Wie Risk Reporting mit der Blockchain funktioniert

Blockchain kann beim Risikomanagement als Werkzeug für die Gefahrenabwehr wichtige Dienste leisten. Stefan Bultmann, Senior Consultant von Horváth & Partners, beschreibt in seinem Gastkommentar was die Blockchain leisten kann.

Thema: Management Commentary
Wie Risk Reporting mit der Blockchain funktioniert

Stefan Bultmann, Senior Consultant von Horváth & Partners

Dieselskandal, explodierende Airbags oder Bestechungsgelder für Politiker und zuletzt die dramatische Corona-Entwicklung haben gezeigt, wie sensibel die Öffentlichkeit auf betrügerische Aktivitäten oder gesundheitsgefährdende Ereignisse reagiert. Doch wie bereitet man sich auf vermeidbare wie unvermeidbare Ereignisse vor?

Große Industrieunternehmen stehen aufgrund ihrer Komplexität vor besonderen Herausforderungen, wenn es um Risikoabwägung und Risikovermeidung geht. Die vielfältigen Gefahren sind schier unüberschaubar, vorhandene Daten oft schlecht verfügbar, geschweige denn dokumentiert und aggregiert. Da die Zusammenarbeit mit Lieferanten, Wettbewerbern und externen Partnern künftig aber noch komplexer und aufwändiger wird, müssen die vielen unterschiedlichen, organisatorischen und verfahrenstechnischen Schnittstellen angemessen verarbeitet werden.

Besonders betroffen sind die großen Automobilkonzerne, die immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit stehen. Die Risikoberichterstattung spielt hier eine Schlüsselrolle im Risikomanagement, wirft aber auch ziemlich heikle Aspekte auf. Wer ist für die Erstellung von konzernweiten Risikoberichten zuständig?

Können die umfangreichen Datenerfassungs- und Verarbeitungsprozesse automatisiert werden, um den Aufwand zu reduzieren? Wie reduziert man das Risiko der Datenmanipulation bei so vielen beteiligten Abteilungen und externen Akteuren?

Das Problem dabei ist: In der Regel haben die einzelnen Unternehmensbereiche oder externen Akteure kaum eine intrinsische Motivation, die erforderlichen sensiblen Daten und Kennzahlen offenzulegen. Zudem muss die Datensicherheit gewährleistet sein, damit die benötigten Daten überhaupt bereitgestellt werden. Hier kommt die Blockchain-Technologie zum Zug, die solche Fragen bewältigen kann.

Manipulationssichere Datentransfers

Die Blockchain ermöglicht die dezentrale und verteilte Speicherung von Daten und Transaktionen im Kettenformat. Dies erhöht die Zuverlässigkeit der Verfügbarkeit und verringert das Risiko eines Datenverlusts bei Ausfällen.

Sollen Daten gelöscht oder Transaktionen ausgeführt werden, muss dies für alle an einem Konsortium Beteiligten sichtbar bestätigt werden. Ist der Konsens erreicht, werden sie mit einer Hash-Funktion verschlüsselt, wodurch sie auch manipulationssicher werden.

Blockchains für jedes Einsatzfeld

Je nach Einsatzfeld unterscheidet man zwischen öffentlichen Blockchains (wie z.B. Bitcoin), Konsortialblockchains (für limitierte Gruppen) und privaten Blockchains (mit nur einer Person oder Firma zur Konsensbildung). Für alle gilt: Neben den großen Vorteilen – dezentral, manipulationssicher und transparent – bietet jede Blockchain die Möglichkeit individueller Zugriffskontrollen. Sie kann so auch die Anforderungen zum Schutz verworfener Daten vor unbefugtem Zugriff durch Dritte abdecken.

Die wichtigsten Vorteile:

  • Risikodaten können in der Blockchain über Abteilungen und Unternehmensgrenzen hinweg ohne eine zentrale IT-Infrastruktur und ohne zentral verantwortliche Person erfasst werden. Lokale Risikodatenbanken oder -strukturen können integriert werden.
  • Aggregation und Analyse der dezentral gespeicherten Risikodaten können automatisch in der Blockchain unter Verwendung geeigneter Analyseverfahren (z.B. automatisierte Berechnung definierter Schlüsselrisikoindikatoren) durchgeführt und in vordefinierte Risikoberichte übertragen werden.
  • Risikodaten, die über mehrere Schnittstellen hinweg kommuniziert oder aggregiert werden, können bis zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden. Abhängigkeiten zwischen Risikodaten und Kennzahlen können so transparent identifiziert und Änderungen verfolgt werden.
  • In der Blockchain gespeicherte Risikodaten werden durch Hash-Funktionen verschlüsselt und können anschließend nicht mehr bearbeitet werden. Die offizielle Änderung bestehender Risikodaten oder die Speicherung neuer Risikodaten muss durch Konsens des definierten Konsortiums bestätigt werden.
  • Ein definiertes Zugriffsmanagement schützt die in der Blockchain gespeicherten sensiblen Risikodaten vor dem Zugriff durch Außenstehende. Einzelne Teilnehmer können auch eingeschränkten Zugriff auf die Daten anderer Personen oder Unternehmen bekommen.

Technische Einschränkungen

  • Blockchains sind derzeit nicht willkürlich skalierbar, d.h. sowohl die Anzahl der möglichen Teilnehmer als auch die Anzahl der durchgeführten Transaktionen ist unter Effizienzgesichtspunkten begrenzt.
  • Jeder Teilnehmer muss die Blockchain in seine vorhandene IT-Landschaft integrieren. Für die technische Integration müssen je nach Bedarf individuelle Ansätze pro Teilnehmer entwickelt werden, die auch organisatorisch von einem geeigneten Change Management zu begleiten sind.

Fazit: Trotz der heute noch bestehenden technischen Einschränkungen sind Blockchains ideal geeignet für die Risikoberichterstattung in großen Unternehmen und kollaborativen Netzwerken. Die manipulationssichere und transparente Speicherung von Risikodaten gewährleistet nicht nur deren Integrität, sondern verringert auch das Risiko von Datenschutzverletzungen.

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Über den Autor

Stefan Bultmann ist Senior Consultant der Managementberatung Horváth & Partners im Competence Center Automotive.
E-Mail: sbultmann <AT> horvath-partners.com


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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