Evolve macht menschliche Sprache für Maschinen klar verständlich

Fehlerlose Sprachsteuerung: Evolve macht's möglich.

Fehlerlose Sprachsteuerung: Evolve macht's möglich.

Klare Kommunikation ohne Stimmen-Wirrwarr und störende Hintergrundgeräusche – das ermöglicht ein neues Verfahren zur Geräuschfilterung des steirischen Start-Ups Evolve. Sprachsteuerungen funktionieren damit fehlerlos, die Anwendungsgebiete reichen von Autos über Hörgeräte bis hin zur Industrie.

Mit einem neuartigen Verfahren zur Geräuschfilterung beschäftigt sich das Grazer Start-Up Evolve. Dieses soll unter anderem eine kristallklare Kommunikation zwischen Mensch und Maschine in Umgebungen mit hohem Geräuschpegel – etwa im Auto oder auch in der Werkshalle - ermöglichen, könnte aber auch in Hörgeräten zum Einsatz kommen.

„Wir sind ein typisches Deep-Tech-Start-Up, wir eröffnen mit einem hochtechnologischen Produkt völlig neue Marktnischen“, erläutert Evolve-Geschäftsführer Matthias Zöhrer. Gemeinsam mit Kollegen hat der Diplomingenieur der Telematik und Doktor der Computerwissenschaften in den vergangenen fünf Jahren an seinem Verfahren geforscht und entwickelt. Heuer gründete er dann im Rahmen des akademischen Gründerzentrums Science Park Graz Evolve, jetzt erfolgte die Nominierung zum „Unternehmen des Monats“.

Fokus auf eine Stimme

Zöhrers Verfahren beruht auf Künstlicher Intelligenz und Machine Learning. „Wir sind in der Lage, aus einer Vielzahl von Schallquellen eine bestimmte herauszufiltern. Wir sagen dem System zum Beispiel, es soll im Auto auf den Fahrer hören. Dasselbe Prinzip kann vom Handy, Tablet oder Navi angewandt werden. Es funktioniert auch in anderen Umgebungen, zum Beispiel im Café oder am Flughafen, überall dort, wo es einen hohen Hintergrundlärm gibt.“

Die Konzentration auf eine bestimmte Stimme gleicht laut Evolve-Gründer „der Suche nach der Nadel im Heuhaufen“. Bisher habe es kein derartiges System gegeben. „Sonst wäre es ja schon in allen Handys und Hörgeräten verbaut.“ Durch ein Stimmen- und Geräusch-Mischmasch kommen Geräte mit Sprachsteuerung wie Siri und Alexa schnell an ihre Grenzen und funktionieren nicht richtig.

Mehr Sicherheit im Verkehr

Untersuchungen zeigen, so Zöhrer, dass 30 Prozent aller Verkehrsfälle durch Ablenkung durch Handy oder Navi verursacht werden. „Eine einwandfreie Spracherkennung aufgrund des Geräuschfilters könnte viele davon verhindern, weil man dann nicht mehr auf die Geräte schauen oder sogar Tasten drücken müsste.“

In den nächsten sechs Monaten will Evolve eine Cloud-Lösung des Filterverfahrens auf den Markt bringen. „Das ist vor allem für Unternehmen interessant, die Transkripte von Meetings brauchen“, sagt Zöhrer, „bei Meetings wird aber erfahrungsgemäß oft durcheinander geredet. Wir können jede einzelne Stimme hervorheben und alle anderen herausfiltern. Aufgenommen wird das Meeting mit nur einem Aufnahmegerät, der Filter wird dann auf jede Stimme angewandt. Ein Übersetzungsprogramm kann anschließend vernünftig eingesetzt werden und produziert nicht so viele Fehler wie bei einem Stimmen-Wirrwarr.“

Offen für Investoren

Endziel ist allerdings eine lokale Lösung. Das bedeutet, dass das Geräusch-Filtersystem mit einem eigenen Mikrochip arbeitet, der dann in Handy, Tablet und Co. eingebaut wird. „Wir haben einen Prototypen für die Automobilindustrie und sind auch mit OEM und Zulieferern in Gesprächen“, erzählt Zöhrer. Bis ein solcher Chip Serienreife erlangt, dauere es aber zwei bis drei Jahre. Auch die Kosten für die Entwicklung sind hoch. „Deshalb sind wir offen für Investoren, erste Anfragen bei uns gibt es bereits.“

Evolve.tech – ein Hightech-Startup fokussiert auf Machine-Learning, Akustik und Spracherkennung will in der Automobilbranche durchstarten. Ein neues Verfahren zur akustischen Kanaltrennung ermöglicht präzise Sprecherlokalisierung und Geräuschfilterung in Fahrzeugen. Der Einsatz von Sprachsteuerung und Sprachassistenten wie Siri und Alexa in Autos wird dadurch salonfähig.

Ein eigener Filter-Chip wäre auch ideal für den Einsatz in Hörgeräten. Auch hier befinde man sich im ersten Entwicklungszyklus, schildert der Evolve-Geschäftsführer den Stand der Dinge. „Wir wollen mit unserer Technologie den Menschen helfen und das Leben einfacher machen. Man darf eines nicht vergessen: Sprache ist unser gängigstes Kommunikationsmittel.“

Das Marktpotenzial für das Geräusch-Filtersystem ist enorm. Weltweit werden pro Jahr 80 Millionen Autos, 1,4 Milliarden Handys, 163 Millionen Tablets und 161 Millionen Laptops verkauft. Dazu kommen 33 Millionen Smarthome-Steuerungen und 210 Millionen Smart-TV-Geräte. Bei allen diesen Produkten werden Sprachsteuerungen eingesetzt oder es geht wie im Fall der 16 Millionen neuen Hörgeräte und den 363 Millionen Headsets um verständliches Hören. Der Markt für Stimmen- und Spracherkennung allein wird auf rund acht Milliarden € im Jahr geschätzt, bei jährlichen Wachstumsraten um die 17 Prozent.

Das Filtersystem aus Graz lässt sich übrigens nicht nur auf Schall anwenden. „Es funktioniert genauso gut bei Radar. Deshalb wäre es auch für autonome Fahrzeuge geeignet“, so Zöhrer.


Evolve wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG zu den Top 3-Unternehmen der Steiermark nominiert.

Die Wahl "Unternehmen des Monats" wird von der SFG seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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