WU Wien bekommt Millionen für die Blockchain

WU Wien bekommt Millionen für die Blockchain

Mit dem neu gegründeten Austrian Blockchain Center (ABC) soll die Forschung zur Blockchain-Technologie einen kräftigen Schub bekommen. Das an der WU Wien neu gegründete K1-Zentrum ABC bekommt 20 Millionen Euro Förderung. Die Zahl der Forscher wird in den kommenden vier Jahren kräftig aufgestockt.

Die Wirtschaftsuniversität Wien (WU) entwickelt sich allmählich zur "Blockchain-Universität" Europas oder sogar der Welt. Die Blockchain-Technologie gilt als eines der Top-Themen der Zukunft. Nachdem im Vorjahr 500.000 Euro in die Forschung rund um die Blockchain-Technologie geflossen sind, bekommt die WU Wien nun eine weitere, vor allem viel kräftigere Finanzspritze.

Das eigens dafür gegründete K1-Zentrum ABC bekommt für die ersten vier Jahre 20 Millionen Euro. "Im ersten Jahr werden 20 ForscherInnen am Center arbeiten, im 4. Jahr sind es dann 60", sagt WU Professor Alfred Taudes trend.at. Die Finanzierung beginnt per 1. April 2019 und erfolgt synchron zur Akquisition der Projekte von den Firmenpartnern. Taudes wird die wissenschaftliche Leitung und Koordination des neuen COMET-Forschungszentrums übernehmen. Der Blockchain-Experte leitet an der WU bereits das Forschungsinstitut für Kryptoökonomie und ist Leiter vom Department of Informations Systems and Operations Institute for Production Management.

Die Blockchain ist eine Vielzahl von Kette von digitalen Datenblöcken, die auf vielen dezentralen Rechner gespeichert sind. Auf jedem dieser Rechner werden die Datenketten gespeichert. Diese Datenketten sind auf diesen Rechnern gespeichert und wieder immer wieder erweitert. Will jemand diese Datenketten unberechtigt herausziehen, würde er dies nicht schaffen, er würde aus dem System ausgeschlossen werden. Das Blockchain-System ist somit eine Art Buchhaltungssystem, das stetig wächst. Mit der Blockchain verspricht man sich schnellere, direkte und sichere Abläufe über das digitale Netz. Der Warenkreislauf sowie der Geldkreislauf werden somit digital gesteuert.

Die ABC-Kette

Das an der WU Wien angesiedelte ABC wird künftig 21 wissenschaftliche Einrichtungen, 54 Unternehmen und 17 assoziierte Mitwirkende koordinieren. Mit an Bord sind zudem 16 internationale Einrichtungen und Unternehmen, deren Aktivitäten zur Erforschung des Blockchain-Know-hows via ABC gebündelt und koordiniert wird. In Wien entsteht mit dem ABC laut Krypto-Experte Taudes das "weltweit größte Blockchain-Kompetenzzentrum".

Neben der WU Wien haben gleichzeitig auch die Universität Linz (CHASE - Chemical Systems Engineering/Chemischen Produktionstechnologien) und die Medizinische Universität Innsbruck (VASCage-C/ u.a. Forschung zur Gefäßgesundheit) gleichzeitig im Rahmen des COMET-Programms Forschungsmillionen für eigene K1-Zentren erhalten.

Insgesamt stellt die öffentliche Hand für die drei neu gegründeten K1-Zentren 26 Millionen Euro zur Verfügung. Mit Industriepartnern (25 Mio. Euro) und wissenschaftlichen Partnern (3 Euro) kommen die drei Komet-Zentren auf ein Forschungsvolumen von insgesamt 54 Millionen Euro. Das Geld für die Forschung kommt aus den Töpfen von Wirtschaft- und Infrastrukturministerium ( 17 Millionen Euro), den Bundesländern (9 Millionen Euro), Unternehmen (25 Millionen Euro) und wissenschaftlichen Partnern (3 Millionen).

Eine große Chance, der Anschluss

Blockchain gilt als eine Art "Alleskönner-Technologie" der Zukunft, über die Geschäfte aller Art in unterschiedlichen Branchen künftig vor allem sicher, schneller, direkter, einfacher und kostengünstiger abgewickelt werden sollen.

Alfred Taudes, wissenschaftlicher Leiter des Forschungsinstituts Kryptoökonomie der WU und langjähriger Vortragender der WU Executive Academy

WU-Professor Alfred Taudes: "Das ABC ist für Österreich eine große Chance, um den Anschluss an die Hightech-Giganten in den USA und Asien nicht zu verlieren."

Österreich zählt zu jenen Ländern, in denen bereits sehr frühzeitig Blockchain-Know-how aufgebaut wurde. "Das ABC ist für Österreich eine große Chance, um auf diesem zukunftsträchtigen Gebiet den Anschluss an die Hightech-Giganten in den USA und Asien nicht zu verlieren", sagt ABC-Chef Taudes.

Wichtig sei, dass die ABC-Partner aus vielen unterschiedlichen Disziplinen zusammenarbeiten. "Die umfassende Untersuchung und Nutzung der Blockchain-Technologie kann nur durch einen interdisziplinären Ansatz gelingen", betont ABC-Chef und WU-Professor Taudes.


Die Blockchain - Wofür?

Viele Blockchain-basierte Anwendungen und Geschäftsmodelle sind durch die Zusammenarbeit etablierter Akteurinnen und Akteure, innovativer Start-ups und führender Forschungs- und Entwicklungsinstitutionen bereits entstanden, betont WU-Professor und Kryptoökonomie-Experte Alfred Taudes.

Im öffentlichen, staatlich/halbstaatlichen Sektor kommt die Blockchain-Technologie bereits zum Einsatz. Ebenso im Energiesektor bei der Auktionen im Beschaffungsbereich und Peer-to-Peer Energiemärkten. In der Industrie werden bereits bei der Nachverfolgung von Gütern entlang der Lieferkette entsprechende Anwendungen eingesetzt.

Vor allem im Finanzwesen wurde bereits ein richtiger Hype entbrannt. Als Vorzeigebeispiele werden dabei die Verbesserung der Kundenidentifikation und damit der diesbezüglichen Compliance von Banken und Versicherungen genannt. Die wiederholte Vorlage derselben Dokumente soll somit ersetzt werden, in dem die Daten in der sogenannten Blockchain gespeichert werden. In der Blockchain werden dabei die Einträge auf bereits überprüfte Daten der Kundenidentifikation gespeichert. Finanzdienstleister können somit ohne weiteren Überprüfungsaufwand dies Daten immer wieder verwenden.

Die Liste der Einsatzmöglichkeiten scheint endlos: Weitere Einsatzgebiete gibt es in der Buchführung und Prüfung von Unternehmen, bei der Etablierung betrugsresistenter Steuererhebungsverfahren, der Gestaltung und Adaptierung von Compliance-Systemen. Vor allem auch beider Abwicklung grenzüberschreitender Kapitalmarkttransaktionen samt deren dinglicher Absicherung durch besitzlose Pfandrechte erhoffen sich die Proponenten deutlicher Vereinfachungen. Geht es nach den Blockchain-Befürwortern steht der Einführung von digitalem Zentralbankgeld nichts mehr im Wege. Blockchain-Technologie soll dank entsprechender Servertechnologie und sicherer Vernetzung und Absicherung der Rechner die unternehmensübergreifende Verwaltung von Messdaten oder die Mensch-Maschine-Interaktion sowie die Maschine-zu-Maschine-Kommunikation in der Industrie 4.0 ermöglichen.

Vor allem zählen im Rahmen der Forschung sicherheitsrelevante und rechtlichen Bereiche zu den Top-Themen.

Die Blockchain-Technologie hat durch den Bitcoin-Hype mit dem Transfer und der Produktion von digitalem Geld geradezu eine Goldgräberstimmung erzeugt. Mit dem massiven Wertverfall von Bitcoin und weiteren gut 250 digitalen Währungen ist aber wieder mehr Realismus eingekehrt. Ein Hauptkritikpunkt ist zudem der massive Energieverbrauch, der infolge der Nutzung von Blockchain und Bitcoin anfällt.

In allen Branchen soll das Blockchain-Konzept die Netzwerke zwischen den handelnden Personen, Unternehmen und Organisation neu abbilden. Und vor allem: Die Blockchain soll Milliarden einsparen.

Doch gibt es derzeit auch noch viele Kritikpunkte. Auf Unternehmensseite hat man in vielen Branchen den Segen der Blockchain noch nicht voll erkannt. Die Hauptfrage lautet: Wo ist das Businessmodell, in welchem Bereich kann die Blockchain Bestehendes ersetzen. Und vor allem: Wo können Kosten reduziert werden?


Die fünf Forschungsbereiche

Das ABC wird auch künftig mit den bereits bestehenden COMET-Zentren CDP, SBA Research sowie internationalen Blockchain-Initiativen eng zusammenarbeiten.

Die Forschungs- und Entwicklungsthemen werden in fünf Forschungsbereiche gebündelt und beschäftigen sich mit wirtschaftlichen, technologischen, anwendungsbezogenen sowie politischen und rechtlichen Fragestellungen

  1. Cryptography, Technology & Security Koordination SBA Research
  2. Cryptoeconomic Modelling & Blockchain Applications for Business Koordination WU Wien
  3. Emerging Industries & Blockchains in Manufacturing Koordination FH St. Pölten
  4. Data Science Methods for Blockchain Analytics & Predictions Koordination AIT und RIAT
  5. Legal and Political Implications Koordination WU Wien

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