T-Systems CEO Lenz: "Der Kunde will nicht nur das Billigste"

Peter Lenz, Managing Director T-Systems Austria GmbH

Peter Lenz, Managing Director T-Systems Austria GmbH

T-Systems-Austria-Chef Peter Lenz im trend-Interview über Perspektivenwechsel, seine Mitarbeiter, Herausforderungen im Konzern und SAP-Projekte.

trend: Sie sind seit Jänner 2018 Vorsitzender der Geschäftsführung von T-Systems in Österreich. Davor waren Sie bei Magna, OMV und zuletzt CIO der ÖBB. Wie erleben Sie den Perspektivenwechsel von der Kunden- auf die Anbieterseite?
Peter Lenz: Nachdem ich 20 Jahre auf der Anwenderseite war, verstehe ich sicher sehr gut, wo ein Unternehmen steht und was es von seinem Partner im Markt erwartet. Muss es innovativ sein? Muss es Kosten sparen? Wird es gerade disruptiert? Hat es zu wenig Mitarbeiter, um die Systeme zu betreiben? Es geht meist sehr gut weiter in den Kundengesprächen, wenn man Lösungen für die aktuellen Bedürfnisse anbieten kann. Da hilft der T-Systems-Konzern im Rücken natürlich schon. Wir haben rund 38.000 Leute weltweit, die an Lösungen arbeiten.

trend: Der Preis war und ist bei IT-Lieferanten ein entscheidendes Argument. Gewisse Projekte müssen die Kunden aber einfach machen. Cloud, Security etwa - spielen hier Standort und Vertrauen heute größere Rollen als früher?
Lenz: Das ist ganz sicher so. Der Kunde will nicht nur das Billigste, sondern will bestimmte Qualitäten. Er stellt sich Fragen wie: Ist mein Partner verlässlich oder zieht er mich nach eineinhalb Jahren über den Tisch? Ist das jemand, bei dem ich langfristig bleiben kann? Zuletzt hat mir ein von uns betreuter CIO gesagt, von mir aus könnt ihr noch 20 Jahre unser Lieferant bleiben, Hauptsache der Preis ist marktkonform. Ihr seid ein Teil von meinem Unternehmen geworden. Ich muss nicht alle drei oder fünf Jahre wechseln.


Wir wollen einen Gegenpol zu den US-basierten Anbietern setzen.

trend: Der neue T-Systems-CEO Adel Al-Saleh will den Digitalisierungsbereich neu aufstellen. Was bedeutet das?
Lenz: T-Systems hat ein traditionell sehr starkes Geschäft im Bereich Datenleitungen und Telekommunikation. Da kommen wir her. Dieser Bereich Datennetze wird nach wie vor eine der Grundsäulen in der Leistungserbringung bleiben. IT-Outsourcing werden wir weiter anbieten, auch wenn der Preisdruck enorm ist. Wo unser CEO hin will, sind Wachstumsfelder wie das Internet der Dinge, Cloud, SAP, Sicherheit, Digital Solutions und Services für die öffentliche Hand. Bei SAP beispielsweise stehen in den nächsten sechs, sieben Jahren so viele Umstellungsvorhaben in der Tür. De facto muss sich jedes Unternehmen auf S/4HANA-Applikationen wandeln. Da ist die Frage, was ich vom Bestand auf diese Plattform transformiere ("Brownfield"-Ansatz), oder ob ich auf der grünen Wiese ("Greenfield") noch einmal anfange. Da gibt es eine Vielzahl an Beratungsprojekten. Wir haben bereits S/4HANA-Umstellungs-Expertise gemeinsam mit einem Kunden in Österreich aufbauen können. Wir sind ready, und noch haben wir die Kollegen dafür verfügbar. Dann gibt es Bereiche wie Logistikketten, Predictive Maintenance - überall dort, wo Sensorik und Analytik zum Tragen kommt. Natürlich ist auch das Cloud Offering ein großes Wachstumsfeld. Bei der Cloud wollen wir einen Gegenpol zu den US-basierten Anbietern setzen.
Al-Saleh erwartet sich gerade auch vom Security-Bereich viel Neugeschäft. Wir beobachten, dass es sich heute kaum eine Organisation - auch die ganz großen - mehr leisten kann, die ganze Bandbreite an Security-Maßnahmen abzudecken. Es passiert einfach so viel in den unterschiedlichsten Segmenten. Da sind wir mit der Telekom Security (T-Sec), die weltweit rund 1.200 Mitarbeiter hat, perfekt aufgestellt. Es gibt eine Datenbank an Schadcode, die 20 Jahre zurückreicht, wo Millionen Code-Zeilen drinnen sind. Wir fangen weltweit Aggressoren in Honeypots ab, und oft warnen wir die Kunden als Erste: "Bei euch sehen wir Anomalien im Netzwerk oder auf den Servern".


Rechenzentren sind wie gut gewartete Flugzeuge. Es wird permanent investiert.

trend: T-Systems wurde in den Medien zuletzt allerdings vor allem mit Mitarbeiterabbau assoziiert: 6.000 Stellen allein in Deutschland sollen bis zum Jahr 2020 wegfallen. Wie viele wird es in Österreich und der Schweiz treffen?
Lenz: Die Zahlen für die Länder sind noch nicht bekannt. Aber Österreich gilt im Konzern als Wachstumsland. Es geht ja nicht primär um einen Abbau, sondern um eine Neuausrichtung des Unternehmens. Auch wenn jemand in seinem angestammten Feld nicht mehr tätig sein kann, heißt das nicht, dass es nicht in den Wachstumsfeldern - wie dem Internet der Dinge, Security oder dem Systemintegrationsgeschäft - alternative Möglichkeiten gibt.

trend: Wie finden Sie die fehlenden bzw. passenden Mitarbeiter? Der Fachkräftemangel wird auch Sie nicht unberührt lassen.
Lenz: In bestimmten Bereichen ist es schon lange schwierig, entsprechend gut ausgebildete Mitarbeiter zu bekommen - beispielsweise SAP-Spezialisten. Unser Weg ist der, dass wir in vielen Bereichen unsere Mitarbeiter nach Abschluss einer einschlägigen Fachausbildung, etwa an einer HTL oder Fachhochschule, selbst weiter ausbilden. Das beginnt schon mit einem umfangreichen Programm für Praktikanten und Praktikantinnen, wo wir junge Leute ins Unternehmen holen und ein Jahr lang bei spannenden Themenstellungen einsetzen.

trend: Was verbindet die Konzernschwestern in Österreich? Wirklich gemeinsam läuft man nicht.
Lenz: Ja, wir sind Schwestern im großen Konzern der Deutschen Telekom. Es gibt ja auch noch die SDS, die Bankensoftware entwickelt und eine interessante Nische in Österreich und im europäischen Ausland bedient. Wir verstehen uns nicht nur menschlich, auch unser Portfolio ergänzt sich sehr gut. Dadurch heben wir uns vom Mitbewerb ab. Wir sehen großes gemeinsames Potenzial im Big-Data- und IoT-Umfeld. Wir haben die Projektleiter, die Systeme und unser Rechenzentrum im T-Center und können auch operativ unterstützen. Gleichzeitig können wir von unserer Schwester verstärkt die neu hinzugekommenen UPC-Datenleitungen nutzen.

trend: Ihr Rechenzentrum ist mittlerweile auch schon 14 Jahre alt. Der Mitbewerb baut gerade ein großes Neues.
Lenz: Rechenzentren sind wie gut gewartete Flugzeuge, auch unseres. Man sieht ihm die vierzehn Jahre nicht an, weil permanent investiert worden ist und auch weiterhin wird. Es ist topaktuell, und wir haben eine Reihe von Kunden, die hochverfügbare Systeme bei uns laufen lassen, und sind hier absolut State of the Art. Eine Card-Complete oder eine Asfinag mit Millionen Transaktionen lassen hier rechnen.


Zur Person

Peter Lenz. Der 48-Jährige Informatiker legt seit 1998 eine beeindruckende Karriere als IT-Manager hin. Seine Stationen waren Magna, OMV und die ÖBB, bevor er 2017 als Delivery-Manager ins T-Systems-Management wechselte und mit 2018 die Österreich-Geschäftsführung übernahm. Als CIO wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem von EY.


Das Interview mit T-Systems Austria Managing Director Peter Lenz ist der trend-Ausgabe 32-43/2018 vom 10. August 2018 entnommen.

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Stefan Bergsmann, Österreich-Geschäftsführer von Horváth & Partners

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