Transformation - Warum sich agiles Arbeiten auszahlt

Marcus Dahmen von Horváth & Partners Frankfurt über die Topthemen im Transformationsmanagement. Und wie man künftige Geschäftsfelder mit Kanban, Scrum oder Design Thinking erschließen wird.

Thema: Management Commentary
Marcus Dahmen, Horváth & Partners Management Consultants

Marcus Dahmen, Horváth & Partners Management Consultants

Kanban, Scrum oder Design Thinking: Das sind keine neuen Modelabels aus London, sondern effiziente agile Methoden zur Unterstützung von Produktentwicklung und anderen Kreativprozessen. Kein Wunder, dass die krisengebeutelte Finanzindustrie mit Begeisterung darauf zugreift. Bis zu zwölf Prozent Effizienzsteigerung sind dort zu erwarten.

70 Prozent der heimischen Geldinstitute haben bereits Erfahrung mit agilen Arbeitsmethoden gesammelt, weitere knapp 20 Prozent wollen dies nachholen. Die Gründe dafür sind so einfach wie klar. Schlechte Ertragsaussichten und neue Wettbewerber wie FinTechs setzen die traditionellen Geldhäuser gehörig unter Druck. Zur Linderung reichen effizientere Geschäftsabläufe nicht mehr aus. Es geht um künftige Geschäftsfelder, die man mit agilen Arbeitsmethoden zu entwickeln sucht.

Aktuelle Horváth-Untersuchungen kommen zum Ergebnis, dass Banken und Finanzdienstleister bei richtigem Einsatz agiler Arbeitsmethoden bis zu acht Prozent mehr Kosten sparen und bis zu sechs Prozent mehr Ertrag erwirtschaften können. Bei kompromissloser Umsetzung sind Effizienzsteigerungen von bis zu 12 Prozent möglich. Interessant dabei: Kleinere Geldhäuser erzielen agil vergleichsweise höhere Ertragssteigerungen (12,5 Prozent) als mittlere (9,1 Prozent) und große Kreditinstitute (5,8 Prozent).

Wie das geht

Bei agilem Arbeiten geht es ums Vernetzen, um interdisziplinäre Zusammenarbeit und experimentell-kreatives Arbeiten. Agile Methoden beanspruchen damit für sich, Projekte schneller, besser und reibungsloser realisieren zu können. So entstehen bessere Ergebnisse, Abwege werden schneller erkannt, und insgesamt läuft der Prozess deutlich abgestimmter rund.

Von beiden Ansätzen bildet Scrum die umfassendere Philosophie ab und ist vor allem für die Teamarbeit konzipiert. Während sich Scrum eher für Kreativprojekte eignet und dazu dient, überschäumende Kreativität zu bändigen und in geordnete Bahnen zu lenken, wird Kanban ebenso gut für Routine-Aufgaben eingesetzt, etwa bei der Erstellung von Konzernabschlüssen.

Kanban ist eher eine Methode, um Aufgaben im Team oder als Führungskraft zu steuern, setzt sehr stark auf Visualisierung und ist damit auch für Einzelkämpfer geeignet, die auf diese Weise Projekte durchstrukturieren können. Design-Thinking Prozesse sind noch stärker kunden- und nutzenorientiert: Hier werden nicht nur die eigenen Bedürfnisse, sondern auch Kundenerwartungen, technische Möglichkeiten und wirtschaftliche Anforderungen berücksichtigt.

Anspruch und Realität

Je mehr Routine Finanzinstitute bei der Nutzung agiler Instrumente haben, desto stärker wächst ihr Anspruch. Das gilt sowohl für Erträge als auch für Kosten. Bei der Einführung agiler Arbeitsprozesse ergeben sich jedenfalls große Herausforderungen.

Unerfahrene Anwender nennen hier vor allem die nachhaltige Verankerung der Methoden und das Aufbrechen verkrusteter Strukturen. Im Gegensatz dazu sehen erfahrene Institute die größte Schwierigkeit darin, das Topmanagement für die notwendigen Veränderungen auch zu begeistern. Als herausfordernd wird zudem der Übergang von alten zu neuen Arbeitsweisen empfunden.

Unterschiedliche Ziele

Was die einzelnen Banken mit agilem Arbeiten konkret erreichen wollen, kann sich stark unterscheiden. So ist kleineren Häusern oft Kommunikationsgeschwindigkeit ein besonderes Anliegen. Große Institute erachten hingegen häufig die Steigerung der Innovationsfähigkeit als wichtigstes Ziel. Auch bei den Institutsgruppen gibt es unterschiedliche Zielsetzungen. So versprechen sich Privat- und Geschäftsbanken von der Agilität in erster Linie mehr Kundenzufriedenheit. Sparkassen hingegen streben in erster Linie danach, ihre Entscheidungsprozesse zu beschleunigen.

Fazit: Banken und Finanzdienstleister, die sich in der Vergangenheit auf bewährte Geschäftsmodelle verlassen konnten, haben aufgrund der veränderten Kosten- und Ertragssituation extrem hohen Adaptionsbedarf. Agile Arbeitsmethoden sind da die einzige Möglichkeit, aus verkrusteten Strukturen auszubrechen, Effizienzpotenziale zu heben und neue Ertragsquellen zu erschließen.


Für die "Effizienzstudie 2019/2020" wurden über 50 Experten der Finanzbranche befragt. Für weitere Infos Klicken Sie => HIER
Die wesentlichen Ergebnisse sind in dieser => Infografik veranschaulicht


Der Autor

Marcus Dahmen ist Head of Tranformation Excellence bei Horváth & Partners in Frankfurt .


Die Serie "Management Commentary" ist eine Kooperation von trend.at und der Unternehmensberatung Horváth & Partners. Die bisher erschienen Beiträge finden Sie zusammengefasst im Thema "Management Commentary".


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