IT-Fachkräfte: Schulabgängern fehlt oft das Basiswissen

Die Pandemie hat den IT-Fachkräftemangel verschärft. Denn Unternehmen haben in verschiedenen IT-Gebieten investiert. In welchen Bundesländern besonders viele IT-Mitarbeiter benötigt werden, wie stark der IT-Fachkräftemangel in den nächsten fünf Jahren steigen dürfte und was Schulen laut dem Fachverband dringend ändern sollten.

IT-Fachkräfte: Schulabgängern fehlt oft das Basiswissen

Die Pandemie hat den Fachkräftemangel im IT-Sektor weiter verschärft. So waren vor dem letzten Lockdown rund 28.000 offene IT-Stellen ausgeschrieben. Anfang 2020 waren es 24.000 gewesen, berichtet der Fachverband für Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) in einer Online-Konferenz.

Mit Folgen für die betroffenen Unternehmen und die Gesamtwirtschaft: Jährlich geht so in Österreich eine Wertschöpfung in Höhe von 3,8 Milliarden Euro verloren, rechnet der Verband vor. Jeder Euro der in IT investiert wird, erzielt laut Verband eine 6-fache Wertschöpfung.

Firmen steigen auf Cloud um
Seit der Pandemie hat sich in Unternehmen am IT-Sektor viel geändert. „Speziell kleine Unternehmen haben seither rasch auf die Digitalisierung umgestellt“, so Alfred Harl, Obmann des Fachverband UBIT. So mancher Betrieb hat in der Krise erst ein digitales Standbein geschaffen oder ausgebaut. „Viele IT-Dienstleistungsservices wurden praktisch von einem Tag auf den anderen umgestellt“, erzählt Harl. Prozesse wurden digitalisiert. So steigen immer mehr Unternehmen für ihr Datenmanagement auf die Cloud um, berichtet der Verband. „Damit werden Arbeitsprozesse vereinfacht, beschleunigt und sicherer gemacht“, erklärt Verbandsobmann Harl. Der Umstieg auf die Cloud werde häufig von Digitalisierungsexperten begleitet.

Pandemie als Treiber: Arbeitsprozesse werden digitalisiert
IT, in vielen Unternehmen lange ein Stiefkind, ist nun in etlichen Firmen eine der Prioritäten. So hat die Zusammenarbeit zwischen IT-Abteilung und Geschäftsführung zugenommen. „Fragen zum Thema IT und IT-Security werden nicht mehr delegiert, sondern auf Geschäftsführungsebene behandelt“, weiß Harl zu berichten. Auch Managementprozesse selbst werden derzeit digitalisiert. So wurde das Dokumentenmanagement im Zuge der Pandemie in vielen Betrieben modernisiert. Statt vor Ort bei den Mitarbeitern Soll-Ist-Werte abzufragen oder umständlich im Netzwerk zu suchen, können sämtliche Informationen, wie Verträge und andere Unterlagen, nach der Digitalisierung dieses Prozesses mittels Dashboard unkompliziert abgerufen werden.

In fünf Jahren 30.000 vakante Stellen prognostiziert
Um die Betriebe auf den neuesten Stand der IT zu bringen, werden derzeit am meisten Fachkräfte in Oberösterreich und in Wien gesucht. So sind in Oberösterreich 7.200 IT-Stellen vakant, in Wien fehlen 6.000 IT-Spezialisten. Der Mangel wird sich in den nächsten fünf Jahren noch weiter verschärfen, prognostiziert der Verband. Dann werden in den Betrieben dann voraussichtlich 30.000 Mitarbeiter mit IT-Ausbildung gesucht werden. "Wir glauben damit aber den Peak erreicht zu haben", so Martin Zandonella, Obmann-Stellvertreter vom Fachverband UBIT. Gesucht werden IT-Spezialisten aus allen Bereichen: IT-Systems und –Security, IT-Support, Software-Engeenierung, IT-Analyse, Automatisierung und Data Science. „Derzeit gibt es in einzelnen Bereichen wie Data Science, wegen des geringen Bedarfs auch noch eine geringe Nachfrage, aber heute noch kleinere IT-Bereiche wachsen so stark, dass in wenigen Jahren der Bedarf überall gleich hoch sein wird“, so der stellvertretende Obmann.

In Schulen wird kaum Basiswissen vermittelt
Als einer der Hauptgründe für die geringe Zahl an Absolventen von Lehrberufen und Studien sieht der Fachverband den praktisch nicht vorhandenen IT-Unterricht in den Schulen. „Es gibt zwar viele die eine IT-Lehre oder ein Studium beginnen, viele davon fangen aber praktisch bei Null an“, moniert Zandonella. Wenn Schülern etwas über IT beigebracht wird, dann in der HTL und den entsprechenden Berufsschulen.

Als einer der Hauptgründe für die geringe Zahl an Absolventen von Lehrberufen und Studien sieht der Fachverband die praktisch nicht vorhandenen Wissensvermittlung in den Schulen in diesem Bereich. „Es gibt zwar viele die eine IT-Lehre oder ein -Studium beginnen, aber viele von diesen fangen was ihr IT-Wissen betrifft praktisch bei Null an“, moniert Zandonella. Wenn Schülern etwas über IT beigebracht wird, dann in der HTL und den entsprechenden Berufsschulen. In anderen Schultypen wird vom gesamten Unterrichtsstoff nur drei Prozent IT-Wissen vermittelt. Und das sei auf einem extrem niedrigen Niveau, vor allem in AHS, aber auch in der HAK und HASCH gebe es keine nennenswerte Vermittlung von IT-Inhalten. Nicht viel besser sei die Lage in berufsbildenden Schulen. „Die Schüler lernen meist nur Programme zu bedienen, aber das ist als würden Schüler im Deutschunterricht und nur Maschineschreiben lernen. Deutschunterricht wäre das damit aber noch lange keiner“, gibt Zandonella zu Bedenken. IT-Basiswissen werde nicht vermittelt.

Von den drei Prozent der, die IT-Kenntnisse vermitteln, werden zudem knapp 50 Prozent davon an zwei AHS-Schulen vermittelt: Eine davon in Graz, die andere in Linz. „Die beiden bilden fast die gesamte IT-Kompetenz an den AHS-Schulen“, so der Verbandsexperte.

Hohe Drop-out-Quote
„Auch die Studienbeschränkungen sind nicht förderlich“, bemerkt Zandonella. Beim Bachelor liegt die Dropout-Quote im IT-Bereich derzeit etwa bei 60 Prozent. Als einer der Gründe nennt Harl auch hier die geringen Vorkenntnisse.

Österreich bei IT-Fachkräftemangel unter den Top 3 in Europa
Österreich ist mit dem Mangel an IT-Spezialisten zwar in Europa zwar nicht alleine, „aber seit Jahren immer unter den Top 3“, sagt Zandonella. Nur Tschechien weißt derzeit einen noch größeren Bedarf an IT-Fachkräften auf. „Darauf zu hoffen, sich aus dem Ausland Fachkräfte zu rekrutieren, ist also keine Option“, so der Experte. Vielmehr müsse die Ausbildung auf allen Ebenen forciert werden. „Schon im Kindergarten sollte logisches Denken gefördert werden“, so der Fachgruppenobmann. An den Unis sollten in den ersten beiden Jahren auf die unterschiedlichen Ausgangsniveaus der Auszubildenden besser eingegangen werden.

Thomas Haller ist Managing Partner der globalen Strategieberatung Simon-Kucher & Partners.

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