VW baut Software-Schmiede im Tech-Hotspot Lissabon

VW baut Software-Schmiede im Tech-Hotspot Lissabon

Den deutschen Autokonzern VW zieht es nach Portugal. In der Start-up-Szene von Lissabon sucht VW neue Inspiration und 300 neue Mitarbeiter für ein neues IT-Entwicklungszentrum.

Lissabon/Berlin. Es ist für Volkswagen nicht die 'Saudade', die portugiesische Form der sanften Melancholie oder des Weltschmerzes, die in der Form des Fado insbesondere in Lissabon Musiker inspiriert. VW hat Lissabon entdeckt, um dort Software herzustellen. Dass Lissabon für Start-up-Unternehmen und die Tech-Szene ein Hotspot Europas ist, hat sich nun bis zum Wolfsburger Autokonzern durchgesprochen.

Und auch VW will im Konzert der IT-Community in Portugals Hauptstadt mitmischen. "Es gibt in Lissabon eine wachsende Tech-Szene mit sehr gut ausgebildeten IT-Experten", sagt ein VW-Sprecher dem trend. Grund genug, um dort ein neues Entwicklungszentren innerhalb kürzester Zeit zu gründen. 300 IT-Entwickler sollen mittelfristig in der Stadt am Tejo für den VW-Konzern sowie die Nutzfahrzeuge-Sparte MAN Truck & Bus Software für diverse digitale Services bauen.

Drei Labs für Zukunftsthemen

Anschub soll in den ersten Wochen vom Digital Lab von VW in Berlin kommen. Das neue Lab in Lissabon soll aber eigene Einheit geführt werden, sagt ein VW-Sprecher dem trend. Die Bewerbungsphase ist bereits im Gang. Gesucht werde Software-Ingenieure, Web-Entwickler sowie UX-Designer (Anm. UX für User Experience) .

Der Autokonzern will dabei von seinem Berliner Digital Lab Know how nach Portugal transferieren. „Wir bringen dabei das Erfolgsrezept unseres Berliner Digital Labs nach Portugal: spannende Aufgaben verbunden mit modernsten agilen Arbeitsmethoden aus der Tech-Szene“, sagt Martin Hofmann, IT-Chef des Volkswagen Konzerns. Laut Hoffmann sollen in Portugal „top-qualifizierte und motivierte IT-Arbeitskräfte“ gewonnen werden. Das Berliner Digital Lab beschäftigt derzeit selbst 70 IT-Experten. Mittelfristig will VW auch in Deutschlands Hauptstadt und Start-up-Mekka auf 140 Mitarbeiter aufstocken.

In München sind weitere 75 Mitarbeiter im sogenannten DataLab des VW-Konzerns tätig, das sich als Kompetenzzentrum für die konzernweite Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz etabliert hat.

Insgesamt beschäftigt der Volkswagen-Konzern für 12 Marken rund 11.000 IT-Experten bei insgesamt 640.000 Mitarbeitern weltweit.

Vernetzte Autos, LKWs und Busse

Dabei geht es vor allem um die Entwicklung cloudbasierter Software-Lösungen zur weiteren Digitalisierung der Unternehmensprozesse im Konzern sowie Software für das sogenannte "Vernetzte Fahrzeug". Im Fokus der VW-IT-Ingenieure sind dabei auch Transportlösungen, die bei der Nutzfahrzeuge- und Bussparte zum Einsatz kommen sollen. Aber auch Apps für Endanwender mit unterschiedlichsten Dienstleistungen sollen programmiert werden.

„Vom Hardware-orientierten Nutzfahrzeughersteller entwickeln wir uns immer mehr zum Anbieter nachhaltiger und intelligenter Transportlösungen. Dabei spielen digitale Services eine zentrale Rolle“, sagt Stephan Fingerling, IT-Chef bei MAN.

MAN bestückt seine Trucks seit 2017 in Europa serienmäßig mit cloudbasierten Softwarelösungen. Die Digital Services RIO und MAN sollen in den Labs weiter entwickelt werden.

"Volkswagen geht zu den Leuten, wir sind nicht mehr diejenigen, die erwarten, dass sie zu uns kommen", heißt das neue Credo des Autokonzerns, der aufgrund der Absgasskandals um Vertrauen auch bei neuen Mitarbeitern ringt. Und das klingt fast wie die Melancholie im Fado.

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