Auch E-Autos wollen getankt werden - aber wo?

Auch E-Autos wollen getankt werden - aber wo?

"Einmal volladen, bitte!" - Doch was macht man eigentlich mit der Zeit, in der das E-Auto am Stecker hängt?

Die meisten Besitzer eines E-Autos laden ihr Fahrzeug in der eigenen Garage auf. In einem Mehrparteienhaus birgt dies Konfliktpotenzial bei der Abrechnung - und laden viele Nutzer gleichzeitig, dann hagelt es eine Straf-Tariferhöhung vom Anbieter. Die Lösung: Tanken, wenn sonst kein Strom verbraucht wird - etwa mitten in der Nacht.

Spricht man mit Experten der Energie-, Verkehrs- oder IT-Branche über Literatur, so lenken die Manager das Thema oft auf das Buch „Blackout“ des Wiener Autors Marc Elsberg – der Roman beschreibt die katastrophalen Auswirkungen eines großflächigen Stromausfalles in Europa, hervorgerufen durch die Manipulation intelligenter Stromzähler. Auch wenn das Buch eine extreme dystopische Vision vermittelt, in der Menschen in einer stromlosen Welt verhungern und erfrieren, so wird es von den Branchenvertretern als Beispiel dafür angeführt, wie vernetzt Wirtschaft, Gesellschaft und Energieverbrauch miteinander sind. Deutlich wird dies auch am Beispiel der Elektromobilität.

Denn laut Angaben des VCÖ wurden beim Vorarlberger Elektroauto-Pilotprojekt „VLOTTE“ die E-Autos bisher zu 98 Prozent zuhause aufgeladen. Handelt es sich bei den Besitzern der E-Autos um Bewohner von Einfamilienhäusern, so gestaltet sich die entsprechende Abrechnung einfach – schwieriger wird es, wenn das Auto seinen Strom in der gemeinsamen Garage eines Mehrparteienhauses tankt. „Denn ein E-Auto mit 15.000 Kilometern Jahresleistung verbraucht so viel Strom wie ein Einfamilienhaus“, sagt Alexander Decker, strategischer Projektmanager bei T-Systems Austria: Wenn also ein E-Fahrer sein Auto seelenruhig mit Gemeinschaftsstrom tankt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Haussegen schief hängt.

Alexander Decker auf der CeBIT: "Die meisten Autos sind keine Fahrzeuge, sondern Stehzeuge."

Ein weiteres Problem droht, wenn mehrere Bewohner auf den Zug aufspringen: Denn tanken viele E-Fahrzeuge zur gleichen Zeit am gleichen Ort, kommt es im Extremfall zu einer Überlastung des Netzes; aufgrund der kurzfristigen Spitzen im Stromverbrauch droht außerdem eine höhere Bereitstellungsgebühr durch den Energieversorger.

Autos: „Stehzeuge“ statt Fahrzeuge

Gemeinsam mit dem Wiener Start-up Enio hat T-Systems eine Lösung entwickelt, die hier Abhilfe schaffen soll. Der Stromverbrauch für die einzelnen E-Autos kann hier auf die jeweiligen Bewohner aufgeteilt werden; außerdem wird intelligent aufgeteilt, wann das E-Mobil geladen wird. „Denn Autos stehen 23 Stunden pro Tag – sie sind eigentlich keine Fahrzeuge, sondern Stehzeuge“, sagt Decker. Es bietet sich also an, das Auto zu laden, wenn die Netze am wenigsten belastet sind – etwa mitten in der Nacht. Wer es aber gerade eilig hat, der kann fordern, dass das Auto sofort geladen wird – und zahlt dementsprechend einen höheren Tarif. Diese Lösung befindet sich laut T-Systems derzeit im Prototyp-Stadium.

Angewandt werden soll das System nicht nur in Wohnhäusern, sondern auch bei elektrischen Zapfsäulen in der freien Wildbahn. Denn so manches E-Auto hat nur eine Reichweite von nur 100 Kilometern. Das reicht laut VCÖ zwar für den Alltag, zumal 80 Prozent der Fahrten maximal 20 Kilometer betragen – allerdings besteht dadurch die Gefahr, dass das E-Auto nicht über den Status eines Zweitfahrzeugs hinaus kommt und für längere Fahrten nach wie vor der Spritschlucker verwendet wird.

E-Tankstellen mit der Technologie von Enio und T-Systems sollen sich nach Vorstellung der Anbieter daher vermehrt an europäischen Autobahnen finden, um auch längere Fahrten zu ermöglichen. Über integrierte SIM-Karten sollen die Ladestellen mitteilen, ob sie aktuell verfügbar sind; in Zukunft können die Elektro-Zapfsäulen per App vorreserviert werden.

Laden in der Lounge

In Österreich ist Smatrics, ein gemeinsames Unternehmen von Verbund und Siemens, bei Elektro-Ladestationen Vorreiter: Laut Website findet sich alle 60 Kilometer österreichweit eine Smatrics-Ladestation, größtenteils entlang der Autobahn. Der Strom wird zu 100 Prozent aus Wasserkraft erzeugt. Das Argument, derartige Strom-Tankstellen würden sich wirtschaftlich nicht rechnen, entkräftet Decker mit den Aussagen eines kleinen deutschen Tankstellenbetreibers: Ihm zufolge käme der Großteil des Tankstellen-Umsatzes nicht durch das Tanken selbst, sondern durch Waschstraßen und Shoppen zustande – und da das Laden des E-Autos länger dauert, erhöht sich die Verweilzeit und somit die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde am Point-of-Sale mehr Geld ausgibt.

Die "ChargeLounge" verspricht eine sinnvolle Nutzung der Ladezeit - etwa für Meetings.

Eine sinnvollere Nutzung der Zeit hat indes das Fraunhofer-Institut im Auge. Mit der „ChargeLounge“ wurde von den Forschern eine mobile Elektroauto-Tankstelle entwickelt, die sich aus verschiedenen Modulen zusammensetzt. Hier können Manager die Ladezeit ihres Autos sinnvoll nutzen, heißt es in einem Werbevideo (siehe oben). Möglich ist etwa, ein Nickerchen einzunehmen, temporär in einem integrierten Mini-Büro zu arbeiten – oder sogar einen Besprechungsraum zu mieten. Integrierte Flatscreens werden an Werbekunden vermietet.

Die schleichende Revolution

So oder so – die Sorge, dass eine übermäßige Verwendung von E-Autos die Netze überlasten könnte, ist derzeit noch unbegründet. Ende März 2014 gab es in Österreich erst 2357 E-Autos; unter drei Millionen in Deutschland verkauften PKW waren nur 8500 Elektrofahrzeuge und 27.500 Hybride.

Beschleunigen könnte sich das Wachstum allerdings durch Vorgaben der Politik: In Österreichs Steuerreform ist etwa vorgesehen, dass für privat genutzte Dienstautos mit einem CO2-Ausstoß über 120g/km der monatlich zu versteuernde Sachbezug von 1,5 auf zwei Prozent steigt – bei Elektroautos entfällt er hingegen ganz.

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