E-Commerce verändert den Handel, auch Kleine haben Chancen

Das Weihnachtsgeschäft 2020 hat einmal mehr die zunehmende Bedeutung des Online-Handels gezeigt. Und das Web-Business wird weiter stark zulegen - nicht nur wegen COVID-19. Neue Technologien verstärken den Trend – und kleine Händler sind dabei durchaus nicht chancenlos gegen Amazon & Co.

Mit der richtigen Strategie können lokale Händler im globalen Wettbewerb mithalten.

Mit der richtigen Strategie können lokale Händler im globalen Wettbewerb mithalten.

Eine Million Pakete pro Tag hat die Österreichische Post in den Tagen vor Weihnachten transportiert. Im Vorjahr waren es täglich höchstens 765.000 Packerl gewesen, die hierzulande verteilt wurden. Post, DHL, DPD, UPS und weitere Zustelldienste kamen im Dezember gar nicht mit dem Ausliefern nach – und das lag keineswegs nur am Lockdown. Vielmehr haben die Corona-Bestimmungen den Trend zum Online-Shopping verstärkt.

Tatsache ist: E-Commerce ist weiterhin der wichtigste Trend im Handel. Das beweisen aktuelle Zahlen des Handelsverbands. Die 250 größten Webshops des Landes haben im Vorjahr – also noch vor der Coronakrise – ihren Umsatz um knapp 14 Prozent steigern können und kommen gemeinsam auf 3,6 Milliarden Euro. Heuer dürften die Umsätze nochmals deutlich gestiegen sein. Dabei werden die Großen immer größer: Die Anbieter auf den ersten zehn Plätzen machen rund die Hälfte des Gesamtgeschäfts der Top-250. Angeführt wird das Ranking – no na! – von Amazon, dahinter folgen zalando.at und universal.at. Für Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will steht fest: „Die Covid-Krise wirkt als Urknall der Digitalisierung und als Turboboost für den E-Commerce.“

Hohe Wachstumsraten im E-Commerce

Rund elf Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes in Österreich werden Schätzungen zufolge bereits via Internet erzielt – Tendenz stark steigend. Und in gewissen Sparten wie Elektronik, Bücher oder Spielzeug ist E-Commerce noch deutlich stärker. Dabei werden in jüngster Zeit vermehrt sogar jene Produkte über einen Webshop bestellt, die bisher doch lieber im stationären Handel besorgt wurden, zum Beispiel Möbel und Küchengeräte wie Geschirrspüler. Das liegt auch daran, dass die Logistikbranche inzwischen keinen Bogen mehr um die Zustellung an Konsumenten macht – im Gegenteil: Mit Zusatzleistungen wie Aufstellservices wollen Transportunternehmen vom rasch wachsenden E-Commerce profitieren.

So hat die Vorarlberger Traditionsfirma Gebrüder Weiss vor kurzem einen Lagerplatz außerhalb Wiens für die Zustellung von Gütern wie Waschmaschinen eröffnet. Ein noch weniger bekanntes Logistik-Unternehmen, das vom Trend zum E-Commerce bereits profitiert, ist das junge Wiener Unternehmen Byrd: Es übernimmt für Internet-Shops die Logistik bis hin zur Übergabe an den Kunden. Seit kurzem gibt es ein eigenes Lager in Frankreich; Byrd will nach eigenen Angaben das größte Fulfillment-Netzwerk in Europa aufbauen.

Das beweist: E-Commerce dringt in ganz neue Bereiche vor. Das weiß auch die österreichische Unito-Gruppe, der größte österreichische Online-Händler, zu berichten: Mit Marken wie Otto, Quelle oder Universal wird ein Jahresumsatz von rund 365 Millionen Euro erzielt. Und im Warenbereich Möbel, Heimtextilien und Haushaltswaren wurde zuletzt ein starker Zuwachs verzeichnet.

Strategien für Austro-Davids

Doch wie können sich kleine österreichische Händler gegen die Großen im E-Commerce behaupten? Mit einer Verbindung aus stationärem Handel und digitalen Angeboten, meinen Experten. So bietet das sogenannte Omni-Channel-Marketing Chancen gegen Ebay, Amazon und Co. – etwa die Kombination aus Bestellung im Internet und Abholung vor Ort im Geschäft (Click & Collect). Oder die Darstellung digitaler Angebote im Laden, beispielsweise auf Tablets präsentiert. Ebenso bieten Social-Media-Plattformen wie Facebook Möglichkeiten, Produkte zu bewerben und neue Zielgruppen zu erreichen. Da kommt es nicht unbedingt auf das größte Werbebudget an, sondern vielmehr auf Kreativität.

In naher Zukunft werden auch jene Handelsbereiche verstärkt im Internet zu finden sein, die sich bisher gegen den Trend gestemmt haben – etwa Do-it-Yourself-Produkte. Dazu tragen technologische Weiterentwicklungen bei: Vom einfachen Bezahlen bei den Webshops über das virtuelles Ausprobieren und Platzieren der Waren bis zum Schnüren maßgeschneiderter Angebote (unter anderem mit Hilfe Künstlicher Intelligenz) reicht da die Palette der Möglichkeiten. Und diese könnten durchaus von kleineren Händlern genutzt werden, zumal Faktoren wie Regionalität, Nachhaltigkeit und Ethik für Konsumenten eine immer größere Rolle spielen. Und letztlich gibt es einen Faktor, der im Handel nach wie vor eine Rolle spielt und im E-Commerce bisher nur unzureichend abgedeckt werden kann: Der persönliche Kontakt zum Käufer bleibt wichtig. Auch das kann für kleine, regionale Händler ein entscheidender Vorteil sein – gerade in Kombination mit einer passenden Online-Strategie.

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