Mobilität: Warum E-Autos weiter auf der Bremse stehen

Christoph Kopp, Principal und Big Data-Experte bei Horváth & Partners

Christoph Kopp, Principal und Big Data-Experte bei Horváth & Partners

MANAGEMENT COMMENTARY: Das Thema Elektromobilität ist zwar in aller Munde. Blickt man aber auf die Neuzulassungen bei E-Autos, ist es aber alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Der Autokäufer wartet ab. Und hat die Handbremse angezogen.

Trotz Mobilisierung von Industrie, Handel und Medien: Wenn es um Elektroautos geht, stehen Autokäufer auf der Bremse. 4.900 oder 2,8 Prozent aller Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2019 sind nicht gerade berauschend, derzeit fahren erst 25.500 E-Autos auf Österreichs Straßen.

Auch in Deutschland ist die Situation nicht besser. Ende 2018 waren es erst 83.000 rein elektrisch betriebene Fahrzeuge und noch einmal soviele Hybridfahrzeuge. Bis Ende 2019 soll die Marke von 250.000 E-Autos geschafft werden. Die erste Million wird nun für Ende 2022 angepeilt. Doch Experten sind sich einig: Zur Entwicklung eines echten Massenmarktes mit ausreichend Margen wäre eine Verdoppelung der E-Prämie sowie eine größere Modellbandbreite notwendig.

Damit die Attraktivität von E-Mobilen steigt, braucht es weitere Plug-in-Hybride sowie steigende Reichweiten neuer Elektromobile. Auch die in Deutschland seit 1.1.2019 eingeführte Vergünstigung für Dienstwagen mit Elektro- oder Hybridantrieb soll zur Belebung des E-Marktes Firmenwagen führen. Darüber hinaus hat Berlin die Verlängerung der Umweltprämie (E-Prämie) bis 2020 beschlossen.

Diese Maßnahmen reichen aber nicht aus, um das Millionenziel 2022 zu schaffen. Im vergangenen Jahr wurden lediglich acht neue E-Modelle und Varianten neu eingeführt. Auch für 2019 rechnen Experten nicht mit mehr als zehn neuen Modellen, noch dazu im Segment der Oberklasse. Auch wenn die Modellvielfalt in den nächsten Jahren steigen wird - ein massentaugliches E-Portfolio hat bisher kein großer Hersteller im Programm oder zumindest angekündigt.

E-Prämie könnte Schub geben

Um den Massenmarkt anzukurbeln, braucht es eine wirksame E-Prämie, z.B. eine Verdoppelung von bisher 2.000 auf 4.000 Euro bei Elektroautos unter 30.000 Euro. Denn: Der durchschnittliche Preisaufschlag für ein Elektroauto im Vergleich zum Verbrenner liegt auch unter Berücksichtigung der aktuellen E-Prämie bei fast 30 Prozent, hinzu kommt der Nachteil relativ geringer Reichweiten.

Wirtschaftlichkeit im Fokus

Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Erst wenn das Millionenziel erreicht ist, also frühestens 2022, können die angeschobenen Marktmechanismen greifen. Und erst mit den dann erzielbaren Skaleneffekten können die Automobilhersteller auch bei E-Fahrzeugen die erforderlichen Margen erzielen.

Ein Dilemma für alle Beteiligten: Denn die deutsche Automobilindustrie sollte ja nicht nur die verschärften CO2-Vorgaben der EU einhalten, sondern auch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten.


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Im Rahmen des „Fakten-Check Elektromobilität“ analysieren die Berater von Horváth & Partners jährlich die aktuelle Entwicklung wesentlicher Treibergrößen der E-Mobilität in Deutschland und errechnen Wahrscheinlichkeiten für das Erreichen relevanter Schlüsselgrößen im Markt.


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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