Etivera - Hoch hinaus mit Bodenhaftung

Etivera CEO Peter Kulmer

Etivera CEO Peter Kulmer

Etivera stellt Verpackungen aus Glas, Karton und Papier her und fertigt Etiketten. Soeben hat Etivera-Chef Peter Kulmer sein innovatives High-Tech-Center bezogen und den Preis zum Unternehmen des Monats von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG erhalten

Der Zufall spielt manchem einen Streich, dem anderen spielt er eine Idee zu. Für Peter Kulmer gilt das zweite. Er wuchs auf einem Bauernhof im steirischen Entschendorf (Gemeinde St. Margarethen an der Raab) auf. Und eines Tages, nachdem Kulmer die Höhere Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft in Raumberg absolviert hatte, suchte der örtliche Direktvermarkter-Verein einen Ersatz für seinen Betreuer. Kulmer sprang ein und organisierte Tragetaschen für die Vereinsmitglieder. Dabei kam er auch in Kontakt mit regionalen Lebensmittelerzeugern und erkannte recht rasch, dass es da noch mehr Bedarf gäbe.

Ein paar Jahre später, 2003, gründete er seine Firma, die damals Propack hieß und heute unter Etivera firmiert. Etivera ist ein Kunstname, der sich aus den ersten Buchstaben der Unternehmensbereiche zusammensetzt: „Eti“ (Etiketten), „ver“ (Verpackungen) und „a“ (Austria). Der Firmenname ist eines der wenigen Dinge, die bei Etivera künstlich sind. Der Hauptteil der Produkte besteht aus Glas, Metall, Papier, Karton oder Holz. Nur Vakuumbeutel oder kleine Sackerl sind aus Plastik und machen nur 1,8 Prozent im 1.500 Artikel umfassenden Sortiment aus.

Die Flaschen, Gläser, Tragetaschen aus Papier, Geschenkkartons und Etiketten, die Kulmer produziert, werden von Nahrungsmittelunternehmen, Direktvermarktern, Brauereien, Weinbauern, Whiskyherstellern, Nebenerwerbsbauern, Privaten oder von Geschenksartiklern gekauft, die diese dann mit ihren Erzeugnissen befüllen. Die Kunden sind überwiegend Kleinabnehmer. Auch wenn so bekannte Marken wie „Bio Austria“, „Gutes vom Bauernhof“ oder „Genuss Region Österreich“ zum Stammklientel zählen. Die Produkte von Etivera werden in ganz Europa gekauft, speziell in Österreich, Deutschland, Ungarn und Slowenien.

Der 42-jährige Unternehmer zeigt, dass seine Nische eine durchaus attraktive ist. Das Wachstum führte letztlich dazu, dass der bisherige Firmensitz in St. Margarethen an der Raab zu klein wurde. Daher musste ein neues Grundstück her. 400 Meter weiter wurde Kulmer vor zwei Jahren fündig und errichtete darauf ein komplett neues High-Tech-Center. Das hat er mit seinem 62-köpfigen Team am 20. August bezogen. „Einen zweistelligen Millionenbetrag“ nahm er dafür in die Hand.

Etiketten von Etivera: Zu den Abnehmern gehören Nahrungsmittelunternehmen, Direktvermarkter, Brauereien, Weinbauern, Whisky-Hersteller, Nebenerwerbsbauern, Private oder Geschenksartikel-Anbieter.

Flaschen von Etivera: Die Kunden sind überwiegend Kleinabnehmer. Auch wenn bekannte Marken wie „Bio Austria“, „Gutes vom Bauernhof“ oder „Genuss Region Österreich“ zum Stammklientel zählen.

Vorerst ist dort nur ein Drittel der vorhandenen Fläche ausgebaut. Der Platz reicht jedenfalls auch dann, wenn sich die Auftragslage von Etivera verdoppeln würde. Wie das funktioniert? Die einzelnen Bauteile sind sternförmig angelegt, so dass sie bei Bedarf nach außen hin vergrößert werden können. Besonders stolz ist der Kulmer auf das neue Fulfillment-Logistik-Center: „Mehr als 14.000 Paletten können hier mit Hilfe von modernster Elektronik vollautomatisch gesteuert und 500 Aufträge pro Tag abgewickelt werden. Im Zentrallager sind rund 1.500 verschiedene Verpackungslösungen vorrätig und just in time lieferbar - von Großaufträgen bis zu Kleinstmengen.“

Efolgsfaktoren

Das ist nicht alles. Da Platz rar ist, hat Kulmer das Lagersystem neu komponiert. Und das geht bei Etivera nicht in die Breite, sondern in die Höhe. 30 Meter ragt das Lager in die Luft. Dieses Hochregalsystem hat enorme Vorteile: Während die herkömmlichen Lagerhallen größtenteils aus vielen Gassen bestehen, damit die Stapler an die Regale kommen, konnte Etivera mit seinem System zwei Drittel einsparen. Für seine 14.000 Palettenplätze benötigt er damit nur 2.500 Quadratmeter. Mit einem niedrigen Lager würde er für die gleiche Betriebsleistung 10.000 Quadratmeter brauchen.

Einen weiteren wesentlichen Erfolgsfaktor sieht der Unternehmer darin, dass Etivera ein umfassendes Sortiment aus einer Hand bietet: „Wir legen großes Augenmerk auf die Markteinführung von innovativen und richtungsgebenden Produkten.“ Dafür investiert Kulmer vier Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung: Zwei bis drei Mitarbeiter sind mit Neuentwicklungen und Design befasst, zwischen 40.000 bis 50.000 Euro fließen in die Gestaltung von Prototypen – etwa für die Entwicklung einer neuen Flasche. Wie diese aussehen soll, welche Formen im Trend liegen und welche Bedürfnisse die Kunden haben, finden Kulmer und sein Team vorzugsweise bei Messen und in persönlichen Gesprächen heraus. Flops sind daher selten, wenn auch nicht auszuschließen: „In meinem Büro steht ein Produkt, von dem ich absolut überzeugt war, aber die Kunden haben es nicht angenommen“, sagt Kulmer. „Wenn eine Flasche verkaufsmäßig eine Flasche bleibt, dann fliegt sie aus dem Sortiment. Ein neues Design soll mindestens sieben bis acht Jahre lang Abnehmer finden.“

Dsa Etivera-Werk in St. Margarethen an der Raab

Dsa Etivera-Werk in St. Margarethen an der Raab

Kommt ein Prototyp an, werden bis zu 600.000 Stück produziert. Dann ist der Vertrieb am Zug: Ein Stab an Außen- und Innendienstmitarbeitern berät die Kunden und macht auf innovative Neuigkeiten aufmerksam. Und wer sich selbst vom Angebot ein Bild machen will, für den bietet die neue Firmenzentrale einen 700 Quadratmeter großen Schauraum, wo das Sortiment präsentiert wird.

Seit 2008 bietet Etivera auch den Druck von Etiketten im eigenen Haus an. Möglich wurde das durch die Anschaffung eines hochmodernen digitalen Rollenoffset-Druckers, der laut Kulmer „alle Stückerln spielt“. „Damit sind den individuellen Gestaltungswünschen unserer Kunden quasi keine Grenze gesetzt. Gedruckt wird in bis zu sieben Farben und mit vielfältigen Veredelungsmöglichkeiten“, sagt der Etivera-Boss. In den Genuss dieser Vorteile kommen auch Abnehmer von Kleinserien, denn im Vergleich zu anderen Verfahren ist der digitale Rollenoffset-Druck nicht nur exakter und schneller, sondern auch wesentlich kostengünstiger.

Innovativ zeigt sich Etivera auch beim Überdenken herkömmlicher Produkte. Ein Highlight ist die nassfeste Kühltasche, die kürzlich ins Sortiment aufgenommen wurde. Mittels Zweikammersystem bildet sich zwischen Innen- und Außenwand eine isolierende Luftschicht und das Kühlgut im Inneren bleibt mindestens eine Stunde lang geschützt. Die Tasche sei drei Mal so günstig wie vergleichbare Kunststoff-Taschen, aber bei weitem umweltfreundlicher, meint Kulmer.

Unternehmen des Monats

Auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung legt Etivera auch bei seinen Glasprodukten Wert. Der Löwenanteil des benötigten Rohstoffs – knapp 75 Prozent – wird aus Recyclingglas gewonnen. Das spart Energie, ist aber auch für die Glasqualität von Vorteil: „Glas wird weicher und geschmeidiger, wenn man es mehrmals behandelt“, sagt Kulmer. Das nötige Know-how für seine innovativen Ideen bezieht er auch aus seinem großen Netzwerk: „Mir war es immer wichtig, gute Kontakte zu knüpfen. Heute kann ich mich mit 60 bis 70 Produktionsstätten austauschen. So ergeben sich die besten Lösungen.“

Das Unternehmen feierte soeben sein 15-jähriges Bestehen. Die Arbeit wird nicht nur durch Stammkunden, sondern auch durch andere gewürdigt: Im August wurde Etivera zu Steiermarks „Unternehmen des Monats“ gewählt. Diese Prämierung zum Unternehmen des Monats wird von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG seit dem Vorjahr durchgeführt. Die Wahl verläuft so: Die auffälligsten Projekte bzw. Unternehmen, die bei der SFG einen Förderantrag stellen, werden von den jeweiligen Sachbearbeitern vorgeschlagen. Aus dieser Menge werden nach einem internen Voting der SFG-Mitarbeiter drei ausgewählt, aus denen dann in einer öffentlichen Stichwahl das Unternehmen des Monats gewählt wird.

Abgewickelt wird das über die Homepage unternehmen-des-monats.at. Etivera hat sich bei der Wahl im August gegen die innovativen steirischen Firmen Bisy (Molekulare Werkzeuge für die Pharmaindustrie) und Klangkulisse (Sounds für Unternehmen) durchgesetzt und 71,86 Prozent der Publikumsstimmen erhalten.


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

Das EET-Gründerteam Stephan Weinberger, Christoph Grimmer und Florian Gebetsroither (von links).

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