Volkswagen greift mit FR8 nach dem nächsten Start-up

Volkswagen greift mit FR8 nach dem nächsten Start-up

Volkswagen steigt mit seinen Töchtern ein in das Millionenspiel um digitale Start-ups.

Eine Woche nachdem Volkswagen beim Uber-Konkurrenten Gett eingestiegen ist, folgt nun die nächste Beteiligung. FR8 Revolution Inc soll den Zugang zur Transportbranche ebnen. Das Start-up will künftig in etwa nach dem Vorbild von Airbnb als Frachtvermittler agieren. Das Unternehmen wurde erst im Herbst von drei deutschen Managern der Boston Consulting Group in San Francisco gegründet.

München. Ganz im Sinne der vorgegebenen Strategie von VW-Konzern-Chef Matthias Müller macht sich der Autokonzern abseits des Abgasskandals auf, sich für die digitalen Geschäfte der Zukunft zu rüsten. Die Nutzfahrzeugtochter MAN Truck & Bus beteiligt sich nun an dem Start-up-Unternehmen FR8 Revolution Inc. (sprich „Fr-eight“), das erst im Herbst 2015 gegründet wurde.

Die Idee der Frachtplattform stammt von drei deutschen Managern der Boston Consulting Group (BCG). Sie haben in San Francisco im Vorjahr die Logistikplattform "FR8.guru" gegründet. Matthew Kropp (‎vormals BCG-Partner und Managing Director) und Carl-Christoph Reckers (vormals BCG Principal) leiten heute die Geschäfte bei FR8. Jan Gildemeister ist weiterhin BCG Partner & Managing Director und beteiligt an FR8.

Die BCG-Manager haben sich zum Ziel gesetzt mit ihrem Start-up die Orderabwicklung der Frachtbranche in den USA auf den Kopf zustellen und vor allem für mehr Transparenz zu sorgen. Der Markt wird derzeit bestimmt von rund 12.000 sogenannten Freight Brokern, die etwa freie Ladekapazitäten zwischen Versender („Shipper“) und Transportunternehmen („Carrier“) vermitteln– derzeit hauptsächlich Telefon, E-Mail und Fax. Bei dem Markt werden alleine in den USA pro Jahr 700 Milliarden Dollar verschoben.

Im Februar haben die FR8-Macher von sechs Investoren in der ersten Finanzierungsrunde Seed-Kapital zur Anschubfinanzierung erhalten. Die Beträge wurden nicht genannt. Die VW-Tochter MAN - Konzernmutter VW hält an MAN derzeit 75,56 Prozent, der Rest ist in Streubesitz.- hat nun drei Monate später 8,5 Millionen Dollar in das Start-up investiert.

Neues Spielfeld

Mit der Beteiligung an FR8 will MAN Truck & Bus die digitale Transformation auch in den USA intensivieren. Dabei will die VW-Tochter Erfahrungen sammeln und auf Geschäftsmodelle in Europa übertragen, wie es in einer Aussendung heißt.

Die Internet-Plattform FR8.guru soll zuerst in den USA live gehen. Die Markteinführung soll in Kooperation mit Händlergruppen, Flottenbetreibern, Freight Brokern und Versendern erfolgen.

MAN verspricht sich auch mehr Transparenz in einem Markt, der hoch fragmentiert ist und dadurch Ineffizienzen aufweist. Die Preise seien nur schwer vergleichbar bei hohen Vermittlungsgebühren. FR8 will über seine Plattform Informationen in Echtzeit zur Verfügung stellen. Neben Preisen soll die Plattform auch Infos zum aktuellen Standort und Lagerkapazitäten zur Verfügung stellen. Die Infos sollen via Smartphone-App einfach abgerufen werden

„Die Logistikbranche ist heute nicht so wirtschaftlich, wie sie sein könnte", meint Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands der MAN SE und MAN Truck & Bus AG. "Es fehlt allen Beteiligten an Echtzeitinformation. Wo sind die Trucks gerade? Haben sie freie Ladekapazitäten? Wie hoch sind die aktuellen Preise? Wie steht es um die Lenkzeit des Fahrers?"


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Fast 35 Prozent des Frachtvolumens sollen laut MAN-Chef Drees heute nicht oder nur unzureichend genutzt werden. Drees lässt bereits durchblicken, dass er die Kooperation mit FR8 auch in Europa nutzen will. "Auch hierzulande sind Speditionen, Disponenten und Lkw-Fahrer häufig nur unzureichend über Logistikabläufe informiert und setzen eine Vielzahl unterschiedlicher IT-Systeme ein", sagt Drees.

Angenehmer Nebeneffekt: MAN sammelt über die App von den Nutzern komplette Datensätze und Profile, was im digitalen Geschäft unter dem Terminus "Big Data" als der Rohstoff der Zukunft zählt.

Dreistellige Millioneninvestition

Volkswagen Truck & Bus hat eigenen Angaben zufolge weit über 200.000 Lkw der Marken MAN und Scania vernetzt. Ab dem Jahr 2017 wird laut MAN jeder neu ausgelieferte Lkw online sein.

Die VW-Nutzfahrzeugsparte wird bis Ende 2020 einen mittleren dreistelligen Millionen-Betrag in digitale Technologien investieren. Bei MAN und Scania befassen sich bereits über 300 Mitarbeiter mit digitalen Innovationen.

Mit dem Einstieg bei FR8 Revolution Inc. hat der VW-Konzern binnen einer Woche bereits in einem zweiten Start-up investiert. Die 8,5 Millionen Dollar sind im Vergleich zur Investition beim Uber-Konkurrenten Gett geradezu ein Klax:

Wie bereits berichtet hat sich Volkswagen für den Einstige beim Fahrdienst Gett 300 Millionen Dollar kosten lassen. Gett wurde 2011 als Taxi-Service in Tel Avis in Israel gegründet. Der Mitfahrdienst ist in über 50 Städten verfügbar. VW soll dem Unternehmen den Weg vor allem in Europa bahnen und entscheidend die Expansion vorantreiben.

Auch hier spielt das Datensammeln eine außerordentliche Rolle. VW kann über das Nutzungsverhalten des Gett-Services sein Geschäft auf neue Beine stellen und mit digitalen Services Nutzerverhalten erheben und analysieren - und somit zusätzliche Erlösquellen erschließen.

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