Tieto-Austria-Chef Hohenauer: "Wir machen Maßarbeit, mit besten digitalen Werkzeugen"

Thomas Hohenauer, Geschäftsführer von Tieto Austria

Thomas Hohenauer, Geschäftsführer von Tieto Austria

Thomas Hohenauer, Geschäftsführer von Tieto Austria, weiß, wie man die digitale Transformation anpackt und Mitarbeiter motiviert. Und wie die Digitalisierung als "ganzheitlicher Prozess" zu sehen ist.

trend: Ihr jüngstes Firmenvideo* kommt erfrischend anders daher, als sich IT-Dienstleister sonst präsentieren. Wollen Sie den Kunden die Angst vor der Digitalisierung nehmen, indem Sie sich über Buzzwords und die eigene Branche ein bisschen lustig machen?
Thomas Hohenauer: Seien wir doch ehrlich, ein Prise Humor und Augenzwinkern ist nicht nur im Business oft extrem hilfreich. Hinter dem unterhaltsamen Ergebnis stand aber die ernsthafte Idee, dass es bei aller Digitalisierung und künstlicher Intelligenz ja immer um den Menschen geht und wie er diesen Change erlebt. Und wir als IT-Dienstleister sind von dieser Disruption genauso betroffen wie alle anderen Branchen.

Was unterscheidet die Digitalisierung von früheren Entwicklungen im IT-Sektor? Ist es die Geschwindigkeit, mit der die Transformation passiert?
Hohenauer: Die Geschwindigkeit ist natürlich ein Thema, aber die größte Änderung zu früher ist sicher: Es werden komplette Geschäftsmodelle geändert, um nicht zu sagen auf den Kopf gestellt. Früher hat man als Manufacturer verdient, wenn man sein Produkt immer besser gemacht hat. Jetzt ist es eine Frage des Service. Früher haben die Firmen versucht, Service eher zu vermeiden.

Man versucht also, langfristige Beziehungen aufzubauen ...
Hohenauer: ... und dabei oft auch Mehrwert für die Kunden des Kunden zu generieren. Und die ganze Umsetzung passiert schneller, agiler. Ein Projekt darf heute selten länger als sechs Monate dauern.

Was bedeutet das für Sie als IT-Dienstleister? Sie verkaufen ja nicht mehr nur Werkzeuge und Lizenzen, Sie müssen mehr beraten?
Hohenauer: Wir sind "Digital Advisors" geworden, versuchen, den Kunden zu erklären, was diese neuen Geschäftsmodelle für sie bedeuten - und das aus einer herstellerneutralen Außensicht betrachtet. Uns ist wichtig, die Kunden mit modernsten Technologien einfach und verständlich in eine sinnvolle digitale Zukunft zu führen. Wir haben Methoden, das mit dem Kunden gemeinsam zu erarbeiten. Wir kommen nicht mit einer fixfertigen Lösung ins Haus. Wir machen Maßarbeit, das aber mit den besten digitalen Werkzeugen.

Tieto ist zuletzt stark gewachsen. Wie agil sind Sie im eigenen Haus?
Hohenauer: Wir haben alleine im Jahr 2018 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dazubekommen. Mit einer herkömmlichen Linienorganisation hätten wir wohl einfach einen neuen Manager dazugesetzt, zusätzliche Hierarchien eingebaut. Wir setzen aber mehr auf Selbstverantwortung: Die Entscheidungen sollen dort fallen, wo das Wissen ist. Wir haben kleinere Teams organisiert, die sich selbst führen. Wichtig ist, dass jedes Team einen klaren Zweck hat. Wir orientieren uns da stark am "Spotify-Modell", wo nach Kompetenzen gebündelt wird. Die Projekte werden in sogenannten "Squads" zusammengefasst: Da kann ein Webentwickler genauso drin sein wie ein Datenbankexperte. So verhindern wir Abteilungsdenken. Als dritte Struktur haben wir Innovationsthemen in sogenannte "Guilds" gefasst. So sind wir eine lernende Organisation. Immer wieder entstehen Teams aus eigener Initiative. Es funktioniert bisher wunderbar und die Mitarbeiter sind sehr motiviert

Warum sollte ich als potenzieller Kunde Ihnen den Vorzug vor anderen Digitalberatern geben?
Hohenauer: Wir sehen Digitalisierung als ganzheitlichen Prozess, der Nutzen generiert. Wenn etwas keinen klaren Nutzen bringt, dann tun wir es nicht. Wir erkennen Bedürfnisse und beraten unsere Kunden einfach und verständlich über die gesamte Projektlaufzeit - und das mit echter Begeisterung für das Thema Digitalisierung. Dabei denken wir auch immer die Auswirkungen auf die Organisationsstruktur der Kunden mit und haben auch dafür Lösungen parat.

Zur Person

Thomas Hohenauer führt seit dem Jahr 2005 die Geschäfte von Tieto in Österreich. Der IT-Dienstleister mit nordeuropäischen Wurzeln beschäftigt in Österreich rund 160 Mitarbeiter an Standorten in Wien, Linz und Graz.

Tieto Austria bietet IT-Dienstleistung für sämtliche Life-Cycle-Services und betreut Kunden aus der Industrie, dem öffentlichen Bereich, der Energiewirtschaft, dem Banken- und Telekommunikationssektor, arbeitet für Unternehmen wie Asfinag, KTM, Bawag, Delfort, Wienerberger und A1 Telekom.



Die Interview ist im Rahmen einer Kooperation mit Tieto im trend.PREMIUM 9/2019 am 1. März 2019 erschienen


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