Harte Sounds aus Eisenerz

Harte Sounds aus Eisenerz

In Eisenerz startete 1992 das Musiklabel Napalm Records aus dem Wohnzimmer heraus und ist heute eines der weltweit größten Heavy-Metal-Studios.

Dass sich ein Unternehmen im steirischen Eisenerz einer gewissen Härte verschreibt, ist irgendwie schlüssig. Immerhin war der Bergwerksort einst das Aushängeschild der heimischen Schwermetall-Industrie. Durch die Krise der Eisen- und Stahlindustrie in den 1980er Jahren schrumpfte der Ort: Hier lebten bis zu 13.000 Einwohner, heute ist es gerade ein Viertel davon. Jeder, der nicht bleiben musste, ging. Übrig geblieben sind zahlreiche verlassene und abgewrackte Gebäude. Sie und der Erzberg im Rücken bildeten die ideale Kulisse für ein neues Business im Bereich des Schwermetalls: 1992 gründete Markus Riedler, 44 Jahre, sein Heavy-Metal-Studio namens Napalm Records und ließ sich damit am Hammerplatz nieder.

Seine ersten Platten produzierte er im Wohnzimmer des Großvaters, bei dem er wohnte. Heute ist Napalm Records eines der weltweit größten Metal-Rock-Labels mit Standorten in Berlin und Austin (Texas). Mehr als 600 Alben hat sein Studio produziert, von denen einige schon Kultstatus haben. Im schnellen Takt werden in Riedlers Tonstudio durchschnittlich vier Alben pro Monat produziert. Diese werden dann, ganz im Sinne der hartgesottenen aber äußerst treuen Klientel, in Covers gehüllt, die wie Horror-Comics aussehen. Das lässt gleich erahnen, was einen beim Abspielen erwartet: hammerharte und ohrenbetäubende Sounds. Nicht jedermanns Geschmack. Doch in dieser Nische verkauft der Plattenboss 800.000 Alben jährlich. Der für heuer prognostizierte Umsatz liegt bei 15 Millionen Euro.

Ob ihm das alles gefällt, beantwortet Riedler knapp: „Ich mache das, was meine Kunden wünschen.“ Den Aufbau seines Labels stemmte er mehr oder weniger im Alleingang. Neben vielen anderen internationalen Bands, die so schrullige Namen wie Saltatio Mortis (Totentanz), Grave Digger (Totengräber) oder Monsters Magnet tragen, stehen auch österreichische Musikgruppen wie Russkaja oder The Sorrow bei Napalm Records unter Vertrag. Heute beschäftigt Riedler rund 35 Mitarbeiter und hat sei 2015 einen zweiten Geschäftsführer zur Seite: Thomas Caser. Der 38-Jährige ist seit 2002 bei Napalm Records tätig, und hat sich als Bandmitglied selbst dem Hard-Rock verschrieben, also das Hobby zum Beruf gemacht. Caser ist unter anderem für das Hard-Rockfestival „Metal On The Hill“ in Graz (heuer am 17. und 18. August) verantwortlich.

Markus Riedler träumte auch von einer Musikerkarriere. Als Jugendlicher saß er am Schlagzeug einer Band namens „Molikottle Fuck the Bottle“ – selbstredend im Heavy-Genre. Die Sticks für die Trommeln legte er recht rasch zur Seite. Er widmete sich dem, was ihm eher in die Wiege gelegt wurde: Kohle machen. Schon als Schüler organisierte er Events und importierte Platten, die nicht erhältlich waren, nach Österreich. In den 90er Jahren stieg die Nachfrage nach explosiven Death- und Black-Metal-Bands. Und dieses Geschäft wollte er nicht anderen überlassen und gründete sein eigenes Studio. Anfangs stieß der großgewachsene Musikproduzent auf jede Menge Widerstand: die Polizei untersuchte, was er in seinem Studio treibt, Behörden mokierten sich über die Liedtexte der bei ihm produzierten Alben und die Eltern im Ort waren auch genervt, als ihre Kinder mit den Alben aus Riedlers Metal-Schmiede nach Hause kamen.

Das gehört der Vergangenheit an. Mittlerweile betreibt der Familienvater eines der größten Unternehmen in Eisenerz und selbst die Gemeindevertreter sind stolz auf ihren langhaarigen Gemeindespross. „Zu Beginn hat mich niemand für voll genommen, aber das hat sich geändert. Wobei viele heute noch nicht wissen, was ich eigentlich mache“, sagt Riedler. Mit dem Erfolg ist im Laufe der Zeit eben auch der Zuspruch gestiegen. Der ließ sich im Juni ziemlich deutlich ablesen. Napalm Records wurde da zum „Unternehmen des Monats“ gewählt und stahl dabei den beiden Mitkonkurrenten (Heldeco und Zeta) recht souverän die Show: Das Label erhielt den von der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG) ausgelobten Preis mit 76 Prozent der Stimmen.

Vielen Dank für die inhaltliche Unterstützung an die SFG

Digital

Digitaler Nachlass: Abschied von Profilen, Daten und Konten

Das Ende der Schreckschraube

Innovationen aus der Steiermark

Das Ende der Schreckschraube

Innovationen aus der Steiermark

Das Multi-Shop-Konzept