Single-Börsen: Das Geschäft mit den einsamen Herzen

Single-Börsen: Das Geschäft mit den einsamen Herzen

Singles sind gefragt - und zwar von Partnerbörsen wie Parship, ElitePartner, eDarling und Zoosk, die an den Mitgliedsbeiträgen der Alleinstehenden gut verdienen. Doch wie unterscheiden sich die einzelnen Angebote? Und ist digital wirklich besser? Ein Überblick.

Wo lernen Singles heutzutage den Partner fürs Leben kennen? Glaubt man den Angaben diverser Online-Partnerbörsen, so hat sich schon ein Drittel aller Paare im Internet kennengelernt. Das wird auch gerne mit Studien untermauert. Jedoch: Angesichts der Auftraggeber dieser Studien sind die Ergebnisse erstens nicht verwunderlich und zweitens mit Vorsicht zu genießen.

Ein ganz anderes Bild zeigt nämlich eine Studie des deutschen Instituts für Demoskopie Allensbach, die 2012 vom Kaffeeröster Jacobs in Auftrag gegeben wurde. Demnach haben sich nämlich nur zwei Prozent aller Paare über Online-Partnerbörsen kennengelernt. Bei Paaren, die erst fünf Jahre zusammen sind, liegt der Anteil bei sechs Prozent. Etwas besser sieht es da noch aus, wenn man auf sozialen Netzwerken wie Facebook zur Jagd auf das andere Geschlecht bläst: Zwei Prozent aller Paare insgesamt kamen auf diesen Weg zusammen. Bei den „frischeren“ Paaren sogar zehn Prozent.

Den größten Erfolg verspricht der Allensbach-Studie zufolge hingegen – aller virtuellen Zukunftseuphorie zum Trotz – das klassische Offline-Flirten: Die meisten Paare (27 Prozent) lernten sich über den Freundes- und Bekanntenkreis kennen, gefolgt von abendlichem Ausgehen in Kneipen und Diskotheken (16 Prozent) oder durch die knisternde Stimmung im Büro (elf Prozent).

Allerdings wird auch die Relevanz der Allensbach-Studie angezweifelt, und zwar von der Website singleboersevergleich.com: Die Studie beziehe auch Paare mit ein, die sich in einer Zeit kennenlernten, als es noch keine Online-Partnerbörsen gab, heißt es dort – folglich sei der geringe Anteil von zwei Prozent nicht verwunderlich. Alternativ wird von den Autoren der Website eine an 800 deutschen Standesämtern durchgeführte Befragung angeführt. Demnach sind 16,4 Prozent der 2013 geschlossenen Ehen aus einer Online-Partnervermittlung hervorgegangen.

Außerdem zeigt sich, dass auffallend viele Online-Paare aus gescheiterten Ehen hervorgegangen sind. Paare, die zum ersten Mal vor den Traualtar treten, haben dagegen ihre Beziehungen deutlich öfter "offline" begründet. Dies deckt sich auch mit den Angaben der Single-Börsen selbst: „Zwei Drittel unserer Mitglieder in Österreich sind geschieden“, sagt Kelly Steckelberg, CEO der US-amerikanischen Plattform Zoosk, im Gespräch mit trend.at: „Und sie bekommen auch mehr Anschriften als jene, die noch nicht verheiratet waren.“ Die Hälfte der österreichischen Zoosk-Nutzer hat bereits Kinder. Singlebörsen scheinen sich also vor allem für den zweiten Anlauf zu bewähren.

Die Qual der Wahl

Obwohl der Anbieter "Parship" etwa damit wirbt, täglich Kunden zu verlieren - und das gleich paarweise - ist der Online-Dating Markt in Österreich im wachsen begriffen. Glaubt man der Website singleboersen-vergleich.at, so ist die Zahl der monatlichen Online-Dating-User von 2011 auf 2013 um gut zehn Prozent auf 680.000 gestiegen sein. Der jährliche Umsatz der Branche lag demnach im Jahr bei 17,2 Millionen Euro. Mit eingerechnet sind dabei nicht nur Partnervermittlungen, sondern auch so genannte „Social Dating Plattformen“ wie Badoo und Lovoo, die das „unverkrampfte Kennenlernen von netten Leuten“ propagieren, sowie Anbieter von „Casual Dating“, wie etwa c-date.at.

Doch wohin gehen jene, die eine langfristige Beziehung suchen? Schließt man diese Portale für kurze Bekanntschaften, unseriöse Flirts und Seitensprünge aus, so ergibt sich das folgende Marktbild, basierend auf Angaben der Anbieter, sowie von den Websites dating-vergleich.at und www.singleboersencheck.at:

Partnerbörsen im Vergleich
Name Mitglieder in Österreich Verteilung männlich/weiblich
Parship 500.000 48/52
ElitePartner 175.000 46/54
eDarling 225.000 48:52
Zoosk 150.000 58:42

Anbieter Zoosk rühmt sich damit, in 80 Ländern und mehr als 25 Sprachen verfügbar zu sein, mehr als 35 Millionen sichtbare Profile befinden sich auf der Website des Anbieters aus Silicon Valley. Wobei es aber natürlich einem Single aus St. Pölten in der Regel wenig nützt, wenn er ein Mädel in Miami interessant und begehrenswert findet.

Die anderen genannten Player sind in Deutschland angesiedelt: Die in Hamburg ansässige Parship GmbH ist eine Tochter der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck; die 2001 gestartete Website ist nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland und europaweit „klarer Marktführer“, wie es auf der Website heißt. Die EliteMedianet GmbH, gegründet 2004, sitzt mit rund 80 Mitarbeitern ebenfalls in Hamburg und ist ein Tochterunternehmen der börsenotierten Münchener Tomorrow Focus AG. Die hinter eDarling stehende, 2008 gegründete Affinitas GmbH mit 300 Mitarbeitern hat namhafte deutsche Finanzinvestoren wie Holtzbrinck Ventures und die börsenotierte Rocket Internet als Mäzene.

Vorsicht vor falschen Profilen

Emanzipation hin und her - bei den Partnerbörsen ergreifen immer noch öfter die Männer die Initiative. Aus diesem Grund gibt es in der Regel unter den Kunden mehr Männer als Frauen. Und der ideale Mix aus Männern und Frauen liegt daher für die Partnerbörsen laut Steckelberg nicht bei 50:50, sondern – wie eben auf Zoosk - bei einem geringfügig größeren Männeranteil.

Doch wer garantiert den Möchtegern-Romeos eigentlich, dass die anvisierten Damen aus dem Internet auch tatsächlich die attraktiven Geschöpfe sind, als die sie sich ausgeben? Gefälschte Profile beschäftigen die Anbieter seit jeher. Dementsprechend treffen die seriösen unter ihnen Maßnahmen, um Täuschungen und in der Folge auch Enttäuschungen vorzubeugen. So werden Profilangaben und Fotos etwa nicht nur durch Algorithmen, sondern von Administratoren aus Fleisch und Blut überprüft. Zudem ist es bei manchen Anbietern möglich, durch ein „verifiziertes Profil“ die Authentizität der digitalen Identität nachzuweisen: Bei Parship funktioniert dies etwa, indem der Nutzer die Telefonnummer seines Vertragshandys einreicht – denn einen Handyvertrag bekommt man in Österreich nur gegen Vorlage eines amtlichen Lichtbildausweises, womit die Identität also klar nachgewiesen ist. Bei Zoosk wiederum machen Nutzer mit ihrem Smartphone ein Video von sich selbst; anschließend wird das Video durch einen Administrator mit dem Profilfoto verglichen – ist auf beiden Medien die gleiche Person zu sehen, so gilt das Profil als echt.

Zudem vertrauen die Portale auf Beschwerden aus der Community, verdächtige Geräte werden ebenso geblockt wie zwielichtige IP-Adressen. Dennoch ist es auch hier nicht anders als bei der Antivirus-Industrie: Es bleibt ein ewiger Wettlauf zwischen Sicherheitsanbietern und Kriminellen.

Datenkraken und Elitedenken

Neben Sicherheitsaspekten und massiven Marketing-Ausgaben versuchen die Parship-Herausforderer, über Differenzierung zu punkten. Am deutlichsten kommt dies wohl bei ElitePartner zum Ausdruck, deren Slogan „Akademiker & Singles mit Niveau“ verspricht, hauptsächlich Mitglieder mit akademischem Hintergrund – angeblich sind es 68 Prozent - zu vermitteln. Denn Beziehungen sind besonders glücklich, wenn beide Partner das gleiche Bildungsniveau haben, argumentieren die Anbieter.

Zoosk wiederum möchte sich durch Einfachheit differenzieren. Denn während man bei anderen Seiten etwa einen Fragebogen ausfüllen muss, der daraus ein Persönlichkeitsprofil und die dazu passenden Partner ermittelt, lernt Zoosk aus dem Verhalten des Nutzers: Basierend auf dem, welche Personen der Nutzer anschreibt und wie diese antworten, werden weitere Vorschläge gemacht. Auch können Hobbys und Vorlieben aus Social Networks wie Facebook importiert werden, um bessere Vorschläge zu erhalten. Muss sich der Nutzer hier nicht um seine Daten sorgen? Zwei der 175 Mitarbeiter, so Zoosk-Chefin Steckelberg, beschäftigen sich ausschließlich mit IT-Sicherheit: „Außerdem sind die Daten für uns zwar nützlich, außerhalb unseres Systems für potenzielle Hacker aber nicht aussagekräftig“, versichert sie. Die Server – auch jene, die Daten der europäischen Kunden enthalten - stehen übrigens in den USA.

Mobile Apps, mit denen das Suchen nach dem Lebensgefährten auch unterwegs möglich ist, gehören bei den Anbietern inzwischen zum Standard – nicht verwunderlich ist, dass ElitePartner, passend zur Zielgruppe, neben einer Apple- und Android-App auch eine App für das Business-Smartphone BlackBerry bietet.

Der Preis der Liebe

So weit, so gut. Doch wie tief müssen Kunden in die Tasche greifen, wenn sie online die Liebe ihres Lebens finden wollen? Billig ist der Spaß jedenfalls nicht – Parship gibt sogar die Preise für die Premium-Nutzung der Plattform erst dann bekannt, wenn man als Nutzer ein Konto angelegt und einen langen Fragebogen ausgefüllt hat: Ein Monat lang die Dienste der Partnervermittlung in Anspruch zu nehmen kostetet 44,90 Euro, bei 12-monatiger Premium-Mitgliedschaft reduziert sich der Preis auf 34,90 Euro pro Monat – und wer sich zwei Jahre lang an die Plattform bindet, ist mit 24,90 Euro pro Monat dabei. Die Gesamtkosten belaufen sich dann auf fast 600 Euro.

Bei ElitePartner staffeln sich die Preise folgendermaßen: 3 Monate ab 69,90 € pro Monat, 6 Monate ab 54,90 € pro Monat, 12 Monate ab 39,90 € pro Monat und 24 Monate ab 24,90 € pro Monat. Bei eDarling kostet die dreimonatige Mitgliedschaft 69,90 Euro pro Monat, die sechsmonatige Mitgliedschaft 49,90 Euro pro Monat und die zwölfmonatige Mitgliedschaft 34,90 pro Monat. Der Knackpunkt bei diesen Preismodellen: Es gibt keine Erstattung. Wer eine Mitgliedschaft für 24 Monate eingeht, muss dann auch den vollen Preis zahlen. Selbst wenn man sich schon nach einem Monat glücklich verliebt. Von den Plattformen wird an dieser Stelle gerne angeführt, dass die Erhaltung der Qualität und das Verifizieren der Profile ins Geld gehen – und auch, dass ein hoher Preis eine Hemmschwelle darstelle. Um diejenigen abzuschrecken, die es mit der Suche nach der Liebe gar nicht so ernst meinen.

Mit diesem Video verteidigt Parship die Preispolitik.

Angesichts der Preise stellt sich daher die Frage, ob sich das Geld noch doch besser in der Offline-Welt, im Rahmen einer konservativen Partnersuche ausgeben lässt. Denn mit 45 oder gar 70 Euro monatlich ließen sich auch in Kaffeehaus-Besuche, Abendessen oder etwa Clubbing-Besuche finanzieren. Orte und Gelegenheiten, an denen man ebenfalls den Partner fürs Leben finden könnte. 80 Euro kostet etwa jeweils eine Ballkarte für den Ball der Wissenschaften oder ein Tanzkurs bei der Tanzschule Elmayer. Ebenfalls Rahmen, in denen das Knüpfen zarter Bande leicht fallen sollte. Bewegung, Freude und Abwechslung vom Alltag im Büro und vor dem PC sind da bereits inkludiert.

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