Drone Rescue: Grazer Start-up hebt mit Drohnen-Rettungssystem ab

Ehrgeizig: Markus Manninger (li) und Andreas Ploier wollen mit "Drone Rescue Systems" von Graz aus zu Global Playern werden.

Ehrgeizig: Markus Manninger (li) und Andreas Ploier wollen mit "Drone Rescue Systems" von Graz aus zu Global Playern werden.

Das Grazer Start-up Drone Rescue hat ein Rettungssystem für professionelle Drohnen entwickelt. Sensoren erkennen Notsituationen automatisch und lösen einen Rettungsfallschirm aus, der Drohnen sicher zu Boden bringt. Dafür wurde das Unternehmen nun von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG als "Unternehmen des Monats Dezember 2018" ausgezeichnet.

Dienstag, 22. Dezember 2015, Nachtslalom in Madonna di Campiglio. Der Norweger Henrik Kristoffersen holt souverän den Sieg vor den beiden Österreichern Marcel Hirscher und Marco Schwarz. Ein Ergebnis, das zumindest was die beiden Erstplatzierten betrifft, keine große Überraschung war. "Henrik ist in Ausnahmeform, das muss man neidlos anerkennen. Gegen ihn ist im Moment kein Kraut gewachsen", sagte Hirscher im Anschluss an das Rennen, das wohl längst in Vergessenheit geraten wäre, hätte es nicht im zweiten Durchgang bei der Fahrt von Marcel Hirscher einen Unfall gegeben, der in der Sportwelt bis heute für Kopfschütteln und Diskussionen sorgt.

Hirscher, Österreichs Ski-Superstar fuhr voll konzentriert und auf der Jagd nach der Bestzeit durch den Stangenwald von Madonna, als nur knapp einen Meter hinter ihm eine mit einer TV-Kamera bestückte Drohne auf den Boden prallte und dort zerschellte. Marcel Hirscher kam mit dem Schrecken davon. Nicht auszudenken, was passieren hätte können. "Eine Schweinerei, was passiert ist. Wir hatten ausgemacht, dass er nicht über die Strecke fliegt, sondern über einen Korridor, wo auch kein Publikum ist", sagte der offizielle FIS-Delegierte im Anschluss an das Rennen.

Der Unfall war Öl in das Feuer in der Diskussion rund um die Sicherheit der unbemannten, ferngesteuert fliegenden Drohnen. Und er war auch einer der entscheidenden Anlässe, der die beiden Grazer Markus Manninger und Andreas Ploier zu Unternehmern werden ließen.

Von der Uni in den Chefsessel

"Die Idee startete, als ein Freund von mir gewerbliche Luftbildaufnahmen machte und dabei genau solche Abstürze hatte", erzählt Markus Manninger, der technische Kopf des Unternehmens. Manninger arbeitete zu der Zeit an der Uni Graz im Bereich Sensorik und war privat leidenschaftlicher Gleitschirmflieger. Er musste nur noch eins und eins zusammenzählen, und schon war die Idee für sein eigenes Unternehmen und das passende Produkt fertig: Ein Drohnen-Rettungssystem, bestehend aus einer mit zahlreichen Sensoren ausgestatteten elektronischen Einheit, einem Rettungs-Fallschirmschirm, einem automatischen Auslösesystem und einem Montage-Zylinder.

"Drone Rescue", dass innovative Rettungssystem für Drohnen stammt aus Graz. Dabei handelt es sich um ein Zubauteil für gängige Multikopter das einen Absturz automatisch erkennt und einen Rettungsschirm ausschleudert. Dadurch kommt die Drohne langsam und sicher zu Boden und die Wahrscheinlichkeit für Personen und Materialschaden wird minimiert.

Anhand von Faktoren wie dem Neigungswinkel und der Beschleunigung der Drohne erkennen die Sensoren, ob ein Notfall vorliegt. Sobald der registriert wird wird der Fallschirm automatisch ausgelöst und die Drohne kann so sicher gelandet werden, ohne dass dabei ein Schaden an dem Flugobjekt, an seiner wertvollen Ladung oder - was noch schwerer wiegen würde - an darunter befindlichen Personen entstehen würde. "Wir haben eine sehr gute Erfolgsquote und mittlerweile funktioniert das System zu hundert Prozent", sagt Manninger.

Die Ziele der beiden Jungunternehmer sind hoch gesteckt. "Wir sind überzeugt, dass wir das führende Unternehmen in einem der am stärksten wachsenden Märkte der Welt werden können", sagt Marketing- und Vertriebschef Andreas Ploier selbstbewusst. Die Zertifizierung der Europäischen Weltraumagentur ESA spielt Drone Rescue Systems dabei gut in die Karten.

Ausgeklügeltes Geschäftsmodell

Das Grazer Unternehmen hat aber nicht nur ein ausgeklügeltes Produkt, sondern ein ebensolches Geschäftsmodell vorzuweisen. Obwohl der erste Gedanke vielleicht dagegen spricht orientiert sich Drone Rescue Systems nicht an der Masse der von Privatpersonen geflogenen Drohnen, sondern an den größeren, in der Wirtschaft kommerziell und industriell genutzten Flugobjekten. Der Hintergedanke dabei: Diese Flugobjekte kosten nicht nur selbst schon zehntausende Euro, sie haben auch teures Equipment wie Kameras oder andere Messgeräte an Bord haben oder befördern Pakete in entlegene Gebiete. Wenn eine solche Drohne zum Absturz kommt, dann ist der Sachschaden beträchtlich. Ganz abgesehen von dem potenziellen Personenschaden, der dabei - siehe Marcel Hirscher - potenziell entstehen kann.

Entsprechend sind die Preise für die Produkte und Dienstleistungen angesetzt. Zusätzlich zu dem in drei unterschiedlichen Größen für Drohnen mit einem Eigengewicht bis zu 15 Kilo erhältlichen Rettungssystem, das mehrere tausend Euro kostet, hat Drone Rescue Systems ein Nachbetreuungsprogramm für Kunden entwickelt, das unter anderem die laufende Überprüfung der Systeme, das korrekte Falten eines einmal ausgelösten Fallschirms oder die Daten-Auswertung der im Rettungssystem enthaltenen BlackBox inkludiert.

Und man ist bereits mit den namhaften Drohnen-Herstellern der Welt ins Geschäft gekommen. Das Rettungssystem passt auf sämtliche gängigen Multicopter - Flugobjekte mit mehreren Rotoren - und kann entweder als Nachbausatz oder bei einigen Modellen bereits ab Werk gekauft werden. Co-Geschäftsführer Ploier ist sich sicher, dass das bald Standard sein wird: "Früher oder später wird es eine gesetzliche Regelung geben, dass Drohnen mit einem Rettungssystem ausgestattet sein müssen. Wir haben dafür jetzt schon das passende Produkt."


Drone Rescue Systems wurde von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG im Dezember 2018 zum "Unternehmen des Monats" gewählt. Das Grazer Start-up, das aktuell zehn Mitarbeiter beschäftigt, konnte sich bei der Wahl gegen das ebenfalls in Graz ansässige, auf 3D-Visualisierungen spezialisiterte Unternehmen "Robotic Eyes" und das Animations- und Postproduction-Unternehmen MKFX (Mario Kaufmann FX) durchsetzen.

Die Wahl des "Unternehmens des Monats" wird seit Oktober 2017 durchgeführt. Weitere Informationen zu den Teilnahmebedingungen sowie zu den bisherigen Preisträgern finden Sie auf der Website unternehmen-des-monats.at


Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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