Energieautarkie: Neben der Altstadt beginnt die Zukunft

Unter dem Namen „Freiraum Freistadt“ entsteht im Mühlviertel eine komplett energieautarke Wohnanlage. Sie weist den Weg in Richtung Zukunft. Was dort im Kleinen umgesetzt wird, wird im großen Maßstab auch in Metropolen neu gedacht: „Stadt“ soll nicht mehr nur das sein, was zwischen den Straßen Platz hat.

Immobilien-Entwickler Andreas Stumbauer mit VR-Brille bei der virtuellen Besichtigung der einzelnen Wohnungen

Immobilien-Entwickler Andreas Stumbauer mit VR-Brille bei der virtuellen Besichtigung der einzelnen Wohnungen

Die Altstadt von Freistadt ist vom Mittelalter geprägt: Wehrtürme und die Stadtmauer sind weitgehend erhalten, auch viele der rund 150 Bürgerhäuser sind seit dem letzten großen Brand 1516 unverändert. Viel Historie also. Doch nur wenige hundert Metern davon entfernt beginnt die Zukunft: Dort entsteht eine Wohnanlage mit 25 Einheiten plus einer Bürofläche. Der Rohbau steht, doch das Besondere an dem Objekt ist noch nicht zu sehen: 320 Quadratmeter am Dach und 150 Quadratmeter an der Fassade sind für eine Photovoltaik-Anlage reserviert. Denn die Wohnanlage unter dem Namen „Freiraum Freistadt“ wird komplett energieautark sein.

„Dank einer installierten Photovoltaik-Anlage mit kombiniertem Batteriespeicher und modernstem Energiemanagement wird sich das Gebäude autonom mit Strom versorgen“, sagt der Mühlviertler Baumeister und Immobilienentwickler Andreas Stumbauer. Er und der Freistädter Elektrohändler Peter Haghofer, dem der Grund gehört und der für die Elektroinstallationen zuständig ist, sowie der Energie-Entrepreneur Walter Kreisel samt seinem Vater sind die treibenden Kräfte hinter dem Projekt. Von Kreisel, Cousin der E-Batterie-Brüder Kreisel, stammt das moderne Energiekonzept. Dessen Unternehmen neoom ist Spezialist für stationäre und dezentrale Batteriespeicher und Ladestations-Produkten. Hinter neoom steht die Idee, dass die Energieproduktion und -versorgung immer kleinteiliger wird. Die von neoom eigens entwickelte Software „NTUITY“ steuert auch das Energiemanagement des Freistädter Projektes.

Energie von der Fassade

Ursprünglich sollte nur die Dachfläche für die Energieversorgung per Photovoltaik genutzt werden, doch die erwies als zu klein für die 26 Einheiten. Also entstand die Idee, die Fassade zu nutzen. Ein 100-KW-Speicher soll die Versorgung sicherstellen. „Das zukunftsweisende Energiemodell hat uns zu Anfang sehr viele Anfragen gebracht“, sagt Stumbauer, „wir demonstrieren hier, wie Immobilienprojekte der Zukunft aussehen können.“

Die Photovoltaik-Anlage an der Fassade sorgt bei der energieautarken Wohnanlage in Freistadt für zusätzliche Power.

Die Photovoltaik-Anlage an der Fassade sorgt bei der energieautarken Wohnanlage in Freistadt für zusätzliche Power.

Mittlerweile sind bereits 21 Wohnungen verkauft, bei Quadratmeterpreisen von durchschnittlich 3.400 Euro. „Das moderne Energiekonzept war natürlich ein Argument für die Kaufentscheidung, aber es muss alles andere auch passen. Energieautarkie ist einer der wesentlichen, aber die nicht der einzige Kaufgrund“, sagt Andreas Stumbauer. Zum Verkaufserfolg beigetragen hat auch das moderne Vermarktungskonzept: Die Wohnungen können per Virtuell Reality besichtigt werden. Der höhere technische Aufwand für die Energieautarkie – rund 10.000 Euro pro Wohnung – ist im Kaufpreis nicht enthalten, sondern wird über ein Contracting-Modell umgesetzt, ohne Erstinvestition für die Käufer. Nach einer fix definierten Zeit, so der Plan, soll sich die Investition amortisiert haben und die Anlage ins Eigentum der Käufer übergehen.

Tomaten vom Dach und Schwimmen in der Seine

Was in Freistadt geschieht, bedeutet Zukunft zu gestalten. Und es ist nur ein Anfang. In Großstädten wie Paris und New York wird an Konzepten gebastelt, die Stadt wieder lebenswert und vor allem naturnaher zu gestalten. In New York haben sich Firmen darauf spezialisiert, Gemüse auf den Dächern von Sporthallen, Supermärkten und Einkaufszentren anzupflanzen. Noch ist das mehr Spielerei, doch schon experimentieren diese Vorreiter an vertikalen Anbauflächen, bei denen über mehrere Etagen gepflanzt und geerntet wird. Solche Anbauflächen würden nicht nur den Ertrag deutlich erhöhen, sondern auch als Grünflächen dazu beitragen, dass sich die Stadt im Sommer weniger aufheizt. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo will vor Oper und Rathaus den Asphalt aufbrechen und dort kleine Wälder entstehen lassen. Auch von einem Flussschwimmbad in der Seine ist die Rede.

Noch radikaler geht es der japanische Autokonzern Toyota an. Auf 71 Hektar am Fuße des Mount Fuji wird auf dem Gelände einer aufgelassenen Auto-Fabrik eine Modellstadt entstehen. Das Reißbrett-Projekt soll zeigen, wie eine Stadt auf Basis nachhaltiger Energiekonzepte und moderner Mobilitätskonzepte aussehen kann – eine Smart City aus dem Labor. Standen Großstädte bisher für Ruhelosigkeit und permanente Aktivität – New York als Stadt, die niemals schläft -, stehen in der Toyota-Stadt vor allem Nachhaltigkeit, Autonomie und Entschleunigung im Fokus. „Stadt“ ist nicht mehr, was zwischen den Straßen Platz hat. Die Stadt der Zukunft bietet viel Grün und großzügige Parks und Begegnungsflächen. Auch Photovoltaik spielt dabei eine zentrale Rolle. Ein bisschen Freistadt also, nur im ganz großen Stil.

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