Thomas Arnoldner: "Der digitale Weg in eine nachhaltige Zukunft"

Was die Impfung für unsere Gesundheit ist, ist die Digitalisierung für eine erfolgreiche Wirtschaft: ein Ausblick, was in den nächsten Jahren bewegen wird.

Thomas Arnoldner: "Der digitale Weg in eine nachhaltige Zukunft"

Thomas Arnoldner - CEO der A1 Telekom Austria Group

Die Covid-19 Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen haben für unsere Gesellschaft und uns individuell harte Einschnitte mit sich gebracht. Doch wagen Sie ein kleines Gedankenexperiment und versetzen Sie sich in die Zeit vor 20 oder 30 Jahren zurück. Welche Folgen hätte ein Lockdown damals nach sich gezogen?

Ohne Homeoffice, Distance-Learning, Onlinebestellungen, Videokonferenzen mit Geschäftspartnern und Verwandten und vielem anderen mehr? Glücklicherweise ist uns dieses Szenario erspart geblieben.

Durch die fortschreitende Digitalisierung konnten wir vielfach unterbrechungsfrei weiterarbeiten, die Kinder konnten weiter unterrichtet werden, und wir alle sind durch digitale Kommunikation mit unseren Liebsten in Verbindung geblieben.

Unternehmen weltweit haben ein digitales Trainingslager durchlaufen. Nahezu alle Branchen waren mit einem bis dahin nicht erwarteten Digitalisierungsschub konfrontiert. Was die Impfung für unsere Gesundheit ist, ist die Digitalisierung für eine erfolgreiche Wirtschaft -wer hier investiert, ist nicht nur besser auf Krisen vorbereitet, sondern kommt aus herausfordernden Situationen auch besser und schneller wieder hinaus. Daher setzen sich Unternehmen jeder Größe vom internationalen Industriebetrieb bis hin zum KMU, aber auch Gemeinden, Schulen und Gesundheitsorganisationen heute intensiver als je zuvor mit den Möglichkeiten, aber auch den Herausforderungen neuer Technologien auseinander. Entscheidend für alle Beteiligten ist es, die richtigen Lerneffekte aus dieser Zeit in das New Normal mitzunehmen.

Für die österreichische Wirtschaft sind Investitionen in die Digitalisierung ein wesentlicher Impuls und Multiplikator in zahlreichen Dimensionen. Sie sichern Arbeitsplätze, beleben die Innovationskraft und schaffen langfristig Vorteile im globalen Wettbewerb. Unternehmen, Gemeinden und Organisationen haben gerade in den vergangenen herausfordernden Jahren Verantwortung übernommen und bedeutende Schritte bei der Digitalisierung gesetzt.

Der fortschreitende Ausbau der digitalen Infrastruktur insbesondere im ländlichen Raum verbindet die lokale Wertschöpfung mit globalen Wirtschaftsräumen und ermöglicht ortsunabhängiges Leben und Arbeiten.

Willkommen im Internet der Dinge

Wenn wir von Digitalisierung reden, meinen wir schon lange nicht mehr alleine die Verbindung von Mensch zu Mensch. Das Internet of Things -die Vernetzung von Maschine zu Maschine -bietet immense Möglichkeiten für Unternehmen, Effizienzvorteile zu realisieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Die weltweite Vernetzung von Milliarden von Sensoren, Maschinen und Geräten erlaubt es auch kleinen und mittelständischen Unternehmen, am globalen Markt mit ihren Innovationen zu reüssieren. Denn IoT hat in nahezu allen Branchen Einzug gehalten, ob in der Landwirtschaft, im Handel, in der Industrie oder in der Logistik.

Die Analysen der durch die Kommunikation von Maschinen gewonnenen Daten liefert uns einen enormen Mehrwert: Analytics, basierend auf künstlicher Intelligenz und Machine-Learning-Modellen, unterstützen Betriebe dabei, Geschäftsentscheidungen basierend auf Daten zu treffen. Mehr noch, sie schaffen die Grundlage ganz neuer Geschäftsmodelle. IoT ermöglicht effiziente Lieferketten und dadurch maximal optimierten Ressourceneinsatz.

Intelligente Fabriken und Smart Retail

So gelingt es beispielsweise der Fertigungsbranche, durch die intelligente Vernetzung von Komponenten effizient zu produzieren. Dabei nutzen Betriebe die Möglichkeiten von IoT, um Fertigungsstrecken zu intelligenten Fabriken zu transformieren, in denen die Produktion vernetzt wird und alles mit allem kommuniziert. Mittels Track and Trace kann der Aufenthaltsort von Waren kontinuierlich abgefragt und die Lieferkette laufend im Blick behalten werden.

Auch die Instandhaltung der eigenen Produktionsstätten lässt sich mit Hilfe der Digitalisierung effizienter gestalten: Maschinen erkennen selbstständig, wann eine Wartung fällig ist, und reduzieren dadurch Aufwände, indem reibungslose Fertigung garantiert wird.

Der Handel nutzt die Vorteile der Digitalisierung, um einzigartige und personalisierte Kundenerlebnisse zu ermöglichen. Mittels anonymisierter Mobilfunkdaten können die Besucherströme analysiert werden, um bestmöglich auf die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden eingehen zu können. Somit wird das Sortiment zielgruppengerecht präsentiert, was den Umsatz erhöht, aber auch den Logistikaufwand reduziert. Dadurch sorgt die Anwendung von digitalen Tools für zufriedene Kundinnen und den nachhaltigen Einsatz von Ressourcen im Sinne unseres Planeten.

Gesellschaftliche Chancen und Herausforderungen

Für Gemeinden und Städte bietet die Digitalisierung Chancen, um Mehrwert und Lebensqualität für die Bevölkerung zu schaffen. Offene und gemeinsam genutzte Plattformen im Sinne der Sharing Economy ermöglichen attraktive Angebote zum Beispiel im Bereich der Mobilität und erreichen mittlerweile auch Kommunen abseits der großen Ballungsräume und stärken damit die Regionalität. Zudem bietet der Einsatz von IoT-Anwendungen wie Luftgütemessung, Parkraum- und Abfallbewirtschaftung, intelligente Beleuchtung und vieles mehr einerseits Effizienzsteigerungen und andererseits einen zusätzlichen Service für die Bürgerinnen und Bürger.

Obwohl die digitale Transformation bereits in vielen Bereichen unserer Gesellschaft Einzug gehalten hat, ist davon auszugehen, dass sich die Entwicklung in den nächsten Jahren noch weiter beschleunigen wird. Das bedeutet aber auch zunehmende Herausforderungen für die Unternehmen wie die Suche nach qualifiziertem Personal.

Besonders das Finden von Schlüsselarbeitskräften in den Bereichen IT, Data Science und Cybersecurity stellt schon seit einigen Jahren ein Wachstumshemmnis für die heimische Wirtschaft dar. Diese Positionen können aufgrund dieses Mangels teils nicht am Markt besetzt werden, weshalb die Unternehmen stärker auf interne Mobilität und Reskilling ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen müssen.

Zusätzlich muss langfristig in digitale Ausbildung investiert werden und auch bisher zu gering adressierte Potenziale ausgeschöpft werden. Daher müssen wir auch Diversität fördern und insbesondere junge Frauen ermutigen, technische Berufe wie etwa eine Lehre bei A1 zu ergreifen. Wir bei A1 sind davon überzeugt, dass diverse Teams bessere Resultate erzielen, auch deshalb, weil sie unsere alle Bevölkerungsschichten umfassende Kundenbasis viel besser abbildet.

Ausbau der digitalen Infrastruktur

Basis der umfassenden Digitalisierung der Wirtschaft Österreichs ist darüber hinaus der schnelle und flächendeckende Ausbau der digitalen Infrastruktur. A1 erweitert das mit Abstand größte Breitbandnetz Österreichs kontinuierlich und achtet darauf, nicht nur Städte und Ballungsräume, sondern auch ländliche Gemeinden weiter zu erschließen. Aus diesem Grund investieren wir jährlich rund 500 Millionen Euro in den Breitbandausbau allein in Österreich.

Das A1-Glasfasernetz erreicht mittlerweile eine Länge von rund 64.000 Kilometern und wurde somit in den letzten fünf Jahren verdoppelt. Dieses Netz bildet auch die Grundlage für den raschen 5G-Roll-out. Mit knapp 2.500 5G-Sendern in ganz Österreich sind bereits rund 60 Prozent der Bevölkerung mit der neuen Mobilfunkgeneration versorgt. Unser Ziel ist, 5G bis 2023 flächendeckend auszubauen und möglichst alle Kundinnen und Kunden mit der neuen Mobilfunkgeneration zu versorgen.

Effekte auf den Klimawandel

Wir sind uns unserer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und setzen konkrete Maßnahmen im Bereich der Nachhaltigkeit. Im Bereich Klima- und Umwelt haben wir uns als Ziel gesetzt, die CO2-Emissionen der gesamten A1 Gruppe bis 2030 auf netto null zu reduzieren. Eine Studie von Eco Austria gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut hat ergeben, dass der Anstieg der Breitbandanschlüsse zu einer Reduktion von CO2 Emissionen geführt hat.

Somit haben die Ergebnisse dieser Studie bestätigt, dass wir mit unserer digitalen Infrastruktur ein zentraler Wegbereiter für die grüne und digitale Transformation sind. Neben dem ökologischen Aspekt umfasst unsere Nachhaltigkeitsstrategie auch die Bereiche Gesellschaft und Corporate Governance. Im Bereich Gesellschaft legen wir großen Wert auf die Vermittlung von digitalen Kompetenzen und bieten dazu Kurse insbesondere für Kinder und Jugendliche an.

Neben einem Best-Practice-Compliance-System ist die gezielte Förderung von Frauen eine wesentliche Säule im Governance-Bereich. Wir bei A1 sehen es als unsere Kernaufgaben, eine zukunftssichere Infrastruktur sicherzustellen und mit gezielten Angeboten eine solide Basis für die Digitalisierung und Innovationskraft der österreichischen Gesellschaft und Wirtschaft bereitzustellen. Im Zentrum unserer Arbeit bleiben jedoch der Mensch und das Ziel, die Zukunft mit einfachen Lösungen besser und nachhaltiger zu gestalten.

Der Gastkommentar ist dem trend.digital | November 2021 entnommen.


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