NFC können sie dann mit einem normalen Smartphone abgerufen werden. Sensor, Chip, Batterie und Antenne sind in einem Pflaster verpackt, das nur wenig mehr als einen Millimeter dick ist und auf die Haut geklebt wird. Die Daten werden an ein Programm übertragen, das im Laufe der Zeit mit selbstlernenden Algorithmen ein „Temperaturprofil“ der Anwenderin erstellt und schon bald sehr genau die fruchtbare Zeit bestimmen kann.

Das femSense-Pflaster misst kontinuierlich die Körpertemperatur, die Daten werden mit dem Smartphone ausgelesen.

Das femSense-Pflaster misst kontinuierlich die Körpertemperatur, die Daten werden mit dem Smartphone ausgelesen.

Die Empfindlichkeit des Mess-Patch ist mehr als ausreichend, um den Beginn der fruchtbaren Phase festzustellen. „Beim Eisprung erhöht sich die Körpertemperatur um 0,2 bis 0,5 Grad Celsius“, schildert der SteadySense-Chef. Die Zuverlässigkeit der Methode liegt bei 95 Prozent.

„Unser Produkt hat einen sehr hohen Anteil an österreichischer Wertschöpfung“, ist Koele stolz. Das Chipdesign kommt aus dem Design Center Graz der Infineon Technologies, die winzige Leiterplatte von AT&S in Leoben, die Pflaster von Lohmann Pflaster aus dem niederösterreichischen Stockerau, die App-Software wurde von einem Grazer Partnerunternehmen entwickelt. „Auch unser Hauptinvestor sitzt in Graz und unser medizinischer Mentor, der bekannte Kinderwunsch-Spezialist Dr. Michael Schenk, betreibt seine Kinderwunsch-Klinik im steirischen Dobl“, erzählt Koele. Und schließlich sei ja auch die Knaus-Ogino-Methode zur Familienplanung durch Temperaturmessungen vor rund 90 Jahren von den beiden Gynäkologen Hermann Knaus und Kyusaku Ogino entwickelt worden. „Knaus war Österreicher“, schmunzelt der SteadySense-Gründer.

femSense, die Zyklustracker App von Steadysense aus Graz, hilft Frauen, ihren Körper besser zu verstehen, denn sie kombiniert Kalenderfunktionen (fertile Tage, Menstruation), die Dokumentation von Stimmungen bzw. Symptomen und visualisiert Statistiken.

Für Koele hat sein femSense-Kinderwunsch-System viele Vorteile: „Es funktioniert ohne Hormonmessungen in Urin oder Blut, daher ist femSense nicht-invasiv. Gegenüber der ursprünglichen Knaus-Ogino-Methode muss auch nicht jeden Tag zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt die Temperatur ermittelt werden, weil unser Sensor die Körpertemperatur mehrmals pro Stunde misst und die Daten speichert. Diese können dann später ausgelesen werden.“ Und schließlich sei femSense ein zertifiziertes Medizinprodukt. „Das unterscheidet uns von anderen Anbietern von Fruchtbarkeits-Bestimmungssystemen, die diese Zertifizierung nicht haben.“

Hoffnungsmarkt China

Derzeit sind die Hauptabsatzmärkte von femSense, das seit März auf dem Markt ist, neben dem D-A-CH-Raum vor allem das Vereinigte Königreich, Irland und Spanien. Noch heuer will Koele aber mit dem System auf dem nordamerikanischen Markt gehen, Asien könnte 2020 folgen. „Wir sehen Chancen in China, wenn die Regierung ihre Ein-Kind-Politik weiter lockert“, erklärt der Firmenchef. Für heuer strebt er mit den 15 SteadySense-Mitarbeitern einen Umsatz von rund einer dreiviertel Million Euro an, „unsere weiteren Ziele sind sehr ehrgeizig“.

SteadySense-Gründer und femSense Erfinder Werner Koele

SteadySense-Gründer und femSense Erfinder Werner Koele sieht China als Zukunftsmarkt.

Momentan funktioniert femSense nur mit Smartphones von Apple. Das ändert sich demnächst: Noch im August findet aber das Roll-Out für Handys mit Android-Betriebssystemen statt. Die femSense-App gibt es bereits in vier Sprachen: Neben Deutsch und Englisch auch in Französisch und Spanisch. Vertrieben wird das System über Apotheken und ausgewählte Drogeriemärkte.

Eine weitere mögliche Anwendung des Temperatur-Messsystems sieht Koele im klinischen Bereich. „Mit dem Pflaster kann eine viel präzisere Fieberkurve erstellt werden als mit dem herkömmlichen Fieberthermometer. Das kann bei der Diagnose ebenso helfen wie bei der Protokollierung des Genesungsprozesses.“


SteadySense wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG im Juli 2019 für die Wahl steirischen "Unternehmens des Monats" nominiert. Die Wahl wird von der Steirische Wirtschaftsförderung SFG seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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