Bisy - Der molekulare Werkzeugmacher

Bisy-Gründer Anton Glieder: Der Neo-Untenehmer zwei seiner Mitarbeiterinnen.

Bisy-Gründer Anton Glieder: Der Neo-Untenehmer zwei seiner Mitarbeiterinnen.

Das oststeirische Start-up Bisy (Biology for Synthesis) startete vor zwei Jahren als universitärer Spin-off und stellt aus Hefezellen und DNA molekulare Werkzeuge vor allem für die Pharma- und chemische Industrie her.

Die Arbeit von Anton Glieder lässt sich selbst mit feinsten Mikroskopen nicht beweisen. Aber sie ist da. Der Universitätsprofessor an der Technischen Universität Graz am Institut für molekulare Biotechnologie beschreibt das so: „Man kann unsere Produkte, die aus Hefe und DNA hergestellt werden, nicht sehen. Für uns ist der Beweis nur indirekt messbar – wie bei einer Verfärbung des Teststreifens bei der pH-Messung“, sagt Glieder.

Die Produkte von denen Glieder spricht, nennt er molekulare Werkzeuge, die die Industrie für ihre Erzeugung benötigt. „Wir helfen anderen Firmen, ihre Produkte zu machen. Dazu haben wir eigene Patente, stellen diese zur Verfügung oder vergeben Lizenzen“, sagt Glieder. Die Kunden kommen vor allem aus der Pharma-, Nahrungsmittel-, Futtermittel- und chemischen Industrie. Auch wenn die Werkzeuge nicht viel wiegen – sie liegen im Mikrogrammbereich (ein Millionstel Gramm) – sind sie schwer im Kommen. Das Start-up steht noch in den Startlöchern, ist aber drauf und dran, am Weltmarkt zu reüssieren.

Toni Glieder hat dafür einiges an Vorarbeit geleistet. Seit 20 Jahren forscht er in diesem Bereich. An der Universität gab es dafür auch Förderungen von der Europäischen Union. Laufen diese Programme aus, dann laufen auch die Forschungsergebnisse Gefahr, vergessen zu werden und in der Schublade zu enden. So wäre es auch der Arbeit von Glieder ergangen. Doch der wollte das partout verhindern, kaufte die Patente von der Universität, die eigentlich von ihm und seinem Team kamen, wieder zurück, machte sich 2014 selbstständig und taufte seine Firma Bisy – Biology for Synthesis.

Der Schritt in das Unternehmertum war für ihn der einzige Weg, um an die Patente zu kommen. „Vorher bin ich nur Gesprächspartner, aber dann auf einmal Einzelunternehmer gewesen. Ich bin nicht mehr der Angestellte, sondern ein potentieller Abnehmer der Patente gewesen. Das hat die Situation gänzlich verändert“, erklärt Glieder seine Entscheidung.

Sicherheit und Risiko

Mit dem Kauf der Patente hatte Glieder auch gleich die Rechtssicherheit in der Tasche. Er konnte über die Patente und die daraus entstandenen Produkte verfügen und diese vermarkten – und vor allem allein und rasch entscheiden. Aufträge für das einstige Spin-off, von TU Graz und Austrian Centre of Industrial Biotechnology (Acib) kamen gleich zu Beginn. Es waren allerdings nur sehr kleine. Auch wenn ein wenig Kapital zurückgeflossen ist, viel war es nicht.

Allmählich wurde das Kapital knapp. Denn Glieder baute sein Unternehmen nur mit seinen Ersparnissen auf. Doch den Glauben an den Erfolg nahmen ihm auch andere ab. Einflussreiche Wissenschaftsjournale bestätigten seine Arbeit und zeigten, dass sie kein unsichtbares „Hirngespinste“ war. Dabei hat er noch nicht einmal ein eigenes Labor – das ist angemietet. Dort findet aber die gesamte experimentelle Forschung statt, in die 100 Prozent seines Unternehmens fließen. Es ist das Herzstück der Firma. Mit Eigenentwicklungen sollen Kunden angelockt werden, die etwas bekommen, das sie woanders nicht kriegen, weil Bisy eben eigene innovative Technologien im Portfolio hat.

Der unternehmerische Alleingang, ohne die Hereinnahme von Investoren, soll beibehalten werden. „Wir sind mit dieser Struktur wesentlich schneller in den Entscheidungen und brauchen uns auch gewagte Vorhaben nicht absegnen lassen“, sagt Glieder. Dabei durchschritt auch er sein „Death Valley“ – eine gewaltige Durststrecke. Er hatte alle Erfolgsingredienzien bei sich, doch der zündende Durchbruch ließ vorerst auf sich warten. Da half ein Zuschuss eines Verwandten, aber es mussten größere Aufträge her. Und die kamen dann.

Busy: Bisy-Chef Anton Glieder bei der Arbeit im Labor.

Busy: Bisy-Chef Anton Glieder bei der Arbeit im Labor.

2016 ist es wirklich losgegangen. Derzeit arbeiten acht bis zwölf Mitarbeiter bei Bisy. Sechs davon sind vollzeitbeschäftigt. Der Frauenanteil (80 Prozent) ist bei ihm besonders hoch, da es das effiziente Förderprogramm „FEMTech“ der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG gibt. Unterstützt werden damit Praktikumsplätze von weiblichen Studierenden in Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen im naturwissenschaftlich-technischen Bereich. Die Praktika sind zeitlich limitiert (ein bis sechs Monate), doch viele bleiben weiterhin dem Unternehmen treu. „Für uns ist das eine perfekte Möglichkeit, Frauen für den High-Tech-Bereich zu interessieren und gewinnen. Ein tolles Programm“, sagt Glieder.

Was steckt aber hinter der Arbeit von Bisy? „Wir stellen Hefezellen her. Und aus diesen gewinnen wir dann spezielle Eiweiße. Insulin ist das bekannteste. Die Eiweiße braucht man etwa für Antiköper in der Krebstherapie. Mit der Hefe stellt Bisy auch einen „Klebstoff“ her. Dass sich Muscheln und Korallen an Steinwänden festhalten können, dafür sind spezielle Proteine verantwortlich. Auch die Fäden der Spinnen bestehen aus Eiweiß. Und solche klebrigen Produkte stellt auch Glieder her. Diese eignen sich, um in der Industrie und Medizintechnik natürliche Verbindungen herzustellen. Und dann verwendet er noch Enzyme (also Proteine) als sogenannte Katalysatoren. Sie beschleunigen gewisse chemische Reaktionen.

Damit sein Unternehmen beschleunigt wachsen kann, hat Glieder ein Grundstück in der Nähe von Gleisdorf gekauft. Dort soll die Firmenzentrale von Bisy hin – mitsamt Labor. Geplant ist der Beginn mit dem Bau noch Ende dieses Jahres, spätestens aber mit Anfang 2019. Derzeit kämpft er aber noch mit bürokratischen Hürden, da für das Areal trotz einstimmigem Gemeinderatsbeschlusses noch keine Umwidmung in Bauland vorliegt.

Unternehmen des Monats

Dem forschungsintensiven Start-up widmen aber andere schon jetzt ihre Aufmerksamkeit. Im August wurde Bisy für die Wahl zu Steiermarks „Unternehmen des Monats“ nominiert und landete bei der Wahl mit 25 Prozent der Stimmen auf dem zweiten Platz. Das wesentlich größere und etablierte Unternehmen Etivera (Verpackungslösungen aus Glas, Papier und Karton) landete bei der Wahl mit 71,8 Prozent auf Platz eins. Den dritten Platz nahm die Klangkulisse (Sounds für Unternehmen) ein.

Die Prämierung zum Unternehmen des Monats wird von der Steirischen Wirtschaftsförderung SFG seit dem Vorjahr durchgeführt. Die Wahl verläuft so: Die auffälligsten Projekte bzw. Unternehmen, die bei der SFG einen Förderantrag stellen, werden von den jeweiligen Sachbearbeitern vorgeschlagen. Aus dieser Menge werden nach einem internen Voting der SFG-Mitarbeiter drei ausgewählt, aus denen dann in einer öffentlichen Stichwahl das Unternehmen des Monats gewählt wird.

Abgewickelt wird das über die Homepage unternehmen-des-monats.at.

Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

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