Analog-Astronaut Gernot Grömer: „Wir testen die Marslandung“

Österreichs erster Analog-Astronaut, Gernot Grömer, über seine Expeditionen zur Vorbereitung einer Marsmission, warum die heimische Politik mehr Mittel in die bemannte Raumfahrt stecken sollte und wie ein Lötkolben das Schulsystem verbessern würde.

Gernot Grömer, "Analog-Astronaut"

Gernot Grömer, "Analog-Astronaut"


Zur Person

Gernot Grömer (44) ist Mitbegründer und Direktor des Österreichischen Weltraumforums (ÖWF) in Innsbruck sowie Leiter der Raumanzugentwicklung. Nach Astronomie-Studium und seiner Doktorarbeit in Astrobiologie leitete Grömer unter anderem mehrere Mars-Analog-Missionen, zuletzt im Sultanat Oman. Das ÖWF betreibt Grundlagenforschung und arbeitet eng mit ESA und NASA zusammen.

Grömer ist einer der Top-Speaker beim 4GAMECHANGERS Festival 2020, das vom 31. März bis zum 3. April in der Wiener Marx-Halle stattfindet. Mit dem trend sprach er über seine Arbeit und den Wert der Weltraumforschung.

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Alle Informationen rund ums Festival finden Sie unter
4gamechangers.io


++ 4GAMECHANGERS VERSCHOBEN ++

Das Digitalfestival "4Gamechangers" mit Stargast George Clooney wird wegen des Coronavirus verschoben. Das Event, das von 31. März bis 3. April stattfinden hätte sollen, wird nun von 8. bis 11. September in der Wiener Marx Halle über die Bühne gehen.

Mitteilung von ProSiebenSat.1 Puls 4: "Aufgrund der derzeitigen Situation rund um den weltweiten Ausbruch des Coronavirus und im Hinblick darauf, dass nicht absehbar ist, ob demnächst behördliche Einschränkungen für Großveranstaltungen erlassen werden, ist es aus unserer Sicht unverantwortlich, an der Durchführbarkeit dieses Programms festzuhalten."

++ 4GAMECHANGERS VERSCHOBEN ++

trend: Sie gelten als erster österreichischer Analog-Astronaut. Was kann man sich darunter vorstellen?
Gernot Grömer: Wir sind Tester, die hier auf der Erde für zukünftige Marsexpeditionen Technologien, Materialien und Arbeitsabläufe testen, und das völlig analog zu den Prozeduren, die auf dem Mars notwendig sein werden. Darum der Name Analogforschung.

Das testen Sie nur im Labor oder auch in marsähnlicher Umgebung?
Sowohl als auch. Zuletzt waren wir 2018 im Sultanat Oman in der Wüste von Dhofar, wo wir eine ganze Raumstation aufgebaut haben, mit Roboterautos unterwegs waren und wissenschaftliche Experimente sowie neuartige Raumfahrttechnologie erprobt haben. Heuer werden wir in der Wüste Negev testen, vor allem auch unsere selbst entwickelten Raumanzug-Simulatoren für die Landung am Mars.

Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete einmal die Zentrale des Österreichischen Weltraumforums in Innsbruck als „Mini-Houston“ …
(lacht) Naja, das ist vielleicht übertrieben, aber das Ambiente unseres Mission Support Centers mit Leuten, die vor ihren Monitoren sitzen und eine Analog-Expedition in Nah­Echtzeit – also mit simulierter Zeitverzögerung für die Funkwellen zwischen Mars und Erde – überwachen, ist schon so ähnlich wie in Houston, wenn auch in geringerem Umfang. Obwohl wir da durchaus mit dem Aufwand und den Räumlichkeiten von ESA und NASA mithalten können, weil alles, was künftige Marsexpeditionen betrifft, gerade erst in den Kinderschuhen steckt. Schließlich ist das Ziel, tatsächlich bemannt zum Mars zu reisen, noch deutlich mehr als ein Jahrzehnt entfernt.


Wir sind gut darin, Dinge kaputtzumachen.

Arbeiten Sie mit ESA und NASA zusammen?
Wir sind mit dem ÖWF auch bei ESA-Projekten engagiert und pflegen einen akademischen Austausch, bei dem uns etwa auch NASA-Mitarbeiter über die Schulter schauen und vice versa. Unser Wissen, das wir hier generieren, fließt also in die Arbeit von NASA und ESA mit ein. Wir sind zwar klein und natürlich nicht so gut dotiert wie etwa eine ESA, aber wir sind schnell und können die etwas wilderen Ideen ausprobieren, frei nach dem Slogan: Fail fast, fail cheap, have a steep learning curve!

Woher beziehen Sie Ihre Forschungsmittel?
Das sind oft Drittmittel von Universitätsinstituten und wir kooperieren viel mit der Industrie, weil Unternehmen gerne Produkte testen wollen, und wir gut darin sind, Dinge kaputtzumachen – also unter kontrollierten Bedingungen die Schwachpunkte herauszufinden.

Von welchen Größenordnungen reden wir bei Ihren Forschungsprojekten?
Wir sind da bei keiner Kostenstruktur, wie sie oft in anderen Industrien üblich sind. Das macht uns auch im Bereich dieser Forschung so attraktiv. Das Projekt im Oman kostete zum Beispiel einen mittleren sechsstelligen Eurobetrag, wobei man sagen muss, dass ein Großteil der Kosten vom jeweiligen Gastland getragen wird.

Warum werden Sie dabei eigentlich nicht von öffentlicher Seite unterstützt?
Das Weltraumengagement in Österreich war immer schon sehr stark industriegetrieben. Die Beiträge, die Österreich in der ESA einbringt, laufen vor allem über Industrieaufträge für verschiedene Raumfahrtprogramme. Und für jeden Euro, den Österreich in die ESA einbezahlt, kommt auch mehr als ein Euro an Umwegrentabilität zurück. Gleichzeitig wissen wir, dass unsere Grundlagenforschung längst auf europäischer und internationaler Ebene angekommen ist, alleine wenn wir uns anschauen, in welchen Gremien unsere Expertise inzwischen gefragt wird. Und das, obwohl Österreich traditionell eher das Schlusslicht ist, was die öffentliche Dotierung dieser Forschung betrifft. Wir erwarten aber in Kürze eine Neuauflage des österreichischen Weltraumplans, der Rahmenstrategie des Technologieministeriums, und hoffen, dass das Thema bemannte Raumfahrt und Analogforschung deutlich mehr Bedeutung bekommt als bisher.


Österreich ist bei der öffentlichen Dotierung dieser Forschung eher Schlusslicht.

Ist es nicht bedenklich, dass Österreich in dem Bereich Schlusslicht ist?
Ich sehe das gar nicht negativ, denn zuerst muss sich etwas in einem Land etablieren, bevor von politischer Seite nachgezogen wird. Und schließlich gibt es ja doch einige positive Bereiche in Österreich, in die Weltraumgelder fließen, zum Beispiel in die Entwicklung und Produktion von Hitzeschutzfolien der RUAG Space, einer Schweizer Firma mit österreichischer Niederlassung, über Kommunikationstools von Frequentis bis zu Magna Steyr mit ihrer Abteilung Weltraumtechnik in Graz, die etwa Treibstoffleitungen für Raketen entwickelt. Da ist also auch öffentliches Interesse dahinter – und dieses wird nun hoffentlich immer größer: Denn wenn ich in einer Schulklasse erzähle, wie es sein könnte, wenn die ersten Menschen auf dem Mars landen und nach Lebensspuren suchen, dann spüre ich ein enormes Interesse der jungen Generation. Das alleine sollte Auftrag genug an die Politik sein, künftig auch die bemannte Raumfahrt zu unterstützen.

Das geht wohl nur Hand in Hand mit einem dafür geeigneten Bildungssystem, das offen ist für Innovation und Forschung …
Absolut! Wenn ich einen Wunsch ans Christkind hätte, dann würde ich mir den Freiraum für jeden Schüler wünschen, den Lebenszyklus eines Forschungsprojektes von Anfang an durchleben zu können. Wir reden jetzt nicht von der Vorwissenschaftlichen Arbeit, sondern davon, mit dem Lötkolben herumzuprobieren, Flüssigkeiten zusammenzumischen und etwas zu bauen, was fliegt. Das wäre auch sicher etwas, wofür die Industrie bereit wäre, ihre Expertise zur Verfügung zu stellen, um junge Leute schon früh für Forschung und Entwicklung zu begeistern. Das käme der Neugierde von jungen Menschen deutlich mehr entgegen, als eine gut formulierte Papierarbeit abliefern zu müssen, und würde gleichzeitig auch dem Facharbeitermangel entgegenwirken und den Innovationsstandort stärken.


Weltraumtechnologien sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Infrastruktur.

… mit neuen Tools, die aus der Weltraumforschung kommen?
Auf jeden Fall. Jeder Österreicher hat mindestens ein Dutzend Mal am Tag mit Dingen zu tun, die auf Weltraumtechnologien beruhen, von der Wettervorhersage angefangen über das Navi bis hin zum Einspritzsystem im Motor seines Autos. Die Weltraum-Infrastruktur ist ein wesentlicher Bestandteil unserer gesellschaftlichen Infrastruktur geworden. Nur müssen wir da auch weiterhin dran bleiben. Und die bemannte Raumfahrt ist genau der Schärfstein, der notwendig ist, um diese Technologien zu verbessern und neue zu erfinden.

Auch welche, um dem drohenden Klimawandel entgegenzuwirken?
Die Erdbeobachtung und Klimaforschung der ESA ist besser als jede andere. Denn um herauszufinden, welche Maßnahmen am effizientesten sind, benötigen wir die besten Forschungsergebnisse. Die Handlungsgrundlage für die Reduktion des Klimawandels liefert also zum Großteil die Raumfahrt.

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