Klingt gut: USound - Mikrolautsprecher ganz groß

Das USound Managment Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi-Clerici und Ferrucio Bottoni (v.l.)

Das USound Managment Jörg Schönbacher, Andrea Rusconi-Clerici und Ferrucio Bottoni (v.l.)

Das steirische Start-up USound stellt innovative Mini-Lautsprecher für Kopfhörer her, die künftig auch Handys und Tablets mit sattem Sound versorgen sollen. Dafür wurde USound mit dem Fast Forward Award als innovativstes steirisches Kleinunternehmen 2018 ausgezeichnet.

Alle sagten, das geht nicht. Doch dann kam einer, der das nicht glauben wollte, und schaffte es. Diesen Spruch beherzigten Ferruccio Bottoni, Andrea Rusconi Clerici und Jörg Schönbacher, die viele Jahre als Kollegen in der Halbleiter-Industrie zusammenarbeiteten und sich anfreundeten.

Alle drei hatten den gleichen Wunsch: nicht mehr angestellt, sondern selbstständig zu sein. Die Frage war nur: mit welcher Geschäftsidee? Ein Jahr lang brütete das Herren-Trio über Ideen und Business-Modellen. Bis sie dann Konsens fanden: Die Techniker wollten die Lautsprechertechnologie in eine neue Ära führen.

„Im Prinzip funktionieren herkömmliche Lautsprecher immer noch nach demselben Prinzip, das Werner von Siemens vor 141 Jahren zum Patent angemeldet hat. Während im Displaybereich in den vergangenen zehn Jahren große Technologiesprünge stattgefunden haben, hat der Audiobereich vergleichsweise wenig Fortschritt verzeichnet“, erklärt der gebürtige Italiener Ferruccio Bottoni warum man sich dafür entschieden hat.

Mit dieser Erkenntnis ging es in die Forschung. Drei Jahre lang wurde getüftelt, bis sich der gewünschte Erfolg einstellte: die erste MEMS-basierte Technologie für Mini-Lautsprecher (Micro Electro Mechanical Systems) war fertig. Töne und Sprache werden dabei nicht mehr analog, sondern digital zum Lautsprecher transportiert. Und diese Mikroboxen, nur einen Millimeter dünn, sollten in sämtlichen elektronischen Geräten eine neue Heimat finden – vor allem in Handys und Kopfhörer. Die MEMS-Technologie lag zwar schon vor - sie wurde am Fraunhofer Institut entwickelt. „Wir haben diese aber dann für unsere Bedürfnisse adaptiert und in neues Design gebracht“, sagt Bottoni.

Startschwierigkeiten

Nachdem die Vorarbeiten geleistet waren, gründeten sie 2014 ihr Unternehmen: die USound GmbH. Doch dann bäumten sich die ersten Hürden auf: Da USound eine sogenannte "fabless Company" ist - also über keine eigene Fabrik verfügt - und extern produzieren lässt, musste erst ein Hersteller gefunden werden, der die entsprechende Qualität liefern konnte. Und dann war noch für die Innovation Überzeugungsarbeit am Markt zu leisten – mehr als erwartet. Sodass USound erst neun Monate später als erhofft startete.

Produziert wird heute in Kärnten, in Althofen. Seit 2018 sind die USound-Produkte in Kopfhörertypen – In-Ear und Over-Ear – sowie in sogenannten Wearables (etwa Virtual-Reality-Brillen) eingebaut. In weiterer Folge sollen auch Smartphones, Handys, Tablets und Notebooks mit den Mikro-Lautsprechern ausgestattet werden. „Wir werden in der zweiten Jahreshälfte 2019 bei Smartphones die Marktreife erreichen. Die Verzögerung hat uns auch einen Vorteil gebracht. Wir hatten mehr Zeit, um an unseren Produkten zu feilen“, sagt Jörg Schönbacher.

Wie hält man aber finanziell solche Durststrecken durch? Bottoni: „In den ersten sechs Monaten hatten wir gar nichts. Da haben wir vom vorher Ersparten gelebt. Dann sind aber Geldgeber gekommen und haben uns vorfinanziert. Das hat uns ziemlich entspannt.“

Etliche namhafte Elektronikkonzerne zeigen bereits Interesse. Über künftige Abnehmer wird geschwiegen. Aber im Dezember soll ein Großauftrag aus China für weiteren Elan sorgen. Eine gewisse Größe hat USound schon selbst. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 56 Personen. Manche davon sind in Teilzeit, daher misst das Start-up in Vollzeitäquivalenten - davon gibt es 40.

Fast Forward Award Gewinner

Die Miniaturlautsprecher sollen nicht der finale Ton in der Unternehmens-Oper, sondern erst die Ouvertüre sein. USound möchte auch im Hifi-Bereich ein Wort mitreden. Aber für eine 60-Watt-Box (oder stärker) sind Mini-Lautsprecher nicht sinnvoll. Denn ein voller Sound braucht einen entsprechend großen Klangkörper. Auch hier hat Bottoni eine Antwort: „Wie bei LED-Lampen, wo mehrere LED zusammengeschaltet werden und ein Licht ergeben, wollen wir mit unserer Technologie auch mehrere kleine Lautsprecher koppeln, um einen großen Sound zu erzeugen.“

Harmonische Resonanz erntete USound jedenfalls vor kurzem: Beim Fast Forward Award, den die Steirische Wirtschaftsförderungsgesellschaft SFG einmal im Jahr an innovative Unternehmen und Projekte aus der Steiermark vergibt, konnte das Grazer Start-up in der Kategorie „Kleinunternehmen“ den ersten Platz erringen.

Die weiteren Fast-Forward-Award-Gewinner des Jahres 2018:

  • Kleinstunternehmen: Aurox (für das Produkt Headband)
  • Mittlere Unternehmen: Innofreight (GigaWood Wagon für einen einfacheren Holz-Transport)
  • Großunternehmen: Epcos (CeraCharge für sichere Akkus)
  • Forschungseinrichtungen: Joanneum Research (Minilabor zur Früherkennung von gefährlichen Krankenhaus-Keimen)
  • Sonderpreis: Polymer Competence Center Leoben (Kontrolle von 3D-Teilen beim Produktionsprozess)

Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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