5G-Wunschzettel der Mobilfunker

5G-Wunschzettel der Mobilfunker

Mit der neuen Mobilfungeneration 5G wird die Zahl der Handymasten und Antennen massiv ansteigen. Die Mobilfunker hoffen auf die Großzügigkeit der Öffentlichen Hand.

Nach der teuren Frequenzvergabe für die 4. Mobilfunkgeneration (4G/LTE) im Jahr 2013, soll bei 5G nun alles anders, billiger und besser werden. Die Mobilfunker und IT-Industrie haben ihren ersten Wunschzettel präsentiert. Sie erwarten neue Standorte von Bund, Länder und Gemeinden, die gratis genutzt werden können. Die 5. Mobilfunkgeneration (5G) könnte als eine Art "Digitale Wunderwaffe" viel Breitband, neue Jobs und viel Cash bringen.

Wien. Das Pokern um die 5. Mobilfunkgeneration (5G) wirft seine Schatten voraus. Noch vereint haben die drei Mobilfunker A1, T-Mobile und Drei Austria sowie die IT-Industrie ihren ersten Wunschzettel an die Regierung deponiert. Und sie haben es eilig. Denn die aktuell aufkeimenden Anzeichen für Neuwahlen, könnten die kürzlich im "Plan A" von Bundeskanzler Christian Kern und (SPÖ) sowie der von Muna-Duzdar (SPÖ) und Harald Mahrer (ÖVP) präsentierten Digital Roadmap das Thema auf unbestimmte Zeit verzögern.

Österreich sei ohnehin schon beim Thema 5G in der Warteschleife. "Große Länder wie Deutschland sind bereits mit 5G-Tests an uns vorbeigezogen. Österreich ist da noch im Rückstand", warnt T-Mobile-Austria CEO Andreas Bierwirth.

Kleinere Länder wie Schweden, Dänemark, Litauen oder die Niederlande und vor allem die führende "5G-Nation" Südkorea hätten bereits jetzt die Wichtigkeit von 5G erkannt. Und dennoch streuen die Mobilfunker der aktuellen Regierung noch Rosen, die die Bedeutung des Themas "wie keine der vorigen Regierungen erkannt" habe.

Das Gift der Neuwahl

Die Netzbetreiber wollen nun mit einer "Task Force" aufs Tempo drücken, um in einem gemeinsamen Forderungskatalog ihre Wünsche bei der Regierung zu deponieren. Dabei soll ein Kriterienkatalog zur gerechten Verteilung der Funkfrequenzen, Regulierung, Förderung und dem Netzausbau erarbeitet werden.

Gefahren sehen die Netzbetreiber bei den aktuellen Neuwahlgerüchten. "Wir wollen das Thema keinesfalls in einem Wahlkampf haben", warnt Bierwirth. Dadurch könnte es zu einer Verschiebung der Digital Roadmap kommen. Schließlich geht es bei 5G um einen Rohstoff um der Zukunft für Startups, Technologie getriebene Unternehmen und somit um Jobs sowie um Themen wie Autonomes Fahren, die alle Österreicher in den nächsten 20 Jahren betreffen.

Unterlegt wird das freilich mit einer Studie. "5G leistet einen zusätzlichen Beitrag zum Bruttosozialprodukt in der Höhe von vier Milliarden Euro pro Jahr und schafft 35.000 neue Arbeitsplätze", sagt A1 Telekom Austria-CEO Margarete Schramböck. Dies würde eine Steigerung des Wirtschaftswachstums von einem Prozent bedeuten. 5G sei sogar die Basis für eine wachsende Volkswirtschaft.

Dank schnellerer Bandbreiten, soll auch das Thema "Autonomes Fahren", Sicherheits- oder Gesundheitsthemen forciert werden. "In 20 Jahren werden die Leute nicht mehr selbst Autofahren", glaubt T-Mobile-Chef Bierwirth. 5G könnte dabei einen wesentlichen Beitrag steuern. Dank Breitband sollen OPs aus der Ferne ermöglichen.

Laut dem sogenannten "Readines-Index" des Beratungsunternehmens Arthur D. Little liegt Österreich bei 5G auf Rang 24. Hier hat die Alpenrepublik gegenüber früheren Jahren tatsächlich massiv verloren. Galt Österreich in den vergangenen Jahren über die Grenzen hinaus als ein Musterland für Mobilfunk. Beim Ausbau von der 3G-Technologien und entsprechender Updates war Österreich stets auf den vorderen Rängen und hatte die Kleinheit des Landes als Vorteil genutzt. auch was die Preisschlachten mit sinkenden Preisen anbetrifft war Österreich lange vorne gelegen. Erst durch die Schrumpfung von vier auf drei Netzbetreiber hatte das Pegel zwischenzeitlich genau in die andere Richtung ausgeschlagen.

Viele Kooperationen

Zu schaffen sei das allerdings nur mit einem Schulterschluss, mit Bund, Länder und Gemeinden und öffentlichen Einrichtungen. "Wir werden dabei Kooperationen brauchen", sagt Drei-CEO Trionow im Gespräch mit trend.at. Die Mobilfunker erwarten von der Politik weitgehende Erleichterungen. Bei bisherigen Frequenzzuteilungen wurden die Netzbetreiber verpflichtet, jeder für sich ein eigenes Netz zu bauen. Dies soll nun der Vergangenheit angehören. "Das Beispiel der Kooperation der Mobilfunker mit der ÖBB zeigt, wie das Infrastrukturthema gelöst werden kann."

"Wir werden das nicht alleine stemmen können", sagt Trionow. Denn der 5G-Ausbau bedeutet eine Vervierfachung der Infrastruktur, was bei sinkenden Umsätzen der Branche eine besondere Kraftanstrengung wäre. Bei der Vergabe, Kooperationen und Genehmigungsverfahren erwarten sich die Netzbetreiber Erleichterungen. Aber auch bei der Vergabe von Fördergelder erwartet der Drei-Chef eine Änderung: "Es gibt viele Fördergelder, die gar nicht abgerufen werden. Da kann man einiges anders machen." Als Beispiel nannte Trionow etwa die "Leerrohrvergütüng".

Im Gegensatz zu den bisherigen Frequenzvergaben per Auktion könnte es für die Mobilfunker weit billiger werden. Statt der Frequenzauktion könnten "Qualitätsvorgaben" bei der Vergabe der Frequenzen als Bewertungsmaßstab herangezogen werden, meint Drei-Chef Trionow. Außerdem hoffen die Mobilfunk auf weitere Breitbandförderungen. 300 Millionen Euro wurden heuer bereits vergeben. Weitere 50 Millionen sollen heuer noch nachfolgen. Weitere Förderungen aus der Breitbandmilliarde sollen künftig nicht in die Förderungen am Land fließen, sondern für den 5G-Netzausbau ausbezahlt werden.

Im Frühjahr 2018 soll nach Angaben des Telekom-Regulators Johannes Gungl das Frequenzspektrum für 5G an die Mobilfunker vergeben werden. Der flächendeckende Ausbau wird aber noch auf sich warten lassen. Bis 2020 sollen laut A1-Chefin Schramböck zunächst alle Landeshauptstädte mit 5G versorgt werden. Angestrebt sei aber eine Vollversorgung Österreichs. Im Jahr 2022 soll 5G in ganz Österreich genutzt werden.

Zur Erinnerung: 2013 hatte die Republik Österreich die Funkfrequenzen für insgesamt zwei Milliarden Euro versteigert - dem vierfachen über dem Rufpreis. Im Rahmen der Breitbandmilliarde soll die Hälfte wieder in Häppchen zurückfließen. Die damals teuer bezahlten Frequenzen wollen sich die Netzbetreiber bei 5G nun ersparen.

Der Zündstoff im Handymasten

Mit Spannung darf bereits damit gerechnet, wie die Öffentlichkeit auf den Ausbau der Handymasten reagieren will. 5G bedeutet auch einen massiven Ausbau der Mobilfunknetze mit Handymasten und Antennen. Etwa das Vierfache der derzeitigen Anzahl der Mobilfunkantenne weder benötigt. "Die neuen Antennen sind aber viel kleiner als die alten Handyantennen", meint Trionow. Die Mobilfunker wollen dabei die öffentliche Hand in die Pflicht nehmen. Vor allem bei den Mietpreisen wollen die Netzbetreiber neu verhandeln.

Auch bei den Mietpreisen für Mobilfunkstandorte wollen die Netzbetreiber mit der öffentlichen Hand neu verhandeln. "Mit dem bisherigen Regime wird es nicht gehen, wir wollen öffentliche Infrastruktur am besten gratis oder gegen geringe Kosten nutzen", sagt Drei-CEO Trionow.

Mit Spannung darf man dabei nach Niederösterreich oder Salzburg blicken, wo es in den vergangenen Jahren stets massive Bedenken gegen den Netzausbau der Mobilfunker gegeben hat. Die Beschwerden reichten von gesundheitlichen Beeinträchtigungen bis hin zum Vorwurf der Verschandelungen der Landschaft.

Als legendär gilt bis heute noch der Streit zwischen den Mobilfunkern und Niederösterreichs Ex-Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP), der sich gegen den 3G-Ausbau stemmte. Im Jahr 2004 hatte der Zwist begonnen und bis Ende 2005 die Mobilfunker bis hin zur EU beschäftigt. Pröll hatte offen mit einer "Handymastensteuer" gedroht hat. Er hatte den 3G-Netzausbau in seinem Bundesland zunächst blockiert und wollte mit seiner Blockade bis nach Brüssel ziehen. Was der niederösterreichische Landesführer geradezu ignoriert hatte: Die Ausschreibungsbedingungen sahen per Gesetz vor, dass die Netzbetreiber jeder für sich eine Mobilfunknetz und somit gewissen Regulierungsvorgaben zu erfüllen hatte. Kritische Fragen zum Thema an die Adresse Pröll waren damals nicht erwünscht.

Erst ein "Handymastengipfel" hatte den laut Pröll drohenden Wildwuchs an Handymasten eingebremst. Im Herbst 2005 wurde die Machtprobe für beendet erklärt. Niederösterreichs Landeshauptmann einigte sich mit den Netzbetreibern. Unter medienwirksamen Tamtam wurde der Abbau von Handymasten in Prölls Bundesland zelebriert.

Kommentar
Peter Schentler, Principal Horváth & Partners Österreich

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