Ticket-Plattform viagogo: Viele AGB-Klauseln unzulässig

Ticket-Plattform viagogo: Viele AGB-Klauseln unzulässig

Am 10. Dezember steigt das Rückspiel im Champions League-Kracher Red Bull Salzburg - Liverpool. Online werden Tickets um über 1.000 € angeboten. Oft zu unzulässigen Bedingungen - wie etwa bei viagogo.

Das Wiener Handelsgericht hat insgesamt 42 Klauseln in den Geschäftsbedingungen der Schweizer Ticketplattform viagogo als unzulässig erklärt. Über die Plattform wird ein reger Zweithandel mit Eintrittskarten zu Veranstaltungen betrieben.

Es gibt kaum eine Veranstaltung, für die sich in den Weiten des Internets nicht doch noch irgendwo eine Eintrittskarte findet - und das, obwohl besonders begehrte Events oft schon nach sehr kurzer Zeit ausverkauft sind.

Dahinter steht eine regelrechte Ticketmafia, die zum Start des Vorverkaufs oder gelegentlich auch schon davor gezielt und in möglichst großer Stückzahl Eintrittskarten zu Konzert-, Theater- oder Sportveranstaltungen aufkauft, um sie dann am Zweitmarkt zu überhöhten Preisen weiterzuverkaufen. Je schneller eine Veranstaltung ausverkauft ist, desto besser ist es für das Geschäft am illegalen Schwarzmarkt - illegal deswegen, weil der Weiterverkauf von Eintrittskarten laut Geschäftsbedingungen in der Regel untersagt ist und die Karten immer häufiger sogar nur noch personalisiert vergeben werden, Käufer beim Einlass eigentlich einen Ausweis vorweisen müssten.

Wirklich kontrolliert wird jedoch selten, und wenn, dann tragen die Käufer das Risiko, bei der Veranstaltung nicht eingelassen zu werden. Im Internet blüht daher weiterhin der als "Sekundärmarkt" bezeichnete Ticket-Schwarzmarkt mit den überteuerten Eintrittskarten.

Ein Beispiel dafür sind Eintrittskarten für den UEFA Champions League Kracher Red Bull Salzburg gegen den FC Liverpool, für die am Online-Schwarzmarkt bei viagogo bereits bis zu 1.345 Euro pro Ticket gefordert werden - Gebühren und Versandkosten noch gar nicht mitgerechnet. Die sind bei viagogo recht saftig und können schnell auch 10 bis 20 Prozent des Verkaufspreises betragen

"Sekundärmarkt" Internet: Hier werden zu extrem überhöhten Preisen mit begehrten Eintritttskarten gehandelt.

Dubiose Plattform als Platzhirsch

Das Schweizer Unternehmen viagogo sieht sich als der weltweit größte Sekundärmarktplatz für den Verkauf von Live-Event-Tickets. Seit Jahren beschweren sich Kunden über die undurchsichtigen Geschäftsbedingungen der Plattform, die hohen Preise und die geschmalzenen Gebühren, die beim Kauf einer Eintrittskarte bei viagogo anfallen und in der Regel erst dann angezeigt werden, wenn der Ticket-Kauf nur noch einen einzigen, letzten Klick entfernt ist.

Konsumentenschützer warnen schon lange davor, Eintrittskarten bei dem Ticket-Zweitmarkt zu kaufen, doch der blüht dessen ungeachtet munter weiter. Manchen Fans ist es scheinbar egal, wie teuer eine Eintrittskarte ist. Für sie zählt nur der olympische Gedanke: "Dabeisein ist alles."

Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) kritisiert, dass die Gestaltung der viagogo-Webseite den Eindruck erwecken kann, es sei eine offizielle Verkaufsplattform und die Konsumenten nicht wissen, von wem sie die Tickets erwerben. Die britische Wettbewerbsbehörde, Competition and Markets Authority (CMA) nimmt die Praktiken von viagogo unter die Lupe.

Eine Online-Suche nach Tickets zu einer beliebigen Veranstaltung führt Interessenten auch schnell zu viagogo, obwohl Google im Juli erklärt hatte, nicht mehr mit dem Anbieter zusammenzuarbeiten.

Urteil gegen Ticket-Plattform

Nun könnte viagogo zumindest in Österreich bald ein Ende bevorstehen, denn das Wiener Handelsgericht hat in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der umstrittenen Online-Plattform mit Sitz in Genf ganze 42 Klauseln als unzulässig erklärt. So zum Beispiel die Klausel, dass Schweizer Recht gilt und Schweizer Gerichte zuständig sind. Auch dass viagogo bei Lieferschwierigkeiten entscheiden kann, ob sie dem Verbraucher beliebige Ersatztickets mit einem vergleichbaren Preis anbietet oder den Ticketpreis zurückzahlt, befand das Gericht als gröblich benachteiligend. Ebenfalls für unzulässig erklärte wurde eine Klausel, die eine Rückerstattung des Ticketpreises ausschloss, wenn das Ticket nicht an den Kunden zugestellt werden kann.

Weitere vom Handelsgericht als rechtswidrig beurteilte Klauseln betrafen beispielsweise die Möglichkeit von viagogo, die AGB jederzeit zu ändern, die vom Käufer zu tragenden Kosten im Falle eines Zahlungsverzugs oder die Pflicht der Käufer, Ansprüche gegenüber viagogo innerhalb von nur fünf Tagen über ein spezielles Reklamationsformular geltend machen zu müssen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, teilte der VKI mit, der gegen die Plattform vorgeht.

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