Warum die digitale Transformation so schwer fällt

Dass die Digitalisierung in den heimischen Unternehmen Einzug hält, ist längst spürbar. Betroffen sind Geschäftsmodelle ebenso wie Kundenschnittstellen, schreibt Rainer Zierhofer, Leiter des Beratungsbereichs IT Management & Transformation bei Horváth & Partners in seinem Gastkommentar.

Thema: Management Commentary
Warum die digitale Transformation so schwer fällt

Ein Drittel aller Unternehmensinvestitionen fließt derzeit in die digitale Transformation – und dennoch bleiben viele Fragen offen – woran happert’s?

Auch wenn die hohen Erwartungen nicht immer erfüllt werden, schreiten die Digitalisierungsbemühungen unaufhaltsam vor. Laut einer aktuellen Horváth & Partners Befragung von 300 Führungskräften wurden im vergangenen Jahr 36 Prozent der verfügbaren Investitionsbudgets für den digitalen Fortschritt aufgebracht, eines von fünf Unternehmen steckte sogar jeden zweiten Euro in die Digitalisierung. Besonders stark engagierten sich Unternehmensführer in der Chemie-, Öl- und Pharmaindustrie sowie in der Autobranche und im Handel.

Für alle Beteiligten ist evident, dass die digitale Transformation einen gewaltigen kulturellen Wandel einleitet und unglaubliche Agilität und Flexibilität erfordert. Dabei zeigt sich, dass sich viele, gerade langjährige Beschäftigte schwer tun, den oft radikalen Veränderungen zu folgen, mit Frustration und Enttäuschungen auf beiden Seiten. Befragt man die Führungskräfte, wird rasch klar, dass es bei Kundenschnittstellen und Digitalkompetenz der Mitarbeiter die größten Defizite gibt. Jeder dritte Manager ist mit dem aktuellen Stand der Digitalisierung unzufrieden.

Gesamtkonzept wichtig

In der Mehrzahl der Konzerne liegen inzwischen harte Zahlen vor: Sieben von zehn Unternehmen messen den Nutzen der digitalen Transformation anhand von Kennzahlen, die eine betriebswirtschaftliche Bewertung ermöglichen. Zuletzt registrierten die Unternehmen vor allem Verbesserungen bei Prozesszeiten und Produkt- sowie Servicequalität. Weniger spürbar sind jedoch die Auswirkungen auf Neukundengewinnung, Margen oder gar Umsätze.

Warum das so ist, geht aus der Befragung auch hervor. Viele Firmen fokussieren sich noch zu stark auf einzelne Digitalisierungsaspekte und übersehen den Gesamtzusammenhang. Jedes zweite Unternehmen beschränkt sich bei seinen Digitalisierungsbemühungen auf die Bereiche mit der größten Hebelwirkung. Nur ein Drittel aller Unternehmen verfolgt ein Gesamtkonzept.

Alte Zöpfe abschneiden

Damit die digitale Transformation aber erfolgreich wird, müssen Führungskräfte alle Hebel gleichermaßen im Blick behalten. Das erfordert Mut und strategischen Weitblick ebenso wie Risikofreudigkeit und die Bereitschaft, alte Zöpfe abzuschneiden. Wer eine funktionierende Digitalisierungsstrategie entwickeln will, die alle Bereiche umfasst, kann mitunter auch völlig neue Erkenntnisse für sein Geschäftsmodell und seine Kundenansprache gewinnen.

Fazit: Wenn die digitale Transformation im Unternehmen gelingen soll, braucht es Zeit für die umfassende strategische Planung und Change Management, um die Belegschaft miteinzubeziehen. Führungskräfte sollten sich klar darüber sein, dass der Erfolg von klaren Zielvorstellungen und professioneller Kommunikation abhängt. Ein gut abgestimmtes Gesamtkonzept, das schrittweise mit der nötigen Stringenz umgesetzt wird, hilft dabei, alle Beteiligten an Bord zu bringen.


Über den Autor

Rainer M. Zierhofer ist Partner bei Horváth & Partners und Leiter des Beratungsbereichs IT Management & Transformation.
E-Mail: rzierhofer <AT> horváth-partners.com

Für die Studie "Digital Value 2019: Von digitalen Einzelprojekten zur ganzheitlichen Transformation" wurden im Auftrag von Horváth & Partners 300 Entscheider aus Unternehmen ab 500 Mitarbeitern oder mit einem Jahresumsatz von mindestens 250 Millionen Euro befragt. => Weitere Informationen zur Studie [Download].


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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